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HimmelskundeBrockhaus 1882

Monat heißt im allgemeinen die Umlaufszeit des Mondes (s. d.) um die Erde. Da der Umlauf des Mondes aus mehrern Gesichtspunkten betrachtet werden kann, so unterscheidet man auch mehrere Arten M. Betrachtet man nämlich die Zeit, binnen welcher der Mond wieder vor demselben Fixstern erscheint, so ist dies sein siderischer Umlauf, und die Periode desselben wird der siderische Monat genannt. Die Umlaufszeit des Mondes aber vom Frühlingspunkt (s. Frühling) an gerechnet bis wieder zu dem nämlichen Punkte gibt den tropischen oder periodischen Monat, der wegen des Vorrückens der Nachtgleichen kürzer als der siderische ist. Die Zeit, binnen welcher der Mondwechsel — — d. h. von einem Neumonde bis zum andern, heißt der synodische Monat, welcher wegen des Vorrückens der Erde in ihrer Bahn der längste sein muß, der Umlauf von dem aufsteigenden Knoten bis wieder zu demselben der Drachen-oder Knotenmonat, und endlich der Umlauf von der Erdnähe bis wieder dahin der anomalistische Monat. Kein einziger dieser verschiedenen M. bleibt sich gleich, sondern jeder dauert wegen sog. Störungen bald länger, bald kürzer. Die Länge eines jeden läßt sich daher nur in einer mittlern Zeitdauer oder im Durchschnitt aus allen wirklich vorkommenden Längen angeben. Die Astronomen bestimmen auf diese Weise den fiderischen Monat .. auf 27 Tage 7 St. 43 Min. 12 Sek. den tropischen⸗ Monat. . » 27 „7 »„ 43 „ 5 »„ den synodischen Monat. » 29 »» 12 » 44 „ 3 den anomalistischen Monat „ 21 » 13 21 »„ 3 Da 12 Mondenwechsel fast ein Sonnenjahr ausmachen, so nennt man auch wohl den 12. Teil eines solchen (= 30 Tage 10 St. 29 Min. 4 Sek.) einen Sonnenmonat. Verschiedene morgenländ. Völker rechnen nach synodischen M., nehmen aber der Bequemlichkeit wegen einen M. zu 29, den andern zu 30 Tagen an. Auch rechnen einige von einem Wiedersichtbarwerden des Mondes nach dem Neumonde zum andern. Die Juden haben in ihrem Jahre bald 12, bald 13 solcher Mondesmonate von resp. 29 und 30 Tagen. Bei den Mohammedanern ist das Mondjahr von 12 M. gebräuchlich. Die Christen haben sog. bürgerliche Monate zu meist 30 und 31 Tagen, deren Namen von den Römern stammen. Abgesehen von dem April, haben Januar, Februar, März, Mai und Juni ihre Namen von Janus, Februus, Mars, Maja und Juno erhalten, denen zu dieser Zeit von den Römern geopfert wurde. September, Oktober, November und Dezember aber sind nach den Stellen des Jahres benannt, welche sie bei den ältesten Römern einnahmen, die das Jahr mit dem März anfingen, sodaß die genannten M. der siebente, achte, neunte und zehnte M. waren. Deshalb hießen auch früher bei ihnen die M. Juli und August Quinctilis und Sextilis, d. h. der fünfte und sechste. Erst durch einen Senatsbeschluß wurde der Quinctilis dem Julius Cäsar zu Ehren Julius, der Sextilis zu Ehren des Octavian Augustus genannt. Überhaupt war es unter den ersten röm. Kaisern Sitte, ihre Namen durch den Kalender zu verewigen. So erhielt nach einem Senatsbeschluß der April den Namen des Nero, der Mai den des Claudius; bei Todesstrafe gebot Domitian, den Oktober künftig Domitianus zu nennen; der August bekam den Namen Commodus u. s. w. Doch sind alle diese Kaisernamen mit einziger Ausnahme des August sehr bald aus dem Kalender verschwunden. Karl d. Gr. schlug sehr angemessene deutsche Namen vor. In der großen Französischen Revolution führten die Franzosen (5. Okt. 1793) mit dem neuen republikanischen Kalender zugleich auch für die M. neue Namen ein, die jedoch mit der Wiedereinführung des Gregorianischen Kalenders (9. Sept. 1805) wieder verschwanden. (S. Kalender.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 815Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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