FeedMarschner (Heinr.)
MusikBrockhaus 1882

Marschner (Heinr.), namhafter deutscher Komponist, geb. 16. Aug. 1796 zu Zittau in Sachsen, bezog 1816 die Universität Leipzig, um die Rechte zu studieren, wählte aber die Tonkunst als Lebensberuf und veröffentlichte bald verschiedene seiner Arbeiten, Lieder, Klaviersachen u. s. w. Im J. 1817 lernte er in Karlsbad den ungar. Grafen Amadee kennen, lebte dann bei diesem teils in Wien, teils in Ungarn und komponierte die einaktige Operette Der Kyffhäuserbergo, die Oper «Heinrich V. und Aubigné (durch K. M. von Weber 1819 in Dresden zur Aufführung gebracht), die Oper „Saidar » u. a. Im J. 1821 wandte er sich nach Dresden, wo er 1823 die Stelle als Musikdirektor bei der deutschen und ital. Oper erhielt und 1826 die Sängerin Marianne Wohlbrück heiratete. Im folgenden Nm wandte sich das Ehepaar nach Leipzig, wo M. im März 1828 die Oper „Der Vampyro zur Aufführung brachte. Dieses Werk begründete seinen Ruhm. Während das Talent M.s hier noch unter dem Einfluß Webers erschien, trat seine Eigentümlichkeit freier hervor in der Oper „Templer und Jüdin» (Text von Wohlbrück), die 1829 zuerst in Leipzig aufgeführt wurde und allenthalben glänzenden Erfolg hatte; darauf folgte 1830 die Oper Des Falkners Brauto. Inzwischen hatte M. den Ruf als Hofkapellmeister in Hannover erhalten und begann hier 1. Jan. 1831 seine Wirksamkeit. Zunächst komponierte er hier die Oper «Hans Heilingo (Text von Eduard Devrient), welche im Mai 1833 zum ersten mal in Berlin gegeben wurde, die gelungenste und vollendetste Leistung M.s. Dieser folgten «Das Schloß am AÄtna (Text von Klingemann), Der Bäbu» (Text von Wohlbrück), «Adolf von Nassau » (1844) und «Austin » (1852). M. starb 14. Dez. 1861, nachdem er einige Jahre vorher in Ruhestand getreten. Nach dem Tode seiner Frau Marianne (1854) hatte er sich zum zweiten mal 1855 mit der Sängerin Therese Janda (gest. 2. Okt. 1884 in Wien als Gattin des Komponisten und Kapellmeisters Otto Bach) verheiratet. Außer seinen dramatischen Werken komponierte M. auch viele Klaviersachen und Lieder, von denen letztere namentlich einstimmige sowohl wie für Männerchor) geschätzt sind. Eine von Hartzer gefertigte Bronzestatue M.s wurde 11. Juni 1877 auf dem Platze vor dem Theater in Hannover enthüllt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 484Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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