FeedMerösz
ErdkundeBrockhaus 1882

Merösz, die Hauptstadt des äthiop. Reichs, welche Herodot die Mutterstadt aller Äthiopier nennt. Nach Strabo war M. eine Stadt und zugleich die Insel, d. h. die von zwei Flüssen umgebene Landschaft, in der die Stadt lag, und wird demgemäß jetzt allgemein angenommen, daß M. in der Nähe des heutigen Begerauieh, nordöstlich von Schendi, lag, zwischen dem Nil und dem Atbara, dem alten Astaboras, wo noch jetzt die ausgedehnten Ruinen einer bedeutenden Stadt und zwei Gruppen von Pyramiden zu sehen sind. Aber Metropole der Athiopen war dieses M. erst nach des Kambyses Feldzug gegen die Athiopen. Die Hauptstadt des alten Athiopenreichs lag viel nördlicher beim heutigen Berg Barkal und hieß Napata; daß sie auch M. geheißen habe, ist nicht zu beweisen, obwohl es in der Nähe davon noch jetzt ein Dorf Meraui gibt. Die einheimisch-äthiop. Bauwerke (Tempel und Pyramiden) und Inschriften des alten Herrschaftssitzes am Barkal gehen bis auf König Taharka (Tirhaka in der Bibel, am Anfang des 7. Jahrh. v. Chr.) zurück. Was aus früherer Zeit vorhanden ist, sind Denkmäler der ägypt. Könige (3. B. des großen Ramses), welche ihre Croberungen hierher ausgedehnt hatten. Das jüngere Reich, das auf der Astaborasinsel seinen o nog aud hatte, enthielt außer der Residenz auch noch andere Tempelstätten, deren Ruinen noch jetzt näher hei Schendi und tiefer im östl. Lande unter den Namen von Naga und C'Sofra bekannt sind. Aber diese Denkmäler gehören frühestens dem ersten vorchristl. Jahrhundert an. In M. waren früher die Priester, wie berichtet wird, der mächtigste Stand, aus dem selbst die Könige gewählt wurden. Diese mußten sogar, wenn es die Priester befahlen, sich selbst den Tod geben, eine Sitte, welche erst vom König Ergamenes (Ark-Amen) zu den Zeiten des Ptolemäus Philadelphus abgeschafft worden sein soll. Daß der meroitische Staat oft auch von Königinnen regiert wurde, berichten die Alten und bezeugen noch die Denkmäler, welche, soviel sich davon in den Ruinen des nördlichen alten und des südlichen züngern M. erhalten hat, zum ersten mal vollständig in Lepsius (Denkmäler aus Agypten und Nubien» (Berl. beldienn dargestellt sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 639Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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