FeedMnemonik (grch.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Mnemonik (grch.), Mnemotechnik oder Gedächtniskunst nennt man die Kunst, durch eine besondere Methode die Kraft des Gedächtnisses zu ungewöhnlichen Leistungen zu steigern. Schon die Alten kannten eine Gedächtniskunst, als deren Erfinder der griech. Dichter Simonides betrachtet wurde, und von welcher mehrere Stellen der rhetorischen Bücher an den Herennius, des Cicero in seinem Buche vom Redner und des Quinctilian handeln. Die Methode der alten Mnemoniker war danach folgende. Sie nahmen irgend einen begrenzten Raum, z. B. ein Zimmer, und merkten sich eine Reihe von 50 oder 100 Gegenständen an bestimmten Plätzen in diesem Raume; mit diesen Plätzen verbanden sie dann die einzelnen Bilder der Namen u. s. w., die sie sich in einer bestimmten Reihenfolge merken wollten. Diese Methode der Verbindungen hat im wesentlichen bis auf die neueste Zeit den mnemonischen Systemen zu Grunde gelegen. Zum Teil wurde diese Kunst als eine Art kabbalistischer Geheimlehre behandelt, wie von Giordano Bruno, dem Vervollkommner der sog. Lullischen Kunst (ars magna Lulli), und noch später, am Ende des 16. Jahrh., von dem Deutschen Lambertus Schenkel, der als umherreisender Lehrer derselben Aufsehen erregte; zum Teil widmeten aber auch berühmte Gelehrte ihr Nachdenken dieser Kunst, wie Konr. Celtes im 15. Jahrh., und später Leibniz. In dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrh. regten die Schriften von Kästner, einem kursächs. Landgeistlichen (M., oder System der Gedächtniskunst der Alten», Lpz. 1805), und vom Freiherrn von Aretin, Bibliothekar zu München („Systematische Anleitung zur Theorie und Praxis der M.», Sulzb. 18¹1⁰), das Interesse an dieser Wissenschaft von neuem an, später die Schriften von Aimé Paris (Principes et applications diverses de la mnémotechnieo, 7. Aufl., Par. 1833), und der Brüder Jos. Felidiano und Alexander de Castilho (Traité de Methode bildete der Pole Ovpintave, imem cr munemonische Quadrate konstruierte und diese, sowie ihre Kombinationen mit Bildern belegen ließ. In Deutschland erhob seit 1840 der Däne Karl Otto, genannt Reventlow, die Mnemotechnik auf eine höhere Stufe der Ausbildung, wie man sie aus dessen „Lehrbuch der Mnemotechnik» (Stuttg. 1843) und (Wörterbuch der Mnemotechniks (Stuttg. 1844) kennen lernt. Seine Methode knüpft an den Grundsatz an, daß die anschauliche Vorstellung leichter im Gedächtnis haftet als der abstrakte Begriff, und empfiehlt sich besonders, wo es gilt, Reihen von Zahlen dem Gedächtnis rasch und sicher einzuprägen, wie z. B. in der Chronologie. Ahnlich verfuhr Hermann Kothe, von dem ein „Lehrbuch der M. » (2. Aufl., Hamb. 1852) und ein 4Kateschismus der Gedächtniskunst oder Mnemotechniko (4. Aufl. von Montag, Lpz. 1877) erschienen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 780Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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