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GeschichteBrockhaus 1882

Mortier (Edouard Adolphe Casimir Joseph), Herzog von Treviso, Marschall und Pair von Frankreich, geb. 13. Febr. 1768 zu Cäteau-Cambresis im Nord-Departement, wurde 1791 Lieutenant in einem Karabinierregiment und kurze Zeit nachher Hauptmann in einem Freiwilligenbataillon. Mit großer Auszeichnung nahm er an den Feldzuügen 1792—96, meist als Generaladjutant, teil, wurde Oberst und 1799 Brigadegeneral, kämpfte an der Donau und als Divisionsgeneral in der Schweiz, besetzte 1803 Hannover und befehligte die Artillerie der Konsulargarde. Bei Errichtung des Kaiserthrons erhielt er die Marschallswürde. Im Kriege von 1805 führte M. ein neugebildetes Korps, wurde jedoch 11. Nov. von Kutusow bei Dürnstein geschlagen. Er blieb dann zur Deckung der Donauübergänge zurück, während Napoleon auf Wien marschierte. Im J. 1806 besetzte er mit dem 8. Korps Hessen, Hannover, Oldenburg und die Hansestädte, focht 1807 vor Kolberg und in der Schlacht bei Friedland 14. Juni, wurde 1808 zum Herzog von Treviso mit reichen Dotationen erhoben, führte das 5. Armeekorps in Spanien und trug bei der Belagerung von Saragossa 19. Nov. 1809 unter Soult wesentlich zum Siege bei Ocana bei. Im J. 1810 befehligte er in Estremadura, nahm 1811 Badajoz und kehrte krank nach Frankreich zurück. „M. befehligte 1812 in Rußland die Junge Garde, die aber nur auf dem Rückzuge bei Krasnoi ins Gefecht kam. Als Gouverneur von Moskau erhielt er 21. Nov. den Auftrag, den Kreml in die Luft zu sprengen. Der Kaiser beauftragte ihn nach dem Rückzuge mit der Reorganisation der Jungen Garde, die er im Feldzuge von 1813 in den Schlachten von Lützen, Bautzen, Dresden, Leipzig und Hanau befehligte. Im J. 1814 wurde M. bei Bar-sur-Aube 24. Jan. zurückgedrängt, kämpfte dann unter Napoleon, wurde mit Marmont zur Deckung von Paris kestimmt, wurde 30. März vor Paris geschlagen und unterwarf sich 8. April der neuen Regierung. Ludwig XVIII. verlieh ihm die Pairswürde und das Kommando zu Lille. Bei der Rückkehr Napoleons sicherte er den Abzug des Königs nach Belgien, der ihn auch dankbar seines Eides entband. Der Kaiser bestätigte ihn in der Pairswürde und übertrug ihm die Inspektion über die Festungen an den östl. und nördl. Grenzen. Mit der zweiten Restauration wurde M. aus der Pairskammer entfernt: doch erhielt er 1816 den Befehl über die 15. Militärdivision zu Rouen, auch wählte ihn das Nord-Departement zum Deputierten. Im J. 1819 gab ihm der König die Pairswürde zurück. Er ging 1832 auf kurze Zeit als Gesandter an den russ. Hof, wurde 1833 Großkanzler der Ehrenlegion und übernahm 18. Nov. 1834 das Kriegsministerium und die Präsidentschaft im Kabinett, trat jedoch schon 20. Febr. 1835 zurück und wurde 28. Juli 1835, auf dem Boulevard du Temple durch die Höllenmaschine Fieschis (s. d.) tödlich verwundet. Einige Stunden darauf starb er und wurde mit den übrigen Opfern im Dome der Invaliden beigesetzt; zu Cäteau-Cambrésis und Paris wurden ihm Denkmäler errichtet. Sein Sohn, Napoleon, Herzog von Treviso, geb. 7. Aug. 1804, wurde 13. April 1845 zum Pair erhoben, 4. März 1853 Mitglied des Senats, 1. Nov. 1862 Kammerherr Napoleons III. und starb 30. Dez. 1869 zu Paris.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 880Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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