FeedGlinsk (Hlinsk)
ErdkundeBrockhaus 1882

Glinsk (Hlinsk), Stadt im russ. Gouvernement Poltawa, Kreis Romen, rechts an der Sula, unter 50 40“ nördl. Br. und 51 östl. L. von F., 17 km sudwestlich von der Stadt Romen, mit (1882) 2857 E., welche sich mit Gartenbau und Handwerken, namentlich mit Wagenbau, Anfertigung von Pelzen, Stiefeln, bäuerlichen Kleidern, Thonwaren, Dorthämmnen u. s. w. beschäftigen. G. gehörte 1446 dem Fürsten Lelsad, dem Ahnherrn der 541 6 beß Fürsten, 1667 kam es an Rußland. i G. besinden sich noch Ruinen von zwei alten Befestigungen am rechten Ufer der Sula, von welchen die eine Gorodok, die andere Gorodischtsche Aumen des po. Auf dem linken Ufer liegen die inen des sog. Schlosses. Gtinski, russ. Fürstengeschlecht im sewjorskischen Gebiet, das 1494 nach Litauen übersiedelte, als jenes Gebiet an die Großfürsten von Moskau kam. — Der älteste des Geschlechts, Michael G., Hofmarschall von Litauen und Starost von Bielsk unter der Regierung des Königs Alexander Jagello, war ein Mann von großer Erfahrung; er hatte 12 J. in Westeuropa zugebracht und an den Kriegen des Kaisers Maximilian I. teilgenommen. Im J. 1506 rettete er Litauen durch einen kühnen Handstreich vor einem Tatareneinfalle. Aber sein stolzes und gewaltthätiges Auftreten gegen die Großen des Reichs und Verdächtigungen bei König Sigismund, dem Nachfolger Alexanders, daß er sich der Gewalt Entroenen und das Land der Herrschaft Moskaus unterwerfen wolle, .— ihn in Ungnade. Aus ache trat er in die Dienste des Zaren Wassilij Iwanowitsch von Moskau, drang 1507 mit einem russ. Heere in Litauen ein, überfiel Grodno und erschlug seinen Hauptverleumder Zabrzezinski; auch brachte er seinen Bruder Wassilij G. und mehrere litauische Große auf seine Seite, wurde aber schließlich von Sigismund, der bei dem Chan von der Krim Hülfe suchte, geschlagen, und der Zar schloß 1508 mit Polen Frieden. G. lebte nun mit seinem Bruder und mit seinem ganzen Geschlecht in Moskau, aller seiner Güter beraubt. Er suchte sich wieder mit Sigismund zu versöhnen, wurde aber infolge dessen beim Zaren angeschwärzt, der ihn geesselt ins Innere von Rußland bringen ließ. Erst urch die Fürsprache des Kaisers Karl V. und der Nichte G.s, Helene, welche 1526 die Gemahlin des Zaren geworden war, befreit, wurde G. 1533 zum Vormund des minderjährigen Zarewitsch Iwan ernannt. Als er jedoch das ausschweifende Leben Helenens tadelte, ließ ihn diese blenden und ins Gefängniß werfen, wo er 1534 ein trauriges Ende nahm. Sein Schicksal bildet den Stoff zweier polnischen Dichtungen, eines histor. Liedes von Niemcewicz und eines Dramas von Wezyk. Vgl. Warnka, De ducis M. Glinscii contra Sigismundum regem Pol. rebelliones (Bresl. 1868).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 111Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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