Mösien (Mösia) hieß als röm. Provinz das Land im Süden der untern Donau, das gegen Osten an das Schwarze Meer stieß, gegen Süden durch die Bergketten des Balkan und Scardus von Thrazien und Macedonien, gegen Westen durch den Fluß Drinus (Drina), der sich in die Save ergießt, von Dalmatien getrennt wurde. Der Fluß Ciabrus (Cibriz) teilte es in zwei Hälften, deren östliche, Niedermösien (Moesia inferior), dem heutigen Bulgarien, die westliche, Obermösien (Moesia superior), vom Margus (Morawa)y durchflossen, dem heutigen Serbien ungefähr entspricht. Unter den Städten, die in dem Lande teils durch die Griechen an der Küste, teils unter röm. Herrschaft entstanden, sind in Niedermösien außer der Stadt Tomi bei Köstendsche am Schwarzen Meere, in deren Nähe Ovid in der Verbannung lebte, besonders Marcianopolis, Sardica (bei dem jetzigen Sophia), an der Donau Dorostorum (Silistria) und Nikopolis, und in Obermösien Viminacium (Widdin), Singidunum (unweit Belgrad), Naissus Missa) und Scupi (Uskup) zu bemerken. Die mehrfach wechselnden Einwohner gehörten ursprünglich dem thrazischen (einige vielleicht, wie die Bastarnen, dem germanischen) Volksstamm an. So die Völkerschaften der Mösier (von den Griechen Myser genannt, wie diese auch das Land, gleich dem kleinasiatischen, Mysien Is. d.] benannten), der Dacier und Geten, die noch vor Alexanders Zeit über die Donau auswanderten, der Dardaner und der Triballer. Die letztern wurden zu Ende des 4. Jahrh. v. Chr. durch die kelt. Skordisker, die sich selbst im westlichen M. niederließen, in das östliche gedrängt. über das letztere übten die Perser seit Darius I. etwa 30 Jahre lang die Herrschaft; zur Zeit des Peloponnesischen Kriegs gehörte es zu dem Reich der thraz. Odrysen. Die Berührung mit den Römern begann seit 5 v. Chr., wo der Prokonsul von Macedonien, Gajus Scribonius Curio, bis zur Donau vordrang; unterworfen wurde das Land 29 v. Chr. durch Mareus Licinius Crassus, Prokonsul von Macedonien. Seitdem entstand an der Donau eine Reihe röm. Festungswerke, deren Spuren noch jetzt übrig sind. Unter Augustus erhielt das Land röm. Provinzialeinrichtung, 16 oder 15 v. Chr. Die Blüte des durch einen kaiserl. konsularischen Legaten verwalteten Landes begann seit der Zeit Trajans, als dieser Dacien unterworfen hatte. Seit Domitian bestand die Einteilung in Ober- und Niedermösien. Im 3. Jahrh. begannen die Einfälle der Goten, gegen die Decius 251 n. Chr. in M. fiel, bis den Eindringlingen Claudius II. durch den Sieg bei Naissus 269, und 271 Aurelian, der die röm. Kolonisten aus Dacien nach M. verpflanzte, für einige Zeit ein Ziel setzten. Bei dem Andrang der Hunnen überströmten die Westgoten das Land, das ihnen, nachdem Kaiser Valens gegen sie bei Adrianopel 378 Schlacht und Leben verloren hatte, Theodosius I., dessen Oberherrschaft sie anerkannten, einräumte. Viele von ihnen blieben bei dem Wegzug des Volks im 5. Jahrh. zurück und erhielten sich unter dem Namen Mösogoten bis ins 6. Jahrh. in dem Lande, das seit 395 oström. Provinz war, dann durch hunnische, slaw., avarische, bulgarische Einfälle im Laufe der nächsten Jahrhunderte furchtbar heimgesucht wurde. In das wüste Niedermösien wanderten seit Ende des 6. Jahrh. slaw. Völker ein, die seit Ende des 7. Jahrh. unter die Herrschaft der Bulgaren sich beugten; in Obermösien zogen seit 620 n. Chr. unter Heraklius die Serbier ein.