FeedMohilew oder Mogiléw (poln. Mohylew)
GeschichteBrockhaus 1882

Mohilew oder Mogiléw (poln. Mohylew), ein Gouvernement des westl. Rußland von 48 045 àkm mit (1882) 1092 163 E., gehörte in ältester Zeit zum russ. Fürstentum Smolensk und nach der Eroberung durch die Litauer und unter poln. Oberherrschaft zu den Wojwodschaften Mstislawl und Witebsk. Als es 1772 wieder an Rußland gekommen war, wurde es 1778 eine Statthalterschaft, 1796 unter dem Namen Weißrußland mit Witebsk vereinigt, 1802 aber wieder ein besonderes Gouvernement. Es ist eben, nur von wenigen Hügeln durchzogen, sehr fruchtbar und hat mildes, obwohl sehr feuchtes Klima. Der Dnjepr mit seinen ansehnlichen Nebenflüssen Sosh und Druzt bewässert das Land. Die Bewohner sind sehr eg kunstfertig und industribs. Über ein Drittel des Landes ist Kulturboden, über ein Drittel mit Wald bedeckt. Ackerbau und Obstzucht stehen auf hoher Stufe der Ausbildung, und besonders ausgezeichnet ist das Gemüse. Auch Viehzucht und Jagd, bei den herrlichen Viehweiden und den ausgedehnten Wäldern, und die Waldbienenzucht werden in großem Umfange betrieben. Der Dnjepr mit seinen Nebenströmen bietet Gelegenheit zu einer ausgedehnten Flußschiffahrt und zu einem sehr umfangreichen, durch den Produktenreichtum besonders gehobenen Handel, den die Einwohner, meist Rußniaken, aber auch Großrussen, Deutsche und Juden, sogar Zigeuner, mit den umliegenden Gouvernements unterhalten. Das Gouvernement zerfällt in 11 Kreise. Die gleichnamige Hauptstadt Mohilew, an beiden Ufern des Dnjepr am Einflusse der Dubrowenka in denselben, in einer schönen, fruchtbaren Gegend gelegen, ist eine der freundlichsten Städte Rußlands. Sie ist der Sitz eines Civilgouverneurs und zweier Erzbischöfe, eines griechischen und katholischen, hat breite, gerade, schön gepflasterte Straßen, in der Mitte einen achteckigen, von schönen Gebäuden umgebenen Platz und eine schattenreiche, um die ganze Stadt führende Promenade, die eine herrliche Aussicht in das Dnjeprthal gewährt. In den Vorstädten liegen viele Obstgärten; auf einer Anhöhe steht das alte Schloß. M. hat 29 Kirchen (darunter die prächtige Kathedrale St. Joseph, vier katholische und eine lutherische), ferner vier Klöster, drei Synagogen, 33 jüd. Gebetschulen, zwei Seminarien, ein Gymnasium, eine geistliche Schule, eine jüd. Kreisschule erster Klasse, zwei höhere Töchterschulen, viele Lederfabriken und zählt (1882) 41 716 E., die, sehr gewerbfleißig, einen lebhaften Handel unterhalten. Am 23. Juli 1812 besiegten bei M. die Franzosen unter Davoust die Russen unter Bagration. Etwa 2 km von der Stadt liegt der geschmackvolle Jantschinsche Park mit einem Schlosse, wo 1780 Katharina II. mit Kaiser Joseph II. eine Zusammenkunft hielt. M. ist mit Kiew auf dem Dnjepr durch Dampfschiffahrt verbunden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 793Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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