FeedMarqueterie (frz.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Marqueterie (frz.), eingelegte Arbeit in Holz, ist als ein Zweig der Intarsia wie auch der Mosait zu betrachten. Das Unterscheidende ist das Material, nämlich Holz, wozu aber auch Elfenbein und andere Materialien treten können. Die Herstellung geschieht gewöhnlich durch Aussägen zweier aufeinander gelegter Holztafeln von verschiedener Farbe, sodaß die aus der einen herausgesägte Zeichnung in die Lücke der andern gelegt wird. Aufgabe ist, die Fuge möglichst zart und ungemein fein zu machen. Die älteste Art der M. war aber mehr mosaikartig aus kleinen Stückchen von verschiedenem Holz mit Elfenbein in geometrischer Zeichnung zusammengesetzt. Der Ursprung ist vermutlich arabisch. Die ältesten erhaltenen Beispiele sind italienisch; es sind insbesondere Kassetten (Brautkästchen) von florentiner oder venetianer Arbeit aus dem 14. Jahrh. Wahrscheinlich wurden Möbel schon früher mit dieser Art belegt. Die eigentliche und echte M. erblühte in Italien im 15. Jahrh.; der Anfang, der zu Siena gemacht wurde, geht schon in das 14. Jahrh. zurück. Der erste bedeutende Künstler der Frührenaissance, der sich ganz dieser Intarsia-Arbeit widmete, war Giuliano da Majano. Es waren die Füllstücke der Chorstühle, Vertäfelungen, Sakristeischränke, die damit überzogen wurden. Das Ornament war das der Frührenaissance, Vasen mit Blumen, Kinder u. s. w., meist in großen Zügen und höchst einfacher Ausführung in zwei Holztönen, ohne Licht und Schatten, ganz flach. Den Höhepunkt der M. des 15. Jahrh. bezeichnen die Chorstühle der Kirche Sta.⸗Maria Novella in Florenz von Baccio d' Agnolo. Neben Florenz gibt es viele ausgezeichnete Arbeiten in Bologna, Venedig und vielen andern Orten Italiens. Als bedeutendste Leistun des 16. Jahrh. (1554 vollendet) gelten die Chokstühle der Kirche Sta. Maria in Organo zu Verona von Fra Giovanni. Diese sind schon in einem neuen Stil gehalten, mit dem Bestreben, Licht und Schatten, Relief, in die bis dahin flachgehaltene Kunst einzuführen, dazu statt des einfachen Ornaments Perspektive, Architektur, Landschaft und insbesondere auch figürliche Gegenstände. Man hatte dazu die Technik erweitert, die Töne des Holzes durch Beizen und Färben vermehrt und durch Anbrennen Schatten hervorgerufen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. wurde die bereits von der großen Kunst vernachlässigt. Palladio und seine Genossen, auf den großen architektonischen Effekt ausgehend, legten keinen Wert auf die dekorative Kunst. Infolge dessen zog sich die Holzintarsia mehr aus der Kirche auf das Haus zurück und warf sich auf die Verzierung der Möbel. Auch ging sie nun über die Alpen und fand seit dem Ende des 16. Jahrh. eine neue Stätte in den deutschen Kunststädten, wie Augsburg und Nürnberg, und eine zweite am Niederrhein und in Holland. Möbel und Kästen dieser Art, größere und kleinere, teils in ital. Art mit Architekturen und Landschaften, teils in holländischer mit Blumen und Vögeln, sind noch ziemlich zahlreich erhalten. Aus diesen entstand in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. die polierte M., welche durch das 18. Jahrh. hindurch blühte, an fast allen Stätten der Möbelfabrikation, so auch zu Paris. Sie folgten allen Wandlungen und Moden des Rokoko mit Ornamenten, Chineserien, Blumen i u. s. w. „Noh Kommoden, Tische, Schreibkästen und andere Möbel sind überaus hlvie erhalten. Aus dieser Art M. ist im 19. Jahrh. die Fourniertischlerei entstanden, mit ihrem Maser und ihrem Flader, ein schlechtes Substitut für eine ursprünglich edle Kunst. Neben den geschilderten Arten der M. gingen Varianten einher. So vorzugsweise in Italien (Florenz, Mailand, Venedig) eine sehr edle Art der eingelegten Arbeit aus Ebenholz und Elfenbein im 16. und 17. Jahrh. Es gibt zwei auf der Technik der Aussägung beruhende Arten, i weiß in schwarz und schwarz in weiß. Jenes ist die bessere und edlere Art (im antiquarischen Jargon die „Mandeln » genannt; die andere schafft die „Weibelno). Eine zweite sehr berühmte Variante l sind die Boulle-Arbeiten (s. d.). Jetzt nimmt die neu erblühende Kunstindustrie alle verschiedenen [ Arten der M. wieder auf. Die Ausstellungen zeigten vortreffliche Arbeiten von Paris, London, Wien und vielen andern Orten. Italien bemüht sich für. seine schwarz-weiße Intarsia, die übrigens auch in London und Wien ausgezeichnet gefertigt wird. Vgl. Teirich,«Ornamente aus der Blütezeit ital. Renaissances (mit geschichtlichem Text, Wien 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 479Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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