FeedMomiers
ReligionBrockhaus 1882

Momiers, d. h. Mummerei Treibende, Heuchler, ist ursprünglich der volkstümliche Spottname einer kirchlichen Partei in der Schweiz, welche, schon 1813 in Genf durch Frau von Krüdener angeregt, seit 1817 in Genf, seit 1818 in der Waadt entschiedener hervortrat und sich der Staatskirche gegenüberstellte. In beiden Kantonen von der Regierung und der Staatskirche bekämpft, sagte sich die Partei von der letztern los und gründete 1848 eine eigene Freie Kircher (Eglise libre) mit besondern theol. Fakultäten in Genf und Lausanne und zahlreichen Gemeinden in Genf, Waadt, Neuenburg und Bern. Im Verlaufe der Zeit hat sich der Gegensatz zwischen Staats- und Freier Kirche allmählich erheblich abgeschwächt und betrifft jetzt weniger das Dogma als die Organisation der Kirche. Gegenwärtig werden als M., in der deutschen Schweiz als Stündelero (von Betstunde halten), Pietisten und Sektierer aller Art, ohne Unterschied der Richtung, bezeichnet. Vgl. von der Goltz, Die reform. Kirche Genfs im 19. Jahrh.» (Bas. u. Genf 1862); Chenevière, uelques mots sur la Genève religieuse du baron de Goltzo (Genf 1863).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 811Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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