Mittelländisches Meer oder Mittelmeer, so genannt von seiner Lage zwischen Europa, Asien und Afrika, ein mit dem Adriatischen, Agäischen und dem Meere von Marmara 2590300 qkm großes Becken, 3860 km lang, an der breitesten Stelle 1800, im Mittel 600 Em breit, hängt im W. mit dem Atlantischen Ocean durch die Meerenge von Gibraltar zusammen, in deren Mitte man einen starken Strom aus dem Ocean in das Mittelländische Meer bemerkt. Zum Teil wird dieser beständige Zufluß durch die vorherrschenden Westwinde bewirkt, zum Teil erklärt er sich aber dadurch, daß der Verlust an Wasser, den dieses Meer, im S. der Gluthitze der afrik. Küsten ausgesetzt und im N. durch die Alpen geschützt, durch seine starke Verdunstung erleidet, nicht durch dieWassermenge der ihm zuströmenden Flüsse ersetzt wird; wie denn aus Afrika, außer dem Nil, kein einziger einigermaßen ansehnlicher Fluß ihm zufließt, ebenso wenig aus Asien und der griech.⸗türk. Halbinsel. So bleiben, außer den kleinern Flüssen Italiens und Ostspaniens, nur Etsch, Po, Rhöne und Cbro als bedeutendere Zuflüsse im westl. Europa übrig, von denen noch dazu der letztere im Sommer an Wassermangel leidet. Man teilt das Mittelländische Meer in das westl. und das östl. Becken ein, die beide durch die nur 500 -600 m (an einer Stelle 1320 m) tiefe und größtenteils durch viel seichtere Bänke (Adventure⸗ und Medinabänke) ausgefüllte Sieilische Straße, sowie durch die schmale Straße von Messina miteinander in Verbindung stehen. Im erstern Becken unterscheidet man wieder drei Doppelbecken: das balearisch-iberische, das gallischsardische und das ligurisch-tyrrhenische. Das Iberische Meer von der Straße von Gibraltar bis zum Meridian der östlichsten Balearen-Insel liegt zwischen den afrik. Küsten, der span. Südostküste und den Balearen; das Balearische Meer mit dem Golf von Valencia zwischen den Balearen und der Nordostküste Spaniens; das Gallische Meer mit dem Golfe-du-Lion zwischen Frankreich, Corsica, Nordwest-Sardinien und Menorca; das Sardische Meer, südlich an dem Gallischen, zwischen Sardinien, den Balearen und der afrik. Küste; das Ligurische Meer mit dem Golf von Genua zwischen Genua, Corsica, Elba u. s. w.; das Tyrrhenische Meer zwischen Italien, Sicilien, Sardinien und Corsica. Der östl., in seiner Nordhälfte reich gegliederte Teil des Mittelmeers zerfällt in das Sicilische Meer zwischen Sicilien, Malta und Tunis; das Syrtenmeer mit der Großen und Kleinen Syrte; das Jonische Meer mit den Golfen von Taranto und Forinth, zwischen Sicilien und Griechenland; das Adriatische Meer, durch die Straße von Otranto mit dem Jonischen verbunden; das Weiße Meer (Aspri Thalassa der Griechen, Ak-Deßis der Türken oder Bahr-Sefid der Araber), östlich vom Syrtenmeer, zwischen Candia und Afrika; das Levantische Meer um die Insel Cypern; das Meer von Candia zwischen dieser Insel und den südl. Inseln des griech. Archipels; das AÄgäische Meer zwischen Griechenland, Türkei und Kleinasien. Aus dem letztern führt die Straße der Dardanellen in das Marmarameer und aus diesem der Bosporus oder die Straße von Konstantinopel in das Schwarze Meer, mit dem das Asowsche durch die Straße von Kertsch vHerbunden ist. Die in neuester Zeit fr die Legung unterseeischer Telegraphen vorgenommenen Tiefenmessungen gaben über das Bodenrelief des Mittelmeers sehr interessante Aufschlüsse. Das weite Becken zwischen der Straße von Otranto, der Großen Syrte und Malta hat die größte Tiefe; von Malta östlich auf eine Strecke von mehr als 160 Km lotete man 3968 m, der tiefste Punkt, den man bis ietzt im Mittelmeer fand. Auch östlich durch das Weiße und Levantische Meer setzt sich eine bedeutende Tiefe (1700 -3350 m) fort. Überall an den Küsten von Afrika, Griechenland, Candia, Kleinasien, Cypern, Palästina fällt der Seeboden rasch ab. Als mittlere Tiefe des Mittelländischen leinschließlich des Schwarzen) Meers gilt 1340 m. Vermöge seiner Lage hat das Mittelländische Meer veränderliche Winde und schwache Ebbe und Flut. Im Meerbusen von Venedig steigt die Flut bei Neu⸗ und Vollmond m und in der Großen Syrte 1,632 m, in der Kleinen Syrte 2,m (hier auch starke Gezeitenströme, wie im Friesischen Wattenmeer), aber an den meisten andern Orten sind die Gezeiten kaum bemerkbar. Wegen seiner starken Verdunstung, des verhältnismäßig geringen Zuflusses von Süßwasser und der Einströmung salzigen Wassers aus dem Atlantischen Ocean hat das Mittelländische Meer einen stärkern Salzgehalt als der Ocean (durchwegüber 37, bei Kreta 39 Promille). Naturhistor. Gründe machen es wahrscheinlich, daß einst ein Zusammenhang zwischen Afrika und Europa bei Gibraltar stattfand. Dadurch gewinnt die von Strabo mitgeteilte Sage an Wert, nach welcher der Pontus Euxinus (das Schwarze Meer) ehemals bei Byzanz keinen Abfluß gehabt habe, sein Wasser erst später auch nach dem Mittelmeer durchgebrochen sei und dieses infolge davon die Straße von Gibraltar geöffnet habe. Im Mittelmeer herrscht unterhalb der von der Sonne erwärmten Schicht eine gleichmäßige Temperatur von +. 10,24 R., also soviel wie die niedrigste durchschnittliche Oberflächentemperatur im Winter beträgt, während letztere im Sommer bis 17,76 R. steigt, wo sie dann aber nur 100—200m tief hinabreicht. Der Grund davon liegt darin, daß das tiefere kalte Wasser des Atlantischen Meers, welches außerhalb in einer Tiefe von 3000 m eine Temperatur von nur 2,4 K. hat, durch eine submarine nur 500 m tief gelegene Schwelle am westl. Eingange der Straße von Gibraltar abgesperrt ist. In dieser, an der schmalsten Stelle 12,3 km breiten Straße selbst liegt der Grund erheblich tiefer, im Maximum etwas östlich von der Verbindungslinie zwischen Gibraltar und Ceuta in 1007 m Tiefe. In der Mitte fließt nach Osten beständig eine Strömung ein trotz dem Ostwinde und der Ebbe des Atlantischen Meers, und zwar 5,6 km von beiden Küsten entfernt und ungestört durch die an den Küsten laufenden, 3,7 Km breiten Seitenströme, welche während des Steigens des Oceans westwärts, während seines Falles ostwärts fließen. (S. Afrika.) Die Geschwindigkeit der Strömung ist zwischen Gihraltar und Ceuta in der Stunde 4,6, an der engsten Stelle zwischen Tarifa und Kap Ciris bis zu 12,8 Km. Eine nach außen gehende Unterströmung ist neuerdings konstatiert worden. (Hierzu eine Karte: Mittelländisches Meer.) Das Mittelmeer hat 440 Arten Fische, während man von den brit. Küsten deren nur 216, von den norwegischen 179 kennt; aber nur wenige dieser Arten haben größern Wert. Nur etwa 40 Arten sind wohlschmeckend, 60 andere werden noch von den untern Volksklassen gegessen; der Rest ist nahezu wertlos, und das Mittelmeer kann den Bedarf an Fischen in seinen Uferstaaten bei weitem nicht decken. Cbenso besitzt das Mittelmeer über 600 Arten Mu-Rer d. und Schnecken, während das Deutsche Meer deren nur 400 hat; aber die Ausdehnung der Bänke von Austern und andern eßbaren Muscheln, wie sie dort vorkommt, findet sich im Mittelmeere nur in kleinem Maßstabe wieder. Dem Mittelmeere eigentümlich ist die Fischerei der Koralle, namentlich an den Balearischen Inseln, an den Küsten der Provence, am südl. Gestade von Sicilien und an der afrik. Küste von Bona und Barka. Die jetzt noch thätigen Vulkane des Mittelländischen Meers sind der Vesuv, der Atna, der Stromboli (s. Liparische Inseln) und Santorin. Vulkanische Bildungen kommen außerdem zahlreich vor, und die Küsten sind zum Teil heftigen Erdbeben unterworfen. Verschiedene Teile derselben befinden sich in einem Zustande großer Unbeständigkeit. An einigen Orten haben sie sich in histor. Zeiten mehr als einmal gesenkt und sind wieder aufgestiegen, wie dies bei den Ruinen des Serapistempels bei Pozzuoli, sowie an den dalmat., sicil. und sardin. Küsten nachgewiesen werden kann. Da das Mittelmeer die längste Küstenerstreckung, die meisten Buchten, Häfen und Inseln an seiner Nordseite hat, so bietet es den Bewohnern Europas mehr Gelegenheit zum Verkehr und mehr Vorteile als den Bewohnern Afrikas dar. Es bildete mit den rings um sein Becken liegenden Ländern den Hauptschauplatz der Völker in der Welt des Altertums, der Agypter, Phönizier, Karthager, Juden, der Küstenvölker Kleinasiens, vor allen aber der Griechen und Römer. Das Mittelmeer war im Altertum fast allein das Gebiet des ganzen Seehandels und blieb dies bis zur Entdeckung Amerikas und des Seewegs nach Ostindien. Vgl. Smyth, The Mediterranean (Lond. 1854); Böttger,«Das Mittelmeerov(Lpz. 1858); Petermann, „Das Mittelländische Meer (8 Blätter, Gotha