FeedTopik
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Topik nannten die griech. und lat. Rhetoren und Grammatiker die systematische Darstellung gewisser allgemeiner Begriffe und Sätze, die beim Ausarbeiten rednerischer Vorträge als Richtschnur oder Leitfaden für die Auffindung und Wahl zweckmäßiger Beweisgründe dienen sollten. Ein solcher Gemeinplatz oder allgemeiner Begriff hieß bei den Griechen Topos, bei den Römern locus communis. Streng wissenschaftlich würde die Kunst der T. darin bestehen, bei jedem Gegenstande diejenigen allgemeinen Begriffe zu finden und zu entwickeln, wodurch er in seinem Wesen bestimmt wird. Die T. der Alten war aber ein bloßer Schematismus, vermöge dessen man gewisse allgemeine Dispositionen feststellte, um zur Auffindung des Stoffs zu gelangen. So lehrte sie, daß der Eingang einer Rede von der Wichtigkeit des Gegenstandes, der Unbekanntheit desselben, der Vorliebe des Verfassers dafür u. s. w. handeln könne. Von den Griechen wurde diese Lehre in späterer Zeit mit besonderer Vorliebe bearbeitet, unter den Römern namentlich von Cicero in den Topicap und andern rhetorischen Schriften, vorzüglich mit Rücksicht auf die öffentliche Beredsamkeit. In der Folge dehnte man, besonders seit dem 13. Jahrh., die T. auf eine Nachweisung der Gebiete der menschlichen Erkenntnis überhaupt aus, in der man gewisse Gegenstände der Erörterung zu suchen habe, verlor sich dabei aber leicht in leere Spielereien, wie dies von Raimund Lullus geschah. (S. Heuristik.) In neuerer Zeit hat man eine abgesonderte Behandlung dieser Wissenschaft ganz aufgegeben, weil sie bei der Anwendung auf spezielle Fälle unersprießlich bleiben muß. Vgl. Kästner, T. oder Erfindungswissenschafto (Lpz. 1816). Man nennt übrigens jene T. dierhetorische, zum Unterschied von der grammatischen Topik, welche von der Stelle der einzelnen Worte und Säte handelt. In theologisch-dogmatischem Sinne versteht man unter Topil oder Topologie eine Theorie der Grundsätze, welche der Theolog bei der Wahl und Behandlung der biblischen Beweisstellen zu befolgen hat, ob z. B. eine Stelle vermöge der Richtigkeit des Textes und der Deutlichkeit die gehörige Beweiskraft für eine gewisse Lehre haben köonne oder nicht. Dagegen nennt man in der Predigttunst eine topische Methode diejenige, zufolge deren nach kurzer Erklärung eines Textes ein sog. Gemeinplatz abgehandelt wird.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 755Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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