Jakob I., König von Großbritannien und Irland 1603—25, als König von Schottland (seit 1567) J. VI. genannt, Sohn der Königin Maria und Henry Darnleys, geb. zu Edinburgh 19. Juni 1566, wurde nach der erzwungenen Abdankung seiner Mutter 24. Juli 1567 zum König von Schott-⸗ land gekrönt. Seine Kindheit verlebte J. zu Stirling unter der Aufsicht des presbyterianischen Hi— len, ichl Buchanan. Kaum zum Jüngling erwach— en, schloß er sich der kath. Partei an, welche unter Lennor 1583 eine Zeit lang die prot. Lords verdrängte und die Befreiung Maria Stuarts anstrebte, aber schon 1586 wandte er sich der prot. Politik und speziell der Königin Elisabeth zu, mit der er das Bündnis zu Berwick schloß. Damit gab er seine eigene Mutter preis, sicherte sich aber durch die enge Verbindung mit Elisabeth die Nachfolge auf dem engl. Thron, die ihm durch das Erbrecht Marias zustand. Im prot. Interesse war auch seine Heirat mit der dän. Prinzessin Anna, die er selbst aus Norwegen 1589 heimführte. Ebenso war es ganz im Einklang mit Elisabeth, wenn er, wie diese in England, neben den Katholiken die Presbyterianer Schottlands unterdrückte und die anglikanische Kirchenform einzuführen suchte. Im J. 1603 zum König des vereinigten Großbritannien ausgerufen, war er bestrebt, diese Personalunion zu einer kirchlich-politischen, straff monarchischen Einheit zu konsolidieren. Der Haupthebel dazu sollte der Anglikanismus sein, dessen Anhänger, in den Genuß aller Rechte und Besitztitel der geistlichen und weltlichen Verwaltung gesetzt, ihn rückhaltslos unterstützten. Um so mehr widerstrebten alle Widersacher dieser Prinzipien nördlich und südlich des Tweed, und so kam es bald zu klaffendem Zwiespalt in den vereinigten Reichen. Die Pulververschwörung, welche kath. Fanatiker 1605 gegen Königtum und Parlament, gegen alle prot. Faktionen zugleich, austifteten, führte durch ihr Mißlingen nur zur fast gänzlichen Vertilgung des Papismus, aber die prot. Parteien selber stellten 0 darum nicht minder schroff gegeneinander, um o mehr, als der König sich gewissenlosen Günstlingen überließ, die nach Belieben mit dem Vermögen und der Ehre der Nation schalteten. Längere Zeit lenkte ihn ein Schotte Robert Carr und dessen lasterhafte Frau, nach deren Sturz aber bis an seinen Tod der gewandte und glänzende George Villiers, später Lord Buckingham. Die stete Geldverlegenheit J.s zwang ihn 1610 und 1614, das Parlament zu berufen, aber beide Sitzungen endigten nach den heftigsten Scenen resultatlos. Dadurch ward wieder die auswärtige Politik lahm gelegt. Im J. 1612 nahm J. eine Freundschaftsstellung zu den deutschen Unionsfürsten ein; deren Haupt Friedrich V. von der Pfalz vermählte sich mit der einzigen Tochter J.S, Elisabeth. Bald darauf ward mit derselben Tendenz der Prinz Henry von Wales einer franz. Prinzessin versprochen. Nachdem aber dieser eifrig prot. Prinz, wie es hieß durch das Gift der Carrs, noch im selben Jahre gestorben war, wandte sich J. mit der Werbung für den jetzigen Thronfolger Karl um eine span. Prinzessin der entgegengesetzten Richtung zu, erlitt aber hier 1623 eine völlige Abweisung. J. starb 8. April 1625. Man hat von J. mehrere Schriften, die vom Bischof Montacute als «Operap (Lond. 1619) herausgegeben wurden und für des Königs schrullenhaft-gelehrten Charakter sehr bezeichnend sind. Auch als Dichter trat er auf in den ESSays of a prentice in the divine art of poesies (Edinb. 1584). Vgl. Nichols, «The progresses, processions and festivities of James I.v (3 Bde., Lond. 1829); Disraeli, Inquiry into the literary and political character of James I. (Lond. 1816); Russel und Prendergast, Calendar of the state papers relating to Ireland of the reign of James I., 1606—85 (Lond. 1874); Gardiner, MHistory of Eugland from the accession of James I. to the disgrace of chiefjustice Cooko (2 Bde., 1863, mit zwei Fortsetzungen 1869 u. 1875).