Saint-Löo, Hauptstadt des franz. Depart. Manche, am rechten Ufer der Vire, größtenteils auf einem Felsen unregelmäßig gebaut und ehemals befestigt, ist Station der Linien Lison-S. und S.⸗Lamballe der Westbahn, Sitz einer Ackerbau- und einer Gewerbekammer und zählt (1881) 8671 als Gemeinde 10 121) C., welche geschätzte Tuche, lanell, Zwillich, Kalikos, Droguets, Spitzen und wirnbänder fabrizieren, Woll⸗ und Baumwollspinnereien, Wies enbleichereien, Messer⸗ und Kupferschmieden, Gerbereien und Riemereien unterhalten und Handel mit gesalzener Butter, Cider, Getreide, Vieh und Pferden für die Armee, Geflügel, Honig, Wachs, Eisen, Leder, Zwirn u. s. w. treiben. Die Stadt hat ein kleines geistliches und ein Lehrerseminar, eine öffentliche Bibliothek von 9000 Bänden, ein Museum für Naturgeschichte und Alter tümer eine Bankfiliale und ein Theater. Auch ist eine Mineralquelle vorhanden. Die got. Kirche Notre-Dame, ehemals Kathedrale, teils im 12.. teils im 15. Jahrh. erbaut und im 17. Jahrh. restauriert, zeichnet sich durch Reinheit und Reich-1 tum des Stils, namentlich aber durch ihr Portal und ihre zwei herrlichen Glockentürme aus. Die Kirche emann. Bi oft als das vollständigste Denkmal normann. Baukunst bezeichnet, ist frühestens im 11. Jahrh. von den Normannen aufgeführt und l wurde 1860 umgebaut. Sie gehörte zur ehemaligen r Abtei der Stadt, deren Gebäude jetzt mit zu dem Staatsgestüte benutzt werden. Im Vestibul des Stadthauses befindet sich ein antikes Marbre de Torigny o genanntes Piedestal mit einer wichtigen Inschrift. Der Ort hieß ursprünglich Briovéra und erhielt seinen heutigen Namen (mittellat. Sancti Laudi) vom fünften Bischof von Coutances, dem heil. Laudus. S. wurde 889 und 890 von den Normannen belagert, dann ur übergabe genötigt, ausgemordet und zerstört. ie Engländer eroberten 1346 und 141“ die Stadt, die sie bis 1449 behaupteten. Unter den Valois eine Baronie, war S. 1562 in den Händen der Hugenotten.