FeedMiklosich (Franz von)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Miklosich (Franz von), der hervorragendste Slawist der Gegenwart, geb. 20. Nov. 1813 bei Luttenberg in Steiermark, studierte in Graz die Rechte und ging 1838 nach Wien, wo er 1844 die Stellung eines Skriptors an der Hofbibliothek erhielt. Im J. 1848 ward M. von seinen Landseuten zum österr. Konstituierenden Reichstag gewählt. Sodann wurde er 1849 zum außerord., 1850 zum ord. Professor der Slawistik an der wiener Hochschule ernannt. Auch wählte ihn 1850 die kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu ihrem wirklichen Mitglied und 1866 zum Sekretär der philos.⸗ histor. Klasse. Im J. 1862 wurde M. als lebenslängliches Mitglied in den Reichsrat berufen. Um die Grundlagen zu einer vergleichenden Grammatik der slaw. Sprachen zu gewinnen, wandte er, dur ein gründliches Studium der Arbeiten von Jako Grimm und Bopp vorbereitet, sich zunächst der sorgfältigsten Durchforschung der altslowen. oder kirchenslaw. Litteraturdenkmäler zu. Als Ergebnis derselben erschienen die Radices linguae palaeoslovenicaer (Lpz. 1845) und das Lexicon linguae palaeoslovenicae (Wien 1850; 2. Aufl. 1865), zwei Werke, mit denen er seine Befähigung zum Sprachforscher glänzend bekundete. Sein eigentliches Hauptwerk bildet jedoch die Vergleichende Grammatik der slaw. Sprachen» (4 Bde., Wien 1852—74, Bd. 1 u. 3 in 2. Aufl. 1879 und 1876), welche den Arbeiten von Jak. Grimm, Diez und Zeuß für die german., roman. und kelt. Sprachen würdig zur Seite tritt. Außerdem veröffentlichte M.: Monumenta linguae palaeoslovenicae e codice Suprasliensio (Wien 1851), «Monumeuta Serbicap (Wien 1858), eine Ausgabe der russ. Chronik des Nestor (Wien 1860) und begann „Slaw. Bibliothek (Bd. 1 u. 2, Wien 1851 —58) etc. In Verbindung mit J. Müller gibt er die KActa et diplomata graeca medii aevio (Bd. 1—4, Wien 1860 — 70) heraus. Zahlreiche Einzeluntersuchungen enthalten die Denkschriften und Sitzungsberichte der wiener Akademie, darunter die ausgezeichneten Forschungen «Küber die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Europas» (1872 —77). Vgl. Wagner, „M. und die magyar. Sprachwissenschafte (Preßb. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 708Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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