FeedMiako
ErdkundeBrockhaus 1882

Miako, Mijako, gegenwärtig offiziell Kioto (Hauptstadt des Westens) genannt, die alte Reichshauptstadt von Japan und früher die Residenz des Mikado (s. d.), sowie die heilige Stadt der Japaner, liegt auf der Insel Nipon, in der frühern Landschaft Jamasiro in einer anmutigen und fruchtbaren, von Hügeln umgebenen Thalebene an dem Flusse Jodo, dessen Arme sie durchströmen. M. hat gerade, sich rechtwinkelig kreuzende, sehr reinliche, aber enge Straßen und ist reich an Palästen, Tempeln u. s. w. Die frühere Residenz des Mikado, das Dairi, bildet im nordöstl. Teile der Stadt ein eigenes Viertel. Drei konzentrische Ringmauern, deren Zwischenraum von den Jashkes oder Palästen der Kuge, d. i. des frühern Hofadels des Mikado, und den Wohnungen seiner sehr zahlreichen niedern Beamten und Dienerschaft eingenommen wird, von denen allen die meisten jedoch jetzt leer stehen und bereits verfallen sind, umgeben die eigentliche, aus einem Komplex von Hallen, Höfen, Gärten und Weihern bestehende Residenzdes Mikado, welche aber an Großartigkeit wie an Reichtum der innern Einrichtung von dem Schlosse der Sgoguns der letzten Dynastie im westl. Teile der Stadt weit übertroffen wird. Die Zahl der Sintotempel in M. beläuft sich auf 2000, die der buddhistischen jetzt noch auf kaum so viel, indem viele derselben, seitdem der Buddhismus nicht mehr Stagtsreligion ist, ihre Einkünfte verloren haben, dem Verfall entgegengehen, auch zu andern Zwecken verwendet werden. Die großartigsten und merkwürdigsten von letztern sind der Nisi-hon-Guan-Si, ein prachtvoller, dem Amida (Buddha), als dem Stifter der buddhistischen Sekte Monto, gewidmeter Doppeltempel; der an einem Bergrand erbaute Kio Mit-Su, der Tempel des Daibuts, d. h. Großen Buddha, mit einer 25 m hohen, sitzenden, vergoldeten Buddha-Statue aus Holz; der San-Jo-San-Jen-Do genannte, aus dem 12. Jahrh. stammende Tempel des Kwanwon mit angeblich 33 333, wirklich aber nur 686 vergoldeten Götzenbildern. Von Sin-to-⸗Tempeln ist besonders der Mari-no-Jasiro genannte, dem Gotte des Ackerbaues gewidmete zu erwähnen. Die Bevölkerung, welche früher gegen 600000 betrug, beläuft sich gegenwärtig (1883) auf nur noch 239 425 Seelen. Durch die polit. Neugestaltung von Japan, infolge deren Tokio Residenz des Mikado wurde, hat M. in allen Verhältnissen sehr gelitten, namentlich durch große Auswanderungen dorthin. Man fabriziert in M. das beste Porzellan, viel Gold⸗ und Silbergewebe, Seiden⸗, Lack⸗ und Stahlarbeiten, berühmte Säbelklingen, musikalische Instrumente, Spielzeug, Bildschnitzereien u. s. w. Der hiesige Handel erstreckt sich auf Thee, Reis, Seidenstoffe, Porzellan, Lackwaren u. s. w. Der jetzt auch von Dampfschiffen befahrene Jodogawa, sowie eine vortreffliche Heerstraße verbinden M. mit der großen Handelsstadt Ohosakka (s. d.). Durch eine ununterbrochene Häuserreihe mit M. verbunden, liegt 13 km südlicher, an dem Jodo Fusimi, der eigentliche Hafen von M. mit 20697 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 692Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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