Mittnacht (Herm. von), württemb. Ministerpräsident, geb. 17. März 1825 in Stuttgart, studierte in Tübingen und Heidelberg die Rechte und trat 1849 in den württemb. Justizdienst, in welchem er als Staatsanwalt, Stadtgerichtsvorstand in Stuttgart, sowie als Obertribunalsrat und Mitglied des Oberhandelsgerichts thätig war. Im J. 1861 in die württemb. Abgeordnetenkammer gewählt, errang er sich an der Spitze der konservativen Partei rasch eine hervorragende Stellung. M. war 1867 Mitglied der Bundesliquidationskommission in Frankfurt a. M. und trat im April desselben Jahres als Justizminister in das Ministerium Varnbüler. In dieser Stellung führte er eine neue Gerichtsorganisation und Prozeßreform durch und beteiligte sich in wesentlich fördernder Weise an den Verhandlungen in München und Versailles, welche der Gründung des Deutschen Reichs und später dem Abschluß der Friedenspräliminarien vorangingen. Seit dem Rücktritt von Varnbülers im Aug. 1870 das Haupt der Regierung, übernahm M. im Nov. 1873 auch das Ministerium des Außern und des königl. Hauses und wurde 1876 zum Ministerpräsidenten ernannt. Auch war M. Mitglied des Zollparlaments, in dem er der partikularistisch-konservativen Partei angehörte, und ist seit Gründung des Deutschen Reichs Mitglied des Bundesrats. Seit 1880 leitet er die württemb. Verkehrsanstalten, während er das Justizministerium 1878 abgegeben hat.