FeedMilchstraße
HimmelskundeBrockhaus 1882

Milchstraße heißt von alters her der helle, weißliche Streifen, der sich fast in der Gestalt eines größten Kreises, welcher mit dem Äquator einen Winkel von ungefähr 63“ bildet, um die ganze Himmelskugel erstreckt. Sie schneidet die Ekliptik in der Nähe des Sternbildes der Zwillinge, geht hierauf durch die Sternbilder Fuhrmann, Perseus, Fassiopeia, Cepheus und Schwan, dann, in zwei Arme geteilt (nur etwa zwei Fünftel des ganzen Zugs derselben sind ungeteilt), durch die Sternbilder Fuchs, Adler, Sobiestischer Schild, Schütze, Poniatowskischer Stier und Schlangenträger. Bei dem Sternbilde des Kreuzes ist sie dem Südpol am nächsten; dann geht sie durch das Schiff und das Einhorn nach den Füßen der Zwillinge. Ihre Breite ist sehr verschieden und wechfelt zwischen 3½3 und 225; in vielen Gegenden erscheint sie dem bewaffneten Auge um 6—7 breiter als dem unbewaffneten. Schon Demokrit soll von der M. die richtige Ansicht gehabt und dieselbe aus dem vereinigten Glanze unzähliger Firsterne erklärt haben. Dieselbe Behauptung sprach Galilei bald nach Erfindung der Fernrohre mit Bestimmtheit aus; aber erst William Herschel vermochte durch seine vortrefflichen Instrumente die M. wirklich in einzelne Sterne aufzulösen. Kant machte bereits um die Mitte des 18. Jahrh. darauf aufmerksam, daß sie wenn anders Galilei recht habe, auf eine ungleiche Verteilung der Sterne schließen lasse. Die Ansicht wurde durch Herschels Beobachtungen vollkommen bestätigt, und gegenwärtig sind die meisten Astronomen der Meinung zugethan, daß die M. nichts anderes als eine linsen- oder vielleicht auch ringförmige, an einer Stelle in zwei Teile gespaltene Sternschicht sei, in deren Mitte oder nahe bei derselben unser Sonnensystem sich befinde. So erklärt sich ganz ungezwungen, warum die Sterne immer dünner gesäet zu sein scheinen, je weiter sich unser Auge von der M. entfernt. Den in Mitteleuropa sichtbaren Teil der M. hat Heis in seinem Himmelsatlas: Atlas coelestis novuso (Köln 1872), sowohl der Ausdehnung als auch der Helligkeit nach möglichst genau verzeichnet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 716Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Himmelskunde 6