FeedMimen
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Mimen (grch., d. h. Nachahmer) hießen bei den Griechen sowohl Leute, welche als Schauspieler auftraten, als eine besondere Art scherzhafter Vorstellungen und Aufführungen von Seenen des täglichen Lebens. Solche Aufführungen waren seit alten Zeiten in Sicilien und Unteritalien bei festlichen Gelegenheiten üblich. Der Syrakusaner Sophron im 5. Jahrh. v. Chr., dem sein Sohn Kenarchos sich anschloß, bildete daraus eine Kunstgattung in dialogischer Form aus. Diese M. waren nicht in Versen, sondern in dor. Prosa geschrieben, aber in einem symmetrischen, rhythmisch gegliederten Satzbau. Man vermutet, daß diese M. nicht zur Aufführung auf der Bühne bestimmt waren, sondern nach wie vor einen Teil von festlichen Lustbarkeiten bildeten. Bei den Römern wurden die M. stets auf der Bühne aufgeführt. Aber auch hier wurden sie lange Zeit nicht von Dichtern kunstmäßig verfaßt, sondern waren planlose Possenspiele, welche sowohl in Privatkreisen, als öffentlich aufgeführt wurden, übrigens, seit auf der Bühne kunstmäßige Darstellungen eingeführt waren, nur als Nachspiele dienten. Erst zur Zeit Ciceros erhoben Decimus Laberius und Publius Syrus die M. zu einer Gattung dramatischer Spiele, welche in der Kaiserzeit zu selbständiger Bedeutung, ja neben den Pantomimen (s. d.) zur Herrschaft auf der 1. gelangte. Auch die Darsteller von M. hießen M., die Verfasser von solchen Mimographen. Vgl. Grysar, Der röm. Mimuso (Wien 1854); Friedländer, „Sittengeschichte Romsp(5. Aufl., Bd. 2, Lpz. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 735Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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