FeedMilzkrankheiten sind selten primäre
TierreichBrockhaus 1882

Milzkrankheiten sind selten primäre, selbständige Affektionen der Milz, sondern meist sekundärer Natur, indem sie vorwiegend als begleitende Erscheinungen oder als Folgezustände bei verschiedenen Erkrankungen anderer Organe, besonders der Leber und des Herzens, sowie bei gewissen Allgemeinleiden (Wechselsieber, Typhus, Pocken, Milzbrand u. a.) auftreten. Zu den primären Krankheiten der Milz gehören streng genommen nur die sog. lineale Form der Leukämie (s. d.), der Krebs und der Echinococcus der Milz, welche letztere beiden zu den seltenern Vorkommnissen zählen. Unter den sekundären M. bieten die Tuberkulose der Milz, die syphilitische Entartung derselben, sowie die speckige oder amyloide Entartung (bei langwährenden Knochenleiden und Eiterungen) nichts Besonderes dar. Von Wichtigkeit sind die akute Schwellung oder Hyperämie der Milz, welche im Verlauf des Typhus und verwandter Infektionskrankheiten auftritt und in der Regel ohne weitere Folgen mit Ablauf der Grundkrankheit wieder verschwindet, und die chronische Milzschwellung oder Hypertrophie der Milz, welche meist Folge hartnäckiger Wechselfieber ist und mit mehr oder minder schweren Funktionsstörungen einhergeht. Bei hochgradiger Milzhypertrophie erleidet die Milz eine beträchtliche Vergrößerung und Gewichtszunahme (bis zu 10 kg und darüber), sodaß sie nicht selten die ganze linke Hälfte der Bauchhöhle ausfüllt; in solchen Fällen klagen die Kranken über das Gefühl von Druck und Vollsein, über Beklemmung und Atmungsbeschwerden, zeigen auch gewöhnlich eine blasse, fahle Gesichtsfarbe, leiden häufig an Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden und Blutungen, insbesondere an Nasenbluten, und werden schließlich oft wassersüchtig. Die Behandlung erfordert möglichst baldige Übersiedelung in eine malariafreie Gegend, längern Gebrauch von Chinin⸗ und Eisenpräparaten, kräftige leichtverdauliche Nahrung und kalte Umschläge oder Douchen auf die Milzgegend. Von den sonstigen M. sind auch die Blutergüsse oder hämorrhagischen Infarkte der Milz erwähnenswert, welche am häufigsten bei Krankheiten des linken Herzens und bei Pyämie vorkommen und dadurch entstehen, daß mit dem Blutstrom aus dem Herzen oder den Lungenvenen kleinere Gerinsel in die Milz gelangen, in den feinen Arterien derselben stecken bleiben und hier partielle Entzündungen und Abscesse erzeugen. (S. Em bolie.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 735Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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