Brüder, welche in überseeischen Missionen thätig waren, durch die Ordination zur Verwaltung der Sakramente befähigen zu können. Erst als Hen B. dorf selbst 1737 * Bischof der Mährischen B. ordiniert war und als solcher die Leitung der verschiedenen Gemeinen übernahm, welche mittlerweile auch an andern Orten Deutschlands sich 10. bildet hatten, mußte die vermehrte kirchliche Selbständigkeit derselben auch eine gewisse Trennun pvon der evang. Landeskirche hadetsotben Denno at die B. sich nie völlig von derselben losgesagt, ondern indem ihr Hauptaugenmerk nicht auf eine besondere Gestaltung der Lehre gerichtet ist, vielmehr auf eine Sammlung wahrhaft frommer Gemüter u einer „Gemeine Jesuo, hat sie den Zusammenu mit den größern evang. Kirchengemeinschaften ewahrt und von der ältern B. nur die Form der Verfassung festgehalten. —7 dient die Idee der (Tropenv. Das allein ewig Wahre ist die Originalreligion des Heilandes. Dieselbe ist schon von den Aposteln und noch mehr von den bestimmten Kirchengemeinschaften in verschiedener Weise aufgeaßt. Diese Kirchen mit ihren besondern Lehrweien, also auch die luth., reform. und mähr. Kirche, sind verschiedene Erziehungswege Gottes; keine hat die ganze, reine Wahrheit, aber auch keine ist ganz ohne die Wahrheit. In allen diesen Kirchen will nun die B. die wahren, lebendigen Christen sammeln und enthält in sich drei Tropen, je nachdem ihre Glieder äußerlich der luth., der — r— oder der mähr. Kirche angehören. Auch die mähr. Kirche wird nämlich mit der «Gemeine Jesuv, d. h. mit der Gemeine wahrhaft erweckter Christen nicht identifiziert, wenn auch zu ihr in wesentlich engere Beziehung gesetzt. Später hat die B., besonders als die Extravaganzen und sinnlichen Abgeschmacktheiten, welche in der sog. Sichtungszeit 1743—50 platzgriffen, überwunden waren, sich ausdrücklich als der Augsburgischen Konfession verwandt bezeichnet und ist von manchen Staaten als solche anerkannt. Auch stimmt Spangenbergs (s. d.) Idea lidei fratrumv, welche in der B. hohes Ansehen genießt, mit dem Lehrbegriff der Augsburgischen Konfession wesentlich überein. Die Bedeutung der B. liegt darin, daß sie die persönliche Herzensgemeinschaft des Einzelnen mit dem Erlöser und die innere Erfahrung der eigenen Erlösung als das eigentlich Wesentliche der Religion der bloßen Annahme irgendwelcher Lehren entegenstellt und eine Ordnung des Gemeinschaftsebens getroffen hat, welche nur auf die Förderung dieser Heilsgemeinschaft abzielt. Die dogmatische Lehre tritt dem gegenüber in hohem Grade zurück, mit Ausnahme der Einen Grundwahrheit von der durch Christi blutiges Verdienst geschehenen Versöhnung der ganzen Menschheit mit Gott und der Loendigen daß der Einzelne diese Wahrheit im ebendigen Glauben am eigenen Herzen erfahre. Vom Pietismus (s. d.), mit dem die B. das Dringen auf persönliche Frömmigkeit und die Sammlung kleiner Gemeinen von Erweckten teilt, unterscheidet sie deshalb der wichtige Umstand, daß dort das niederdrückende Bewußtsein der Sünde und Schuld, hier die beseligende Gewißheit der durch Christus erworbenen Erlösung und der Genuß eines steten vertrauten Umgangs mit dem Heiland die wesentliche Grundstimmung des Christen ausmacht. Diese Iand vun „(Konnexiono» der Seelen mit dem Heiland, von Zinzendorf gern unter dem Bilde einer Ehe des Gläubigen mit Christo dargestellt und in jener Sichtungsperiode öfter in sinnlich-obscöner Weise ausgemalt, gibt den lebendigen Gliedern der B. eine sichere Freudigkeit und eine unerschütterliche Zuversicht ihres Glaubens und Lebens, die auch in ihrem täglichen Thun und Treiben sich vorteilhaft geltend macht. Die Verfassung der Gemeine zeigt in Anlehnung an die Ordnungen der alten Mährischen Brüder ein ausgebildetes System eigentümlicher Einrichtungen und Gebräuche, welche sämtlich darauf abzielen, den persönlichen Herzensumgang des einzelnen Glaubigen mit dem Heilande zu fördern. Daß auch die Gemeine als solche einer besonders engen Gemeinschaft mit dem erhöhten Erlöser gewiß ist, wird ausgesprochen durch den «Spezialbund », den sie 16. Sept. 1741 zu London mit dem Heiland abschloß. Der bisherige Generalälteste Leonhard Dober bat um seine Entlassung, weil die zunehmende Ausbreitung der B. die Arbeit allzu stark anwachsen ließ. Als man vergeblich nach einer zum Nachfolger passenden Persönlichkeit suchte, beschlossen sie, dazu den Heiland anzunehmen. Das Los wurde befragt und als es zustimmte, Christus zum Generalalteszen gewählt. Die Rede war nicht davon, ob der Heiland der Hirt und Bischof unserer Seelen überhaupt sei, sondern unser Sinn und Herzensanliegen war, daß Er einen Spezialbund mit seinem geringen Brudervolke machen, uns als sein besonderes Eigentum annehmen, sich um alle unsere Umstände bekümmern, über uns ganz besonders wachen, sich mit einem jeden Gliede der Gemeine persönlich einlassen und alles dasjenige in Vollkommenheit thun solle, was unser ahenn Altester unter uns in Schwachheit gethan hatte. „ Diese Idee vom Spezialbunde ist auch später nicht aufgegeben; feiert doch die Gemeine noch alljährlich am 16. Sept., an welchem Tage jener Vorgang den einzelnen Gemeinden mitgeteilt wurde, «die selige Erfahrung des Altestenamtes Jesu v. Praktisch freilich hat dieselbe nichts weiter zu bedeuten, als daß an die Stelle des einen Generalältesten ein Kollegium von 12 Altesten trat und daß man durch sie den schon früher eingeführten Gebrauch des Loses bei allen wichtigen Entscheidungen rechtfertigte. Das Los, dessen Gebrauch mehrfach gewechselt hat, wird Conversations-Lexikon. 13. Aufl. III. jetzt am häufigsten angewandt bei Verleihung von Gemeineämtern und Aussendung von Missionaren, bisweilen auch bei der Aufnahme in die Gemeine und bei Heiraten, wenn die Betreffenden es wünschen. Solange der Graf Zinzendorf lebte, war er, schon wegen seiner persönlichen Überlegenheit, besonders in Fragen der Organisation, der natürliche Vorsteher und Leiter aller Gemeinangelegenheiten und wurde auch 1743 als solcher bevollmächtigt unter Beilegung der Bezeichnung 4Ordinarius ». Nach seinem Tode wurde durch die Synoden zu Marienborn 1764 und 1769 unter Spangenbergs Einfluß eine genau ausgearbeitete Verfassung eingeführt. An der Spitze der Gemeinschaft sieht die Unitätsältestenkonferenz oder Unitätsdirektion zu Berthelsdorf. Sie gliedert sich in drei Departements: das Helfer⸗ und Erziehungsdepartement leitet das Kirchen- und Schulwesen, das Vorsteherdepartement ordnet die äußern und ökonomischen Angelegenheiten, das Missionsdepartement besorgt das Werk der Heidenbekehrung. Sie ernennt auch sämtliche Beamte und Prediger der Gemeine und nichts Wichtiges kann ohne ihre Zustimmung unternommen werden. Die Unitätsältestenkonferenz ist wieder verantwortlich der Generalsynode, welche je nach Bedürfnis, jedoch gewöhnlich alle 7—12 Jahre einberufen wird und aus frei gewählten Abgeordneten der einzelnen Gemeinen und Altestenkonferenzen besteht. Die Versammlungen der Generalsynode dauern oft mehrere Monate und haben meist wichtige Veränderungen zur 5 en Ein Auszug der Beschlüsse, Synodalverlaß genannt, wird allen Gliedern der B. mitgeteilt. Vor dem Schlusse jeder Synode wird eine neue Altestenkonferenz gewählt. Seit 1857 sind der Englischen und Amerikanischen Provinz ihre eigenen Drrniarhenr konferenzen zugestanden, welche die Leitung der dortigen Gemeinen in Händen haben, während die Unitäts-Altestenkonferenz nur die Oberaufsicht über jene Provinzialbehörden ausübt, im übrigen aber das ganze Missionswerk und zugleich als deutsche Provinzial-Altestenkonferenz die Gemeinangelegenheiten auf dem europ. Kontinent leitet. Durch das „Monatsblatto und die jährlich erscheinenden „(Memorabilien v macht sie jede einzelne Gemeine mit dem Zustand und den Angelegenheiten der Gesamtheit bekannt und gibt jährlich die sog. Losungen aus, d. h. die für jeden Tag des Jahres zur Leitung der Andacht bestimmten biblischen Denki rüche. Wo die Mitglieder der B. in geschlossenen Gemeinorten wohnen, sind sie nach Geschlecht, Alter und Lebensverhältnis in besondere Chöre abgeteilt, nämlich in den Chor der Kinder, der ledigen Brüder, der ledigen Schwestern, der Eheleute, der Witwer und der Witwen. An der Spitze jebes Chors steht ein Chorpfleger, der die Seelsorge und Sittenzucht, und ein Vorsteher, der die ökonomischen Anelegenheiten leitet. Durch sie wird die Altestenonferenz der Gemeine in Kenntnis gesetzt von allem, was in den einzelnen Chören und Familien Wichtiges vorgeht. Der Ehechor besteht aus sämtlichen Eheleuten der Gemeine, welche zwar in besondern Häusern wohnen und ihre Geschäfte treiben, aber ebenfalls unter Aufsicht und Beratung der Vorsitzenden (Arbeiter) stehen. Die ledigen Brüder und ledigen Schwestern wohnen, soweit sie nicht einer Familie angehören, meist in gemeinsamen Gebäuden, dem Brüderhause und dem Schwesternhause, zusammen, wo sie mit Arbeiten beschäftigt und zu gemeinschaftlichen Andachtsübungen ange⸗ +.4 werden. Die meisten Orte haben auch ähniche Häuser für die Witwen. Jede Gemeine steht unter einer Altestenkonferenz, bestehend aus dem Gemeinhelfer, der als oberster Vorsteher der Gemeine den Vorsitz führt, dem Ortsprediger, dem Gemeinvorsteher und den Chorbeamten. Ihr steht ein Aufseherkollegium zur Seite, welches über ein sittliches, wohlanständiges und rechtliches Verhalten der Gemeinglieder wacht und bemüht ist, entstandene Streitigkeiten durch brüderlichen Vergleich zu schlichten. Zur Beratung über außerordentliche Angelegenheiten vereinigt sich mit diesen Kollegien ein weiterer Ausschuß und bildet mit ihnen den Gemeinrat. Die Kirchenämter gliedern sich in Bischöfe, Presbyter und Diakonen. Die Bischöfe, deren ununterbrochene Succession die Verbindung der B. mit der alten Kirche der Böhmischen und Mährischen Brüder herstellt und für ihre Anerkennung in England (1749) maßgebend war, haben allein das Recht, die Ordination zu erteilen, sonst aber keine amtliche Gewalt, falls sie nicht zufällig zugleich Mitglied einer der leitenden Behörden sind. Den Presbytern ist die geistliche Pflege einer Gemeine oder die Leitung eines Missionsgebietes übertragen, die Diakonen dienen ihnen als Gehilfen. Für die tägliche Erbauung ist durch gottesdienstliche Versammlungen gesorgt. Sie werden in einem freundlichen Saal, wo ein grünbehangener Tisch die Stelle des Altars vertritt, täglich abends etwa von der Dauer einer halben Stunde gehalten und bestehen aus Homilien, Bibelerklärungen, Verlesen erbaulicher Lebensläufe und Berichte von den Missionen, Gebetsversammlungen und Singstunden oder Liederpredigten; am Sonntag findet überdies das Gebet der Kirchenlitanei und eine Predigt statt. Außer den allgemeinen werden auch Versammlungen für die einzelnen Chöre zuweilen gehalten. Außerdem feiert noch jede Gemeine gewisse Gedenktage zur Erinnerung an die wichtigsten Begebenheiten aus der Geschichte der Unität, z. B. den 1. März als Stiftungstag (1456) der alten, den 13. Aug. als Stiftungstag (1727) der erneuerten B., auc den 6. he. als Huß' Todestag, und jedes leun seine Feste. Der hen. chluß wird mit Vorlesung der KMemorabilieno, Rede und Gebet begangen. Besonders ansprechend ist die Feier des Abendmahls, welches alle, die dazu fahin ind, einmal in jedem Monat genießen. Außer der derselben vorhergehenden Beichtrede ist ein öfteres sog. Sprechen eingeführt, wobei jeder Chorhelfer sich mit den Kommunikanten seines Chors einzeln über Dem Seelenzustand bespricht. Einige Stunden vor jedem uuch dem Muste se und sonst an Festtagen wird, nach dem Muster der Agapen der apostolischen Kirche, das Liebesmahl 4 Tee m wobei die Gemeinglieder unter Gesang Thee mit Backwerk genießen. Die Austeilung des Abendmahls selbst erfolgt in der Weise, daß die Gemeinglieder an ihren Plätzen bleiben, wo ihnen das Brot (in einem Körb-Der zd der Wein (im Kelche) herumgereicht wird. er Tod eines Gemeinmitgliedes wird der Gemeine durch das Abblasen eines Liedes vom Turme mit Posaunen verkündet, und aus der Melodie erkennt man, welchem Chore der Verstorbene angehört, weil jedes seine eigenen Sterbemelodien hat. Trauer findet nicht statt. Unter Posaunenschall wird die Leiche im hellangestrichenen Sarge auf den Gottesacker, der einem Garten gleicht, getragen. Am n zieht die Gemeine bei Sonnenaufgang mit Musi * den Gottesacker und erinnert sich in der Freude über die Auferstehung Jesu hoffnungsvoll an die im letzten Jahre verstorbenen Glieder. Um die Jugendbildung hat die B. wesentliche Verdienste; ihre Erziehungsanstalten, bei deren Einrichtung Zinzendorf die Franckeschen in Halle vor Augen hatte, genießen noch heute in weitern Kreisen viel Vertrauen. In diesen Knaben⸗ und Mädchenanstalten werden außer den Kindern ihrer eigenen Mitglieder auch fremde Pensionäre erzogen. Höhere Lehranstalten sind das Pädagogium zu Niesky, welches für Knaben, die sich den Studien widmen wollen, die Stelle eines Gymnasiums vertritt, und das theol. Seminarium zu Aapon Dre in Schlesien, das Sbuee zur Bildung von Predigern bestimmt ist. Ahnliche Anstalten gibt es zu Fulneck in England und zu Bethlehem in den Vereinigten Staaten. Da der Zweck der Gemeine vorugsweise auf praktisches Christentum gerichtet ist, o trifft man unter ihren Beamten weniger eigentliche Inn Ram wiewohl sich seit der Stiftung der Gemeine Männer von vorzüglicher Geistesbildung, wie in ältern Zeiten Spangenberg, in der neuern der Bischof Albertini, der Seminardirektor H. Plitt u. a. in ihrer Mitte ausgezeichnet haben. Infolge ihrer Grundsätze und Einrichtungen blieb die B. trotz ihres vielseitigen Verkehrs von dem 1 Wechsel des berhbrt. Die Zeitgeistes verhältnismäßig wenig berührt. Dies zeigt sich nicht bloß in ihrer Denkart, sondern auch in ihren Sitten und Trachten. In ihrer Kleidung befleißigen sie sich noch immer der Einfachheit; doch hat weder das männliche noch das weibliche Geschlecht eine besondere, sie vor andern auszeichnende Tracht. Nur die Schwestern in den Gemeinen des europ. Kontinents tragen eigentümliche Kopfbedeckung, glatt anliegende Häubchen, an denen die Farbe des Bandes den Chor andeutet, zu dem sie gehören; feuerrote Bänder haben die jungen Mädchen bis zum 18. Nrefra blaßrote die ledigen Schwestern, blaue die hefrauen und weiße die Witwen. + immer werden nur unschuldige Dursel sund uicht ei ihnen geduldet; Karten und Würfel sind nicht einmal in den Gemeinlogis oder Gasthäusern zu finden. Auch Ball und Tanz gestatten sie nicht, wie überhaupt kein Vergnügen, das die Geschlechter zusammenbringt. Wer gegen die Gemeindeordnung und „Sittlichkeit fehlt, wird erst durch liebreiche Ermahnungen der Altesten zurechtgewiesen, und wo diese Inicht fruchten, durch Ausschließung vom Abendmahl bestraft, oder endlich veranlaßt, aus der Gemeine zu treten. Eins der wirksamsten Mittel, jede Unsittlichkeit abzuhalten, ist die anhaltende und angemessene Beschäftigung, die man allen Gliedern der Gemeine zu geben weiß. Ihre Arbeitsamkeit und Geschicklichkeit, die Ausbreitung und Lebhaftigkeit ihres Handels sind rühmlich bekannt. Die Unitäts-Altestenkonferenz verwaltet einen die ganze Gesellschaft mit ihren allgemeinen Bedürfnissen umfassenden Haushalt, welcher durch die Einkünfte von den Unitätsgütern, durch jährliche Beiträge der Mitglieder und durch Vermächtnisse unterhalten wird. B. befinden sich an folgenden Orten auf dem europ. Kontinent: in der Oberlausitz zu Herrnhut, Kleinwelka (seit 1756) bei Bautzen und Niesky (1742) bei Görlitz; in Schlesien in Neusalz a. O. (1744), zu Gnadenberg (1743) bei Bunzlau, zu Gnadenfrei (1743) bei Reichenbach, zu Gnadenfeld — bei Kosel; ferner zu Neudietendorf (1764) ei Erfurt, zu Gnadau (1767) bei Barby, zu Ebersdorf (1764) bei Lobenstein, zu Königsfeld (1807) in Baden, in Neuwied (1750). a. Rh., in Berlin und Rirdorf, zu Norden in Ostfriesland, zu 5 Dunba ir Wohmen zu Momand Tschenkowitz und Dauba in Böhmen, zu Montmirail, Peseux, Chaur-de-Fonds und Locle in der franz. Schweiz, zu Zeyst bei Utrecht, in Harlem, zu Christiansfeld in Schleswig. Auch die Gemeine zu Bethel in Südaustralien ist der deutschen Provinz angeschlossen, desgleichen in Rußland, wo sie 1764 privilegiert wurden, der durch den Verkehr mit Tataren und Kalmücken merkwürdige Gemeinort Sarepta im Gouvernement Saratow. Außerdem gibt es Brüdersocietäten oder Gemeinverbindungen in den Landeskirchen ohne kirchliche Trennung von denselben: in Breslau, Bremen, Oldenburg, Danzig, Königsberg, Basel, Straßburg, Altona, Kopenhagen, Stockholm, Petersburg und andern Orten, besonders und ban in Livland und Estland. Auch in Engand haben sie Eingang gefunden, wo sie zu Fulneck in der Grafschaft Nork, zu Fairfield in Lancaster und zu Ockbrook in Derby ihre Hauptniederlassungen gründeten und bereits 1749 durch eine Parlamentsakte als eine alte bischöfl. Kirche anerkannt wurden. In Irland ist ihre Hauptkolonie Gracehill in der Grafschaft Antrim. Im ganzen zählt man in Großbritannien 38 Gemeinen mit 5645 Mitliedern. Ebenso haben sie Niederlassungen in Rordamerila, wo die ersten Gemeinen zu Bethlehem, Nazareth und Litiz in Pennsylvanien und zu Salem in Nordcarolina gegründet wurden, und jetzt 66 Gemeinen bestehen mit 16 534 Mitgliedern. Ihre Kolonien außer Europa entstanden durch issionen; denn immer haben sie das Werk der bmundateson mit unverdrossenem Eifer betrieen und besonders unter den Negern in Westindien durch wohlthätige und verständige Wirksamkeit vor allen andern Missionen sich in Bebin net. Der Grundsatz, die Missionen nur in Verbindung mit der Kolonisation zu betreiben und die eingeborenen Mitglieder der Kolonie dleich nützliche Arbeit zu beschäftigen und ihnen zugleich eine allgemeine Bildung zu geben, hat am meisten zur Förderung ihres Missionswesens beigetragen. Übrigens gilt es bei ihren Missionen als Grundsatz, nur diejenigen zur Taufe zuzulassen, die durch veränderte Lebensweise und gute Aufführung Beweise — Glaubens geben. Ihre erste Mission, nach t.⸗-Thomas, ward von Zinzendorf 1732 unter Begünstigung der dän. Regierung veranstaltet. Ihre wichtigsten Missionen befinden sich auf den drei dän. Inseln in Westindien: umancallen 1956j. Er- und St.⸗Jean, ferner auf Jamaica (seit 1754), St.⸗ Christoph, Antigua (seit 1756), Barbadoes (seit 1765), Tabago (seit 1812), in Surinam, unter den Indianern in Canada und in den Vereinigten Staaten, — der Mosquitoküste, in Grönland, Labrador, auf dem Vorgebirge der Guten Hudis. in unter den Hottentotten, Kaffern und Tambuckis, in Neuholland und im Westen vom Himalaja. Die Zahl der bekehrten Heiden, die unter Aufsicht ihrer Missionare stehen, beträgt etwa 80000. Die Zahl der Gemeindeglieder in Europa beträgt etwa 13— 14000. Der Herrnhutismus eignet sich nur für kleine Gemeinen; er würde als Grundsatz der Staatsverwaltung und Polizei, oder auch nur als Religionsverfassung großer Staaten seine Vorzüge mit seinem wahren Charakter verlieren. So viel ist aber U+ zu leugnen, daß ihm die prot. Kirche manche heilsame Einwirkung verdankt. Litteratur. Cranz, «Alte und neue Brüder-Ciantt (Barby 1771); (Hegners) . etzung von ranz' Brüderhistorieß (2 Bde., Barby 1791— 1804; Gnadau 1816); Schaaff, «Die evangelische B. (Lpz. 1825); «Kurzgefa Ausl⸗ Nachricht von der evang. Brüderunitäto (7. Aufl., Gnadau 1876); Schulze, Von der Entstehung und Einrichtung der evangelischen B.» (Gotha 1822); Lititz, „Blicke in die Vergangenheit und Gegenwart der evang. Brüderkirches (Lpz. 1846); Schrautenbach, «Zinzendorf und die B. seiner Zeito (Gnadau 1851; 2. Aufl. 1872); Cröger, «Geschichte der erneuten Brüderkircher (3 Tle., Gnadau 1852—54); Schröder, Der Graf Zinzendorf und Herrnhut, oder Geschichte der B.v (Nordh. 1857); «Synodal-Verlaß von 1878 und 1879 (Gnadau 1880; J. W. Verbeek, «Kurzgefaßte Geschichte der alten und neuen Brüderunitäte (Gnadau 1857); «Die Grundlage der alten und erneuerten Brüderkirches (Gnadau 1821). Vgl. noch Schneckenburger, «Vorlesungen über die Lehrbegriffe der kleinern prot. Kirchenparteien » (Frankf. 1863); Plitt, „Zinzendorfs Theologien (3 Bde., Gotha 1869 — 74).