Jefferson (Thomas), der dritte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, 1801—9, geb. 2. April 1743 zu Shadwell in Virginien, studierte von seinem 18. Jahre an Jurisprudenz, ließ si 1767 in seinem Heimatsstaate als Advokat nieder und wurde 1769 Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung in Virginien, wo er bereits damals einen Versuch zur Emancipation der Sklaven machte. Als sich der Widerstand gegen die Politik der brit. Regierung in den Kolonien zu regen begann, gesellte sich I. den eifrigen Patrioten zu. In den Kongreß von 1775 gewählt, nahm er hier eine entschieden revolutionäre Haltung an und war als Mitglied jenes berühmten Ausschusses thätig, in dem auch Adams, Franklin, Sherman und Livingstone wirkten. J. entwarf mit diesen die von den virgin. Abgeordneten vorgeschlagene Unabhängigkeitserklärung, die nach lebhaften Erörterungen mit wenigen Veränderungen vom Kongreß 4. Juli 1776 angenommen wurde. Im Okttober desselben Jahres auf seinen Sitz im Kongreß verzichtend, trat er in die Gesetzgebende Versammlung von Virginien, in der er eifrig darauf hinarbeitete, das feudal-aristokratische Grundgesetz dieses Staats gemäß den Prinzipien der Unabhängigkeitserklärung umzugestalten. Von 1779 bis1782warer Gouverneur von Virginien, und trat im Nov. 1783 in den Kongreß zurück, dem er bis Juni 1784 angehörte. Er gab den ersten Anlaß zu dem Gesetze, welches die Sklaverei aus den nordwestl. Territorien, damals dem einzigen Landbesitz der Union, ausschloß. Mit Adams und Franklin zum Gesandten für den Abschluß europ. Handelsverträge ernannt, vereinigte er sich mit diesen im Sommer 1784 in Paris. Nach Franklins (Juli 1785) erfolgter Rückkehr blieb J. noch vier Jahre als alleiniger Gesandter in Paris. Im Herbst 1789 nach Amerika zurückgekehrt, trat er Ende März 1790 als Staatssekretär in Washingtons Kabinett ein, dem er bis zum 31. Dez. 1793 angehörte. Der Kampf, den er in dieser Stellung gegen seinen Kollegen Alexander Hamilton, den Finanzminister, führte, legte den Grund zur spätern Parteiorganisation der Föderalisten und Republikaner (Whigs und Demokraten), und J. wurde der eigentliche Vater der amerik. Demokratie. Nach seinem Rücktritt zog er sich auf sein Landgut Monticello in Virginien zurück, wurde aber im Frühjahr 1797 zum Vizepräsidenten unter John dams gewählt. Er trat den verhaßten Maßregeln des Präsidenten (Aufruhr⸗ und Fremdenbill u. s. w.) entgegen, entwarf 1798 zum angeblichen Schutz der Einzelstaaten die gegen die Geltendmachung der dem Bunde zustehenden Rechte gerichteten Virginia⸗ und Kentucky-Beschlüsse und stürzte die föderalistische Partei, sodaß er 1800 als Sieger zum Präsidenten gewählt wurde, welche Würde er infolge seiner Wiederwahl bis 1809 bekleidete. Die bedeutendste Maßregel seiner ersten Amtsperiode bildete die Erwerbung Louisianas. Der Hauptakt seiner zweiten Präsidentschaft bestand in dem durch die Feindseligkeiten mit England herbeigeführten Embargo, welches übrigens das eigene Land noch schlimmer als den Feind traf. Er starb am 50. Jahrestage der von ihm 1776 entworfenen und unterzeichneten Unabhängigkeitserklärung, 4. Juli 1826, mit John Adams an einem Tage. Sein Leben beschrieben Tucker (2 Bde., Philad. 1837), Randall (3 Bde., Neuyork 1857), Randolph Neuyork 1871) und Parton (Boston 1874). Seine gesammelten Schriften, darunter seine Selbstbiographie und sein noch jetzt als Autorität betrachtetes Handbuch der parlamentarischen Praxis, wurden zuerst 1853—55 vom Kongreß in neun Bänden beröffentlicht.