FeedDandoölo
GeschichteBrockhaus 1882

Dandoölo, vornehme venet. Familie, welche der Republik Venedig vier Dogen gegeben hat. Der berühmteste darunter war Enrico D., geb. um 1110 oder 1115. Durch Bildung, Beredsamkeit und Geschäftskenntnis ausgezeichnet, stieg er von Stufe zu tufe, war 1173 Gesandter in Konstantinopel und wurde 1192 zum Dogen erwählt. Als solcher stellte er die Herrschaft der Republik in Istrien und Dalmatien wieder her, schlug die Pisaner und wurde 1201 Führer des vierten Kreuzzugs, der seine Waffen statt gegen die Ungläubigen, zumeist venet. Politik zu Liebe, gegen das Byzantinische Reich wandte. Er eroberte Triest und Zara, die albanische Küste, die Jonischen Inseln und Konstantinopel 17. Juli 1203. Als der von ihm auf den griech. Thron erhobene Kaiser Alexius von seinen Unterthanen ermordet worden, belagerte er Konstantinopel und nahm es mit Sturm 13. April 1204. Folge davon war die Errichtung des Lateinischen Kaisertums unter Graf Balduin von Flandern. Bei der Teilung des Griechischen Reichs erhielt Venedig die Inseln des Jonischen Meers und einige des Archipels, mehrere Häfen und Landstriche am Hellespont, in Phrygien, Morea und Epirus, ein ganzes Quartier von Konstantinopel und durch Kauf die Insel Candia. Bald nachher starb D. 1. Juni 1205 zu Konstantinopel und wurde in der Sophienkirche begraben. Sein Grabmal zerstörten die Türken bei der Eroberung Konstantinopels 1453. — Giovanni D. war von 1280—89 Doge, Francesco D. von 1328—39 und Andrea D. von 1342—54. Silvestro D., Graf, geb. 1766 zu Venedig, diente erst als Offizier auf der Flotte der Republik Venedig und trat dann in österr. Seedienste, in denen er bis 1838 zum Vizeadmiral und Oberbefehlshaber der Marine avancierte. Er starb 14.Nov. 1847. — Sein Sohn Girolamo D., geb. 26. Juli 1796, starb 26. März 1866 als der letzte seines Stammes. Er studierte in Venedig und Padua und trat 1821 in den Staatsdienst, wurde Regierungsselretär, dann erster Adjunkt an der Delegation zu Treviso, hierauf wieder Sekretär in Venedig. Als sich Venedig 2 Republik erklärte, ward D. Gouverneur zu Rovigo, nach dem Tage von Novara (23. März 1849) Kommissar in der Wer und während der Nach d Vorstand der Verpflegungskommission. Nach der Rückkehr der sterreicher in Ruhestand versetzt, wurde D. später zum Direktor des großen Staatsarchivs dei Frari ernannt, welchen Posten er bis zu seinem Tode bekleidete. Von seinen Schriften sind zu erwähnen: 4&Osservazioni sui quattro cavalli della basilica di San Marcop (Vened. 1817), Alcune parole al Lloyd di Vienna e suoi corrispondenti sul porto franco di Veneziap (Vened. 1850), „La caduta della Repubblica di Venezia e i suoi ultimi cinquant' annio (Vened. 1855, zunächst gegen eine für Venedig un-Muline Schilderung des frühern Archivdirektors utinelli gerichtet), II porto di Malamoccov, 4II Carmagnola (Vened. 1865), Cenni biografici di alcuni illustri Bergamaschis (Vened. 1857).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 839Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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