FeedMilchwirtschaft
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Milchwirtschaft, auch Meierei oder Molkerei, nennt man denjenigen Teil der Viehwirtschaft, welcher die Verwertung der Milch der Wiederkäuer, vorzugsweise der Kuh, ferner der Ziege und des Schafs, zum Zwecke hat. Im östl. Rußland und in den asiat. Steppen wird auch die Stute als Milchtier benutzt, in Arabien und Nordafrika das Kamel, in Südamerika das Lama und Alpaka, in Nordeuropa das Renntier. In der Landwirtschaft civilisierter Länder erstreckt sich jedoch der Molkereibetrieb vorzugsweise auf die Produkte der Rindviehzucht. Entweder wird die Milch ohne weitere Verarbeitung sofort verkauft, wie in den Bevölkerungscentren und in deren Nähe, jedenfalls die einfachste und meistens lukrativste Verwertung; oder man verwandelt die Milch in Butter und Käse (beziehungsweise Zieger) und benutzt die Molken als Viehfutter (für Schweine und Kälber); in seltenern Fällen wird aus den Molken Milchzucker oder Molkenessig gewonnen. Beim Verkauf der Milch ist das Augenmerk hauptsächlich auf die Erzeugung großer Mengen, bei der Verarbeitung daneben auf die gute Qualität der Milch gerichtet. Durch Aus-⸗ wahl der Rasse, sowie durch die Haltung und Fütterung der Kühe ist man in der Lage, dem einen oder andern Bedürfnisse bis zu einem gewissen Grade gerecht zu werden. Das Melken der Kühe erfolgt entweder täglich zweimal (morgens und abends) oder dreimal (morgens, mittags und abends), in welch letzterm Falle das täglich gewonnene Milchquantum ein etwas größeres ist. Liegen gleich lange Zeiträume zwischen den einzelnen Melkungen, so ist ein Unterschied in der zur Zeit erhaltenen Milchmenge, sowie in der Zusammensetzung der Milch nicht vorhanden; bei ungleich langen Zeiträumen erhält man zur Zeit um so mehr, aber um so dünnere Milch, je länger die Pausen, dagegen um so weniger und um so fettere Milch, je kürzer die Pausen zwischen den Melkungen sind. Die Buttergewinnung aus der Milch erfolgt entweder durch Verbuttern der ganzen gesäuerten Milch oder durch Entrahmung der Milch und Verbuttern des Rahms (s. Butter und Butterbereitung), die Rahmgewinnung entweder durch Säuerung der Milch oder durch Labzusatz, sowohl zur ganzen als zur entrahmten Milch. (S. Käse.) Vgl. Martiny, «Die Milch, ihr Wesen und ihre Verwertung (Danz. 1871); Fleischmann, Das Molkereiweseno (Braunschw. 1879); Kirchner, „Handbuch der Milchwirtschafto (Berl. 1882); von Klenze, «Handbuch der Käsereitechnik' (Brem. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 716Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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