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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Moabit, Stadtteil von Berlin, s. u. Berlin, Bd. II, S. 843 WMoabiter, die den Hebräern stammverwandten Bewohner von Moab. Als ihre Gottheiten werden Kamosch und Baal-Peor genannt, deren Kultus zeitweilig auch in Iorael Eingang fand. In der Richterzeit hatten die M. das israel. Volk auf 18 Jahre unterjocht; später wurden sie zwar von David zinsbar gemacht, doch wußten sie sich dem Tribut nach 900 v. Chr. wieder zu entziehen. Während der ganzen Zeit der israel. Könige scheinen M. und Israeliten in Feindschaft gelebt zu haben, und der Nationalhaß der letztern äußerte sich teils in der Sage über die unreine Entstehung des Volksstammes durch Blutschande (1 Mos. 19, 31 fg.), teils in den Verwünschungen und Drohungen der hebr. Propheten gegen sie. Sie trieben Getreide⸗, Wein- und Obstbau, sowie Viehzucht. Nach dem Einfall der Assyrer rissen die M. Stücke des israel. Gebiets an sich und verbanden sich mit den Chaldäern gegen Juda. Die M. scheinen ihre Volkseigentümlichkeit noch lange bewahrt und erst seit dem 2. christl. Jahrh. allmählich verloren zu haben. WMoalläkät (d. i. die dem Geschmeide lillk] an Wert gleichgehaltenen Kasiden) nennen die Araber sieben längere Gedichte (Kasiden), welche von Dichtern herrühren, die zum Teil (wie Imrul-Kais) vor Mohammed, zum Teil (wie Lebid) noch gleichzeitig mit ihm lebten. Andere Namen für diese Gedichte sind: al-tiväl (die langen) und al-mudsahhabaàt (die mit Gold belegten). Den Inhalt dieser Gedichte, die noch heute bei den Arabern nach Form und Inhalt für mustergültig gehalten werden, bilden Schilderungen aus dem Leben der Wüste, Darstellungen der Kämpfe, der Liebesabenteuer, der Gastfreundschaft, Tapferkeit und des Mutes der einzelnen Dichter und ausführliche Beschreibungen ihrer Reittiere. Die Texte dieser zu den ältesten Litteraturdenkmälern der Araber zählenden Lieder sind mannigfach interpoliert (ogl. Ahlwardt, Bemerkungen über die Echtheit der alten arab. Gedichter, Greifsw. 1872). Ihre schriftliche Aufzeichnung erfolgte erst geraume Zeit nach Abfassung derselben durch Hammädal-räwi (gest. 783 n. Chr.). Den arab. Text (nebst engl. übersetzung) gab zuerst William Jones (Lond. 1782) heraus. Nach dem Englischen wurden sie von Hartmann unter dem Titel Die hellstrahlenden Plejaden am arab. poetischen Himmel (Münster 1802) ins Deutsche übersetzt. Eine vollständige Ausgabe mit arab. Scholien erschien zu Kalkutta (1823) und in neuer Bearbeitung von Arnold (Lpz. 1850). Eine, wirklich kritische Ausgabe des Textes (ohne Scholien) der M. des Amrulkais, Tarafa, Antara und Zuhair gab W. Ahlwardt (in The divans of the six ancient Arabic poets o, Lond. 1870). Andere Spezialausgaben der einzelnen Gedichte (mit dem Kommentar des Zuzeni) lieferten Hengstenberg und A. Müller (Amrulkais », Bonn 1823 u. Lpz. 1872), Vullers (Tarafa und Haretho, Bonn 1827), Kosegarten (Amr ben Kulthumv, Jena 1829), S. de Sacy (Lebido, Par. 1816), Rosenmüller („Zohairo, Lpz. 1828) und Willmet (Antaro, Leiden 1816). Deutsche Bearbeitungen der M. in poetischer Form gaben J. von Hammer-Purgstall (in seiner Litteraturgeschichte der Arabero), Phil. Wolff (Muallakat. Die sieben Preisgedichte der Araberv, Rottweil 1857) und teilweise auch Fr. Rückert (Amrilkaiso, Stuttg. 1843, und in seiner Hamäsav, Stuttg. 1846).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 781Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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