FeedMohammed II.
GeschichteBrockhaus 1882

Mohammed II., türk. Kaiser, 1451—81, mit dem Beinamen Bujuk, d. h. der Große, der Sohn und Nachfolger Murads II., geb. zu Adrianopel 1430, machte die vollständige Eroberung des griech. Reichs zum Ziele seines Strebens. Im Frühjahre 1453 begann M. mit 200000 Mann Landtruppen, 300 Galeeren und 200 kleinen Pabrdengear die Belagerung Konstantinopels, das nach 53tägiger Belagerung (29. Mai) mit Sturm genommen und mehrere Tage der Plünderung preisgegeben wurde. Nachdem M. Konstantinopel zum Hauptsitze seines Reichs bestimmt hatte, gewährte er dem griech. Patriarchen den Rang eines hohen Staatsbeamten und machte die griech. Geistlichkeit für das Wohlverhalten des Volks verantwortlich. So wurde die Stadt bald wieder blühend, die er nun von neuem befestigen ließ, zu welchem Zwecke auch am Eingange des Hellespont die Dardanellen angelegt wurden. Nach dem Falle Konstantinopels vernichtete M. die beiden noch bestehenden unabhängigen Griechenherrschaften der Paläologen in der Morea und der Komnenen in Trapezunt, führte blutige Kriege mit Joh. Hunyadi um Serbien, das er nebst einem Teil von Bosnien nach Hunyadis Tode unterwarf, mit Skanderbeg von Albanien, mit der Walachei, mit Venedig, das ihm Euböa und Lemnos, mit Genua, das ihm Kaffa und Asow abtreten mußte, und zwang die Krimschen Tataren zu ihm in Vasallenverhältnis zu treten. Die Kriege in Persien gegen Usun-Hasan hinderten ihn, sein Kriegsglück gegen die christl. Mächte weiter zu verin seinen Kriegen gegen die Christen. Er eroberte 1596 Erlau und fuhrte noch mehrere Jahre blutige Kriege gegen Osterreich und Ungarn, ohne jedoch siebenjähriger Knabe, unter der Vor seiner Großmutter, auf den Thron Relangte. Bort währende Hof⸗ und Serailintriguen lähmten die Kräfte des Reichs in dem Maße, daß es sogar von der Republik Venedig gedemüthigt werden konnte. Erst 1656, als Mohammed Köprili Großvezier wurde, kehrte Ruhe im Innern und Machtentwickelung nach außen zurück. Diesem folgte (1662) im Großvezierat sein Sohn Ahmed, der siegreich gegen Ungarn und Rußland focht und Candia eroberte. Auch nach dem Tode Ahmeds (1676) hatten die osman. Waffen große Erfolge, bis Ahmeds Nachfolger Kara-Mustafa (1683) vor Wien geschlagen wurde. Mehrjährige unglückliche Kriege führten dann zur Niederlage bei Mohacs (1687), wodurch die Entthronung des Sultans herbeigeführt wurde. M. ward eingekerkert und starb 1691.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 792Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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