FeedMonroe (James)
GeschichteBrockhaus 1882

Monroe (James), der fünfte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, 1817 — 25, geb. 28. April 1758 in der Grafschaft Westmoreland in Virginien, studierte die Rechte, beteiligte sich am Unabhängigkeitskrieg gegen England und wurde 1782 Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung von Virginien und 1783 des Kongresses der Vereinigten Staaten. Im J. 1786 kehrte er in seine Heimat zurück, wurde 1790 von Virginien zum Vereinigten Staaten-Senator gewählt und ging 1794 als Gesandter nach Frankreich, zeigte jedoch den franz. Forderungen gegenüber wenig Festigkeit. Im J. 1796 zurückgerufen, rechtfertigte er sein Benehmen durch die Veröffentlichung seines diplomatischen Briefwechsels. Hierauf war er 1799—1802 Gouverneur von Virginien. Im J. 1803 ging er abermals als Gesandter nach Paris und erhielt dann eine Sendung nach London, 1804 nach Madrid. Er kehrte 1808 nach Amerika zurück, wurde 1811 wieder Gouverneur von Virginien und in demselben Jahre unter Madisons Verwaltung Staatssekretär. Später übernahm er das Kriegsministerium und machte die eifrigsten Anstrengungen, die Verteidigungsmittel der Regierung zu verstärken. Nach dem Frieden widmete er sich wieder ausschließlich den Geschäften des Staatssekretariats, bis 1817 seine Erwählung zum Präsidenten stattfand. Fast einstimmig wurde er auch 1821 wiedererwählt. M. ging in der Verstärkung der Unionsregierung weiter als seine Vorgänger, und namentlich verdankt ihm das Seewesen seine Ausbildung. Die Hauptereignisse in seinem ersten Amtstermin (1817 —21) waren die Zulassung von Mississippi, Illinois und Alabama als neue Staaten und die käufliche Erwerbung von Florida. In seinen zweiten Termin (1821—25) fällt in der innern Politik die Zulassung von Missouri als Sklavenstaat und das dadurch bedingte Missouri-Kompromiß, welches alles südlich von 36² 30 gelegene Gebiet der Vereinigten Staaten der Sklaverei überantwortete. In der äußern Politik dagegen erkannte M. die Unabhängigkeit der bisherigen span. Kolonien an und definierte 1823 dem absolutistischen Europa gegenüber die Stellung der Vereinigten Staaten in der sog. Monroe-Doktrin (s. d.). Nachdem er 1825 sein Amt niedergelegt, zog er sich in seine Heimat zurück, siedelte 1830 nach Neuyork über, wo er, wie früher Adams und Jefferson, am Jahrestage der amerik. Unabhängigkeit (4. Juli 1831) starb. Monroe-⸗Doktrin heißt die vom Präsidenten Monroe in der Jahresbotschaft vom 2. Dez. 1823 erlassene und von dem Staatssekretär John Quincy Adams verfaßte Erklärung, daß die Vereinigten Staaten nicht allein jeden Versuch der Heiligen Allianz, ihr System auf die westl. Hemisphäre auszudehnen, als dem Frieden und der Freiheit der Vereinigten Staaten gefährlich erachten, sondern auch jede zum Zweck der Unterdrückung unabhängiger amerik. Regierungen oder der Kontrollierung ihres Geschicks unternommene Einmischung in dem Lichte einer den Vereinigten Staaten unfreundlichen Gesinnung betrachten müßten, und daß endlich die Kontinente Amerikas bei der freien und unabhängigen Stellung, die sie eingenommen hätten und behaupteten, nicht mehr als Gegenstände der europ. Kolonisation angesehen werden dürften. Die M. wurde in der Folge von Monroes sämtlichen Amtsnachfolgern als leitender Grundsatz anerkannt, namentlich aber von John Quincy Adams in dessen Botschaft über den Panama-Kongreß 1828 ausführlicher begründet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 829Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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