FeedMilchzähne
TierreichBrockhaus 1882

Milchzähne, s. unter Zahn. lactis) ist ein Bestandteil der Milch der Säugetiere und wird im großen besonders in der Schweiz durch Verdampfen der vom Fett- und Käsestoff befreiten Kuhmilch, der sog. süßen Molken (s. d.), und durch darauf folgende Krystallisation erhalten, worauf er durch wiederholtes Auflösen in heißem Wasser, Entfärben der Lösung durch Tierkohle und Krystallisieren gereinigt wird. Die Kuhmilch enthält gegen 5 Proz. M. Im Handel trifft man ihn teils in der Form von sog. Trauben, teils als Bodenstücke an. Ersteres sind Krystallaggregate, die sich an Stäbchen, welche in die krystallisierende Flüssigkeit gehängt sind, gebildet haben, letzteres Krusten, die am Boden und an den Wandungen der Krystallisiergefäße sich abgesetzt haben. Er ist in Alkohol und AÄther gar nicht und in Wasser schwerer als der Rohrzucker löslich; auch ist er härter. Der M. besitzt einen schwachen, aber angenehm süßen Geschmack und hat die Eigenschaft, manche Metalle (Kupfer, Silber, Quecksilber) aus ihren Lösungen zu reduzieren. Man verwendet daher zuweilen seine Auflösung technisch zur Herstellung von Silberspiegeln, d. h. zum überziehen von Glasplatten mit einer dünnen Silberschicht, an Stelle des weit weniger praktischen Zinnamalgams. In der Medizin benutzt man ihn als schwaches, die Verdauung beförderndes Mittel, meist jedoch nur, um kleine Gaben stärkerer Mittel, welche man ihm beimischt, in feinverteiltem Zustande zu geben. Auch wird er zu sog. künstlichen Molkenpulvern verwendet, indem man ihn mit arab. Gummi zusammenreibt und in Wasser auflöst. Durch Kochen mit verdünnten Säuren oder durch Fermente spaltet sich der M. in Laktose und Traubenzucker. Infolge dessen geht er, obgleich selbst nicht gärungsfähig, in Berührung mit Ferment in Alkoholgärung über und liefert dabei eine alkoholische Flüssigkeit, den Kumiß der Tataren. Der M. wurde zuerst 1619 von Bartoletti erwähnt und vorzüglich durch Testi 1698 bekannt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 716Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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