FeedMoratin (Leandro Fernandez de)
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Moratin (Leandro Fernandez de), der span. Moliere genannt, geb. zu Madrid 10. März 1760, lernte als Juwelier, widmete sich aber zugleich mit Eifer der Poesie und erhielt in seinem 19. Jahre für seine heroische Romanze La Loma de Granaday bei der Akademie das Accessit. Doch mußte er als Juwelier fortarbeiten, bis ihn endlich der Graf von Cabarrus 1786 als Sekretär mit nach Paris nahm, wo im Umgange mit Goldoni sich sein Talent für dramatische Poesie entwickelte. Im J. 1789 erhielt er eine Präbende im Erzbistum von Burgos. Später erwarb er sich in dem Friedensfürsten einen Gönner. Bereits hatte er mit Beifall die Lustspiele „El viejo y la nina (1790) und „La comedia nuevav (1792) veröffentlicht. Im J. 1796 wurde er Translator im Ministerium des Auswärtigen, Mitglied der Theaterdirektion und endlich alleiniger Direktor des Theaters, welche letztere Stelle er jedoch bald wieder niederlegte. In dieser Zeit schrieb er die Lustspiele EI barono, La magigatav und El Si de las ninaso, welche mit steigendem Beifall aufgenommen wurden. Als Günstling des gestürzten Friedensfürsten mußte er 1808 flüchten, kehrte aber mit den Franzosen nach Madrid zurück und wurde 1811 Oberbibliothekar der königl. Bibliothek. Nach der Räumung Madrids von den Franzosen wieder flüchtig, geriet er in die äußerste Not, bis ihm 1816 seine frühern Einkünfte zurückgegeben wurden. Neue Verfolgungen in Barcelona nötigten ihn, sich seit 1817 meist in Paris aufzuhalten. Er starb 21. Juni 1828. In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte sich M. mit einer Auswahl seiner poetischen Werke (3 Bde., Par. 1825; 2. Aufl. 1826) und mit einer Geschichte des Ursprungs des span. Theaters, welche die beiden ersten Bände der von der Akademie veranstalteten Ausgabe seiner sämtlichen Werke bildet (6 Bde., Madr. 1830 — 31; neue Ausg. im 2. Bande der Biblioteca de autores espaholeso, Madr. 1848). M. übte durch Korrektheit, Einfachheit, Natürlichkeit der Komposition und treffliche Sitten⸗ und Charakterschilderung bedeutenden Einfluß auf die Regeneration der span. Bühne. Doch steht er an Originalität und Genialität den großen Dramatikern seiner Nation weit nach.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 861Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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