FeedMohl (Mor.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Mohl (Mor.), bekannt durch seine parlamentarische Thätigkeit und als nationalökonomischer Schriftsteller, Bruder der vorigen, geb. 1802 zu Stuttgart, studierte zu Tübingen Staats⸗ und Kameralwissenschaften und besuchte die landwirtschaftliche Lehranstalt zu Hohenheim. Seit 1826 Referendar beim württemb. Finanzministerium, wurde er nach Gründung des süddeutschen Zollverbandes Assessor bei der württemb. Oberzollverwaltung und 1831 Assessor bei der Finanzkammer in Reutlingen. Nachdem er hierauf einen fünfjährigen Aufenthalt in Frankreich der Erforschung der staatswirtschaftlichen Zustände und des Unterrichtswesens dieses Landes gewidmet, wurde er 1841 zum Obersteuerrat in Stuttgart ernannt. Der Märzbewegung im J. 1848 schloß sich M. mit Wärme an. Er wohnte dem Vorparlament bei und ward von dem Wahlbezirk Heidenheim-Aalen in die Nationalversammlung gewählt, wo er auf der Seite der gemäßigten Linken saß. Seine amtliche Stellung gab er auf, um sich ganz der Sache des Volks und litterarischer Thätigkeit zu widmen. Seitdem ist M. beständig Mitglied der Kammer geblieben und war der entschiedenste Führer der Großdeutschen. Im J. 1868 wurde er in das Zollparlament gewählt. Im Deutschen Reichstage, dessen Mitglied er 1871—73 war, stimmte er gegen jede Erweiterung der Reichskompetenz. Unter M.s Schriften sind hervorzuheben: Aus den gewerbswissenschaftlichen Ergebnissen einer Reise in Frankreichs (Stuttg. 1845), „Beitrag zur Erörterung des Deutschen Handelsesetzbuchs» (Stuttg. 1857), «über Bankmanöver, ankfrage und Krisiso (Stuttg. 1858), cliber ein Bundes erichto (Stuttg. 1860), «über die Pest der öffentlichen Leihhäusero (Stuttg. 1866). Hieran schließen sich seine ständischen Berichte über den preuß.⸗franz. Handelsvertrag (Stuttg. 1863) und die Erweiterung des württemb. Eisenbahnnetzes (Stuttg. 1865), Mahnrufe (Stuttg. 1867) gegen den Zollvereinsvertrag, und die Broschüren Zur Münzreformo (Tüb. 1871) und «über den Entwurf eines Reichseisenbahngesetzes» (Stuttg. 1874). „Mohl (Hugo von), namhafter deutscher Botaniker, ein vierter Bruder des vorigen, geb. 8. April 1805 zu Stuttgart, bezog w1823 die Universität Tübingen und studierte daselbst Medizin, beschäftigte sich aber hauptsächlich mit Botanik und veröffentlichte 1827 eine preisgekrönte Abhandlung Uber den Bau und das Winden der Ranken und Schlingpflanzen». Nach seiner Promotion (1828) siedelke er von Tübingen nach München über, wo er einige besonders auf dem Gebiete der Anatomie wertvolle Untersuchungen anstellte; 1832 wurde er als Professor der Physiologie nach Bern berufen, 1835 erfolgte seine Ernennung zum ord. Professor der Botanik in Tübingen, in welcher Stellung er 1. April 1872 daselbst starb. Für die botan. Wissenschaft hat M. Hervorragendes geleistet durch seine exakten anatom. Untersuchungen, die noch jetzt ihre volle Geltung besitzen und die die Grundlage fast für die gesamte neuere Gewebelehre und Entwickelungsgeschichte bilden. Aber auch auf andern Gebieten der Botanik hat er wertvolle Arbeiten geliefert, überhaupt war sein Wissen ein sehr vielseitiges und wenn er auch nicht gerade umfangreiche Abhandlungen veröffentlicht hat, so zeigt doch jede seiner Arbeiten nüchterne, sorgfältigste Beobachtung und zugleich eine scharfe eingehende Kritik nicht bloß der Arbeiten anderer, sondern auch seiner eigenen. An der Universität Tübingen hat er durch seine Bemühungen erreicht, daß 1863 eine besondere naturwissenschaftliche Fakultät errichtet wurde. Von seinen Schriften sind noch hervorzuheben: De palmarum structura (Münch. 1831), über den Bau des Cykadeenstamms(Münch. 1832), Destructura caudicis filicum arborearumo (Münch. 1833), «Beiträge zur Anatomie und Physiologie der Gewächses (Bern 1834), „Mikrographie oder Anleitung zur Kenntnis und zum Gebrauch des Mikroskops » (Tüb. 1846), Grundzüge zur Anatomie und Physiologie der vegetabilischen Zelleß (Braunschw. 1851). Auch schrieb er zahlreiche kleinere Abhandlungen vorwiegend anatom. Inhalts, die zum größten Teil unter dem Titel Vermischte Schriften botan. Inhaltso (Tüb. 1845) wieder abgedruckt sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 794Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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