FeedMine
NaturlehreBrockhaus 1882

Mine (frz. mine, vom lat. minium) bedeutet Bergwerk, unterirdischer Gang, endlich eine in einen Gegenstand versenkte, zum Sprengen bestimmte Pulverladung. In letzterm Sinne wird das Wort M. in der Militärsprache gebraucht und begreift auch die unter Wasser angebrachten Ladungen explosiver Stoffe, die zum Zerstören darüber hinfahrender Kriegsschiffe bestimmt sind. Danach unterscheidet man Land⸗ und Wasserminen. I. Landminen werden besonders in Erde, Gestein und in oder hinter Mauerwerk angebracht und dienen zur direkten Wirkung gegen Truppen, zum Erzeugen von Vertiefungen im Erdboden, zum Zerstören von Bauten und Anlagen. Aus der als M. dienenden Pulverladung, welche mit Hilfe einer Leitung zuür Entzündung gebracht wird, entwickeln sich Gase, die eine allseitige Wirkung ausüben. Die Ausdehnung der letztern ergibt die Wirkungssphäre, die Entfernung, bis auf welche hin die Ladung noch Kraft besitzt, um einen festen Gegenstand, wie Mauern, Galerien, zu zerstören, die Trennungssphäre der M. Die Entfernung von der Mitte der Ladung bis zur Erdoberfläche oder bis zum nächsten hohlen Raum unter der Erde heißt die kürzeste Widerstandslinie der M. Geht die Trennungssphäre einer M. bis über die Erdoberfläche, so wird die über der M. lagernde Bodenmasse, die sog. Minengarbe bildend, durch die Explosion emporgeschleudert. Es entsteht ein Minentrichter und die M. selbst nennt man alsdann Trichtermine. Der Radius der obern Offnung des Trichters ist bei gegebener Bodenbeschaffenheit von der kürzesten Widerstandslinie und der Größe der Minenladung abhängig. Nach dem Verhältnis des Trichterradius zur kürzesten Widerstandslinie werden die Trichterminen in drei Klassen geteilt: 1) Gewöhnlich geladene M., bei welchen jene beiden Größen einander gleich sind, also ein rechtwinkeliger Trichter sich bildet (s. nachstehende Fig. 1); 2) überladene M., Druckkugeln (globes de compression), bei welchen der Trichterradius die größere Länge hat, also ein stumpfwinkeliger Trichter entsteht I 2); 3) schwach geladene M., mit spitzwinkeligem Trichter. Tritt die Wirkung einer M. nicht zu Tage, so wird sie Quetschmine oder Camouflet genannt Gid: 3); mit solchen werden entweder unterirdische Anlagen (Galerien) zerstört oder oberirdische Bauten zum Einsturz gebracht. Je nach der Länge der kürzesten Widerstandslinie, der beabsichtigten Wirkung und der Widerstandsfähigkeit des Bodens wird in jedem gegebenen Falle die Minenladung berechnet. Um die Ladung der M. an ihren Bestimmungsort, in die sog. Minenkammer zu bringen, bedarf es unterirdischer Verbindungen, die ähnlich wie im Bergbau ausgeführt werden. Dieselben heißen, je nachdem sie senkrecht, wagerecht oder mit Gefälle geführt sind: Schacht (Brunnen), Stollen (Galerie) oder Schleppschacht (fallender Stollen). Sie erhalten eine Verkleidung, die in Holz, bei permanenten Minenanlagen in Mauerwerk angelegt ist. Die Verkleidung in Holz kann entweder Getriebsbau oder Bau mit holländ. Rahmen (Schurzholz) sän Im erstern Falle werden in gewissen Abtänden Thürgerüste angebracht und die Wandungen dann mit Brettern verschalt (Fig. 4, 5), im zweiten Falle aus Brettern gebildete und an Ort und Stelle zusammenzusetzende Rahmen einer an den andern gereiht (Fig. 6). Die Ladung befindet sich an Ort und Stelle gewöhnlich in einem hölzernen Kasten, dem Pulverkasten, und wird, nachdem sie in die Minenkammer gebracht, mit einer festen Verdämmung oder Verriegelung versehen, damit ihre Wirkung nicht von der beabsichtigten Richtung abgelenkt werden kann (Fig. 7). Die Leitung beruht entweder auf der Fortpflanzung des Feuers heftig brennender Substanzen oder sie ist eine elektrische. Im erstern Falle spricht man von Leitfeuern, hierher gehört die Zündwurst, die schnell brennende Pulverzündschnur, die Schießwollzündschnur und die mitchlorsauremKali hergestellte amerik. Zündschnur, endlich die langsam brennende oder Bickfordsche Zündschnur und andere Zündungen. Bezüglich der elektrischen Zündungsweise vgl. Bd. VI, S. 28. Die unter dem Glacis einer Festung schon im Frieden in Mauerwerk ausgeführten Minenanlagen werden als Verteidigungsminen- oder Contrescarpe des (trockenen) Graben ewöhnlich eine Contrescarpengalerie trecken sich Hauptstollen oder Haupt rallel den Kapitalen ins Vorfeld, von gen sich seitlich Zweigstollen oder Rame diesen, den Hauptstollen parallel, Hor Ccouten nach vorwärts ab. Die Hor den erst im Kriegsfalle in Holz angele. der Contrescarpengalerie und weite wärts können noch Enveloppengalerier stollen quer verbinden. Auch kommen rien in mehrern Etagen übereinande werksminen vor. Im Escarpenmaue Magistralgalerien (s. d.) als Horchg um den Breschmineur zeitig zu entdecke In der Feldbefestigung kommen Hindernismittel (s. d.) vor, und zwar minen (s. d., Fig. 8) und als Steinmi letztere schleudern Feldsteine im hohen den Feind. Die Ladung der Fladde selten ber 25 kg, die der Steinminen Im Festungskriege (s. d.) bilden M. Angriffs⸗ wie Verteidigungsmittel, se Anareirer bed bis zum Glacis gediehe ngreifer bedient sich der M., um das der angegriffenen Festung unschädlich ferner, um sich durch Sprengen von T irdische Annäherungswege der Positio fen, endlich auch, um die Bekleidung Grabens einzuwerfen; der Verteidie die M., um das oberirdische Vorgeher fers durch Einwerfen seiner Sappenat halten und ein unterirdisches Vorgel — erschweren. Die hiermit zusamm rbeiten, Unternehmungen und Kät Von der! unter dem Namen Minenkriege zusammengefaßt, 18, die dann der, wie es in der Natur der Sache liegt, einen i'e besitzt, er-außerordentlich langsamen Fortgang hat. Um tgalerien pa-gleichzeitig das Contreminensystem zu beschädigen diesen zwei⸗ und an der Erdoberfläche Trichter zu sprengen, aus eaux und von denen Positionen und Annäherungswege hergestellt schstollen oder werden, wendet der Angreifer überladene M. an. chstollen wer⸗ Es werden immer mehrere Trichter in einer Reihe gt. Parallel gesprengt und eine Trichterreihe vor die andere geer nach vor⸗ legt, bis die Contrescarpe erreicht und eingeworfen n die Haupt⸗ ist. Der Verteidiger bedient sich vorherrschend der u Minengale-Quetschminen, um entweder die Angriffsstollen zu er als Stock- zerstören, oder wenn kein Minenangriff erfolgt, die rwerk können Laufgräben in die Luft zu sprengen. Breschminen zänge liegen, bezwecken das Einwerfen von Futtermauern, en. Demolitionsminen die Zerstörung aufgegebener M. nur alsFestungswerke, Dampfminen sollen die Minengänge nals Fladder⸗ des Verteidigers mit unbrauchbarer Luft füllen. inen (Fig. 9); Als Minenladung dient auch heute noch in den Bogen gegen meisten Fällen das Schießpulver und nur, wo es erminen geht sich um Zerstören von Mauerwerk handelt, benutzt ist 7—15 kg. man die neuern Sprengmittel. ein wichtiges Die Pulverminen haben sich aus dem im Alterobald die An⸗ tum und Mittelalter zum Zerstören der Mauern en sind. Der gebräuchlichen Untergraben der letztern entwickelt. Minensystem Ihre erste Anwendung geschah 1487 durch die Geh zu machen, nuesen von Serezanella; als Erfinder der M. gilt richtern ober⸗ Pedro Navarro (s. d.), der 1503 die Seeschlösser onen zu schaf⸗ von Neapel mittels solcher in die Luft sprengte. 3smauern des Der Angreifer benutzte M. von da ab häufig, um ger gebraucht das Mauerwerk der Contrescarpe und der Escarpe n des Angrei⸗ einzuwerfen. Hieraus entwickelten sich im 17. rbeiten aufzu⸗( die Gegenminen und der Minenkrieg. Lange Zeit hen desselben herrschte auf diesem Gebiete die reine Empirie, nenhängenden bis im 18. Jahrh. der franz. 10 und de Belidor impfe werden (s. d.) eine Minentheorie aufstellte und den Nutzen überladener M. nachwies, womitder Angriffein wichtiges Moment der Überlegenheit gewann. Friedrich d. Gr. ließ 1762 vor Schweidnitz die überladenen M. durch den Ingenieurmajor Le Febore mit großem Erfolg anwenden. Im J. 1778 wurde durch General Lahr das noch heute übliche Contreminensystem aufgestellt. Ausgedehnte Anwendung fanden in neuerer Zeit M. 1832 bei der Belagerung der Citadelle von Antwerpen, 1854—55 bei Sewastopol. II. Minen unter Wasser, Wasserminen, Seeminen, auch defensive oder stationäre Torpedos genannt lim Gegensatz zu den offensiven oder beweglichen Torpedos, welche aber jetzt in der Regel als Torpedos (s. d.] schlechtweg bezeichnet werden), sind ein wirksames Mittel, um in Häfen, Buchten, Flußmündungen das Fahrwasser zu sperren und Landungen zu verhindern. (S. unter Küstenbefestigung.) Eine Seemine besteht aus einem Gefäß von Holz, von starkem Blech oder auch von Glas, in Cylinder-, Glocken⸗, Birnen-, Flaschen- oder Tonnenform, welches entweder auf dem Grunde des Meeres ruht oder schwimmend angebracht ist, und durch Verankerung am Forttreiben gehindert wird, der darin (unter Aussparung einer Luftkammer) angebrachten Ladung von Sprengstoffen rascher Zersetzung, namentlich nasser, gepreßter Schießwolle (s. d.), endlich der Zündung, welche als eine selbstthätige, durch den Stoß des feindlichen Schiffs zur Wirkung kommende, oder als eine nach eigenem Ermessen hervorzurufende eingerichtet sein kann. Danach zerfallen die Seeminen in Stoß- oder Kontaktminen und in Beobachtungs- oder elektrische Minen. Die Zündung kann bei erstern eine chemische (auf der Berührung von Schwefelsäure mit chlorsaurem Kali beruhend) oder eine mechanische (mittels Knallpräparaten, die durch den Stoß eines Stempels zur Explosion gebracht werden) sein; beides schließt aber eine große Gefahr beim Legen und Wiederaufnehmen der M. in sich. Deshalb benutzt man jetzt vorherrschend die elektrischen Kontaktminen, welche zwar auch durch unmittelbare Berührung wirksam werden, aber nur, wenn vorher die Leitung an einer andern Stelle geschlossen wurde. Wenn für die eigenen Schiffe ein Durchgang durch die Minensperre bleiben soll, so werden an der betreffenden Stelle Beobachtungsminen angewandt. Diese haben eine elektrische Zündung, welche im geeigneten Moment vom Lande aus durch Schließen des Stroms hervorgebracht wird, und entweder auf der Erzeugung elektrischer Funken oder auf dem Glühen eines Platindrahts beruht. Hierbei wird die Entzündung durch eine Patrone aufgenommen. Die elektrische Zündung bedingt eine Leitung, welche unterseeisch, beziehentlich unterirdisch anzubringen ist und aus Kabeln hergestellt wird, deren innern Kern ein Kupferdraht bildet. Dieser ist durch Guttapercha isoliert und durch eine Umwickelung von Eisendraht gegen Beschädigungen geschützt, wodurch das Kabel auch das nötige Gewicht erhält, um ohne Belastung auf dem Meeresgrunde aufzuliegen. Die Beobachtungsminen bedürfen besonderer Apparate, um den Eintritt des Schiffs in die Wirkungssphäre der M. zu bestimmen. Soll die Beobachtung nur von einer Station ausgehen, so bedient man sich der Camera-obscura; wenn von zwei Stationen, teleskopischer Apparate. Beobachtungsminen liegen tiefer unter dem Wasserspiegel und sind stärker geläden als Kontaktminen. Die Minensperren sind nur wirksam, wenn dieselben quer durch das Fahrwasser reichen und die einzelnen M. in solchen Abständen voneinander angebracht sind, daß ein Passieren außerhalb der Wirkungssphäre einer M. für die feindlichen Schiffe unmöglich ist; am sichersten ist es, wenn die M. in mehrern Reihen schachbrettförmig hintereinander liegen. Stoßminen sind auch bei Nacht, Nebel und Verschleierung durch Pulverdampf wirksam, können aber durch den feindlichen Schiffen vorausgeschickte schwimmende Körper oder durch an jenen angebrachte sog. Torpedobrecher vorzeitig zum Spielen gebracht werden. Auch hindern sie die Bewegungen der eigenen Schiffe. Beobachtungsminen lassen letztere zu, sind aber teuer, schwer mit Leitungen zu versehen, namentlich in Eingängen mit Ebbe und Flut, und können durch Zerschneiden der Leitungen unwirksam gemacht werden. Der Eintritt der feindlichen Schiffe in die Wirkungssphäre derselben muß genau erkannt und rasch benutzt werden, da bei voller Fahrtgeschwindigkeit das Schiff nur kurze Zeit über denselben verweilt; es ist daher eine stete Beobachtung des Fahrwassers nötig und die Wirksamkeit bleibt vorzugsweise auf die Dauer der Tageshelle beschränkt. Ihre Anwendung ist daher eine verhältnismäßig beschränkte. Seeminen, und zwar nach dem Prinzip der Stoßminen, wurden bereits im Anfang des 19. Jahrh. von dem Erfinder der Dampfschiffe Robert Fulton (. d.), indes ohne Erfolg, in Vorschlag gebracht. Clektrische gündung für Seeminen wandte zuerst 1842 der Nordamerikaner Colt an. Zur Zeit des Krimkriegs hatten die Russen eine große Zahl Stoßminen mit schwefelsaurer Zündung zum Schutz des Hafens von Kronstadt und anderwärts ausgelegt, ohne daß dieselben indes zur Wirksamkeit gelangt wären. Im J. 1859 sicherten die OÖsterreicher die adriatischen Küsten mittels Beobachtungsminen nach dem System des Barons von Ebner. Eine erhöhte Wichtigkeit erlangten die Seeminen durch das Aufkommen der Panzerschiffe, gegen welche dieselben nebst den offensiven Torpedos die ergiebigsten Zerstörungsmittel bilden. Besonders umfassend und erfolgreich war die Anwendung der Seeminen im nordamerik. Secessionskriege 1861—65, besonders auf Seite der Konföderierten, welche nicht weniger als 40 Schiffe der Union, darunter 11 größere Kriegsschiffe, damit zerstört haben. Weitere Anwendung fanden die Seeminen 1864 seitens der Dänen, 1866 seitens der OÖsterreicher, welche die von Ebner erfundenen elektrischen Kontaktminen damals zuerst anwandten, sodann 1866—-68 in dem Kriege Paraguays gegen die Tripleallianz, 1870 zum Schutz der deutschen Küsten, 1877 seitens der Russen gegen die türkische Flotte. Gegenwärtig finden in allen Küstenstaaten Seeminen und Torpedos die eingehendste Beachtung; besondere Formationen bestehen für den Dienst derselben. Im Deutschen Reich bildet das Seeminenwesen einen besondern Dienstzweig der Matrosen-⸗Artillerieabteilungen. Eigens gebaute Fahrzeuge, Minenleger (kleine Dampfboote) und Minenjollen (Ruderboote), dienen zum Legen und Lichten der Seeminen. (Vgl. auch Torpedo.) Litteratur. In Bezug auf Landminen vgl. die Werke über Befestigungskunst, Bd. II, S. 687. Bezüglich der Seeminen: „Die Torpedos v (Berl. 1868); von Ehrenkrook, «Geschichte der Seeminen und Torpedoso (Berl. 1878), Die Tordedos und Seeminen in ihrer histor. Entwickelung dis auf die neueste Zeity (Berl. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 740Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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