Meyerbeer (Giacomo), eigentlich Jakob Meyer Beer, berühmter Opernkomponist, geb. zu Berlin 5. Sept. 1791 (nach dem Beschneidungsregister; nach M.s eigener Angabe 1794) als der Sohn des reichen und angesehenen Bankiers Beer, verriet frühzeitig bedeutende musikalische Anlagen und erhielt durch den Klavierlehrer Lauska den ersten Musikunterricht. Schon im Alter von neun Jahren wurde er den besten Klavierspielern Berlins deigezählt. Um diese Zeit nahm er Unterricht bei Clementi; im Alter von 15 J. ging er zum Abt Vogler in Darmstadt, bei dem er, im Verein mit K. M. von Weber und Gänsbacher, drei Jahre hindurch seiner Ausbildung eifrig oblag. Gegen Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. Ende seiner Studienzeit veröffentlichte er vierstimmige geistliche Gesänge (Klopstocksche Gedichte), und es erfolgte auch seine Ernennung zum großherzogl. darmstädtischen Hofkomponisten infolge seiner Cantate Gott und die Naturo. In seinem 18. Jahre begab sich M. nach München, wo er seine erste Oper: (Jephthas Tochtero, auf die Bühne brachte. Dann wandte er sich nach Wien. Hier trat er bald den gefeiertsten Klaviervirtuosen an die Seite, während seine komische Oper Abimelek, oder die beiden Kalifeno, sowie das Monodram «Thevelindav keinen Erfolg hatten. Auf Salieris Rat ging M. zu weiterer Ausbildung nach Venedig und nahm nun Rossini zum Vorbild bei einer Reihe von Opern, die er für verschiedene Bühnen Italiens zu komponieren begann. Die meisten derselben machten Glück und verbreiteten M.s Ruf über Italien; aber nur die letzte von ihnen, der 1824 für Venedig geschriebene „II Crociato in Egittob, drang über die Alpen. Zur Inscenierung letzterer Oper 1826 nach Paris berufen, blieb M. fortan in der franz. Hauptstadt. Erst 1831 erschien unerwartet auf der Bühne der Großen Oper sein „Robert le Diablev, ein Werk, das die vollständige Umwandlung seines künstlerischen Schaffens zeigte und das größte Aufsehen erregte. M. hatte die Rossinische Form, in der er sich bis dahin bewegt, abgestreift bis auf die Fähigkeit, für Gesang zu schreiben, welche M. als der beste Erwerb aus seiner langen ital. Schule dauernd eigen blieb, und war zu selbständiger Manier durchgedrungen. Hierzu kam noch eine reiche melodische Erfindung und Meisterschaft in der Handhabung aller Mittel des musikalischen Effekts. Sein Ruf wurde noch befestigt durch die nachfolgende Oper (Les Hugenotso, welche 1836 zuerst in Paris über die Bühne ging. Dieses Werk ist überhaupt der Höhepunkt von M.s Schaffen, in ihm findet sich der Stil des Künstlers vollständig ausgearbeitet und zu noch bedeutsamern Wirkungen verwertet. Zugleich treten jedoch in demselben die Schattenseiten der Manier mehr zu Tage, die Häufungen drastischer Wirkungsmittel, übertriebenes Raffinement in Bezug aufs Detail, auf die Spitze getriebene Charakterisierung. In den spätern Produktionen Mis zeigen sich diese Mängel desto greller, je mehr in ihnen die Frische, Fülle und der Wert der spezifisch musikalischen Erfindung abnimmt. Es sind dies die Opern Ein Feldlager in Schlesien» (1844 zur Wiedereröffnung des berliner Opernhauses zuerst aufgeführt, später unter dem Titel «Vielkav, ein wenig umgearbeitet, auch in Wien gegeben); „Le Prophéte (1849, zuerst in Paris), LEtoile du Nordo (1854, zuerst an der Opéra-Comique in Paris aufgeführt und verschiedene Nummern aus dem Feldlagerv in umgestalteter Form enthaltend), Le pardon de Ploërmelo (auch «Dinoraho genannt und 1859 an der pariser Opéra-Comique zuerst gegeben), L.Xfricainer (1865, zuerst in Paris). Hieran schließt sich die zum Teil sehr feine Musik zu seines Bruders (Michael Beer) Tragödie „Struenseey (1846, zuerst in Berlin). M. beherrschte 30 Jahre lang die musikalische Bühne und ist noch heute durch seine Nachfolger nicht verdrängt. Er ist fast als ein ausschließlich theatralischer Komponist anzusehen, denn was er sonst noch komponiert hat, kommt tseinen Opern gegenüber nicht in Betracht. Im J. t1832 ernannte ihn der König von Preußen zum Hofkapellmeister, 1842 zum königl. preuß. Generalmusikdirektor. M. starb 2. Mai 1864 zu Paris. Seine Überreste wurden in Berlin 9. Mai 1864 beigesetzt. Vgl. Mendel, Giacomo M. Eine Biographiev (Berl. 1868); derselbe, «Giacomo M. Sein Leben und seine Werker (Berl. 1869))..