Muggendorf, Marktflecken im bayr. Bezirksamte Ebermannstadt im Regierungsbezirk Oberfranken, an der forellenreichen Wiesent, der älteste Ort der von den Slawen bevölkerten Gegend, ist der Mittelpunkt der am besten von der Eisenbahnstation Forchheim (zwischen Bamberg und Erlangen) zu erreichenden Fränkischen Schweiz, auch Muggendorfer Gebirge genannt, der schönste Teil des Frankenjuras (s. d.), liegt 600 m über dem Meere in reizender Umgebung, zählt (1880) 463 E. und wird teils wegen seiner Molkenkur und Kaltwasserheilanstalt, teils der herrlichen Aussichtspunkte (Quackenschloß, Adlerstein, Wichsenstein) und lohnenden Ausflüge, hauptsächlich aber wegen der umliegenden weltberühmten Tropfsteinhöhlen viel besucht. Professor Esper in Erlangen ist der Entdecker, Goldfuß der erste Beschreiber dieser merkwürdigen Grotten, um deren Erforschung sich außerdem Rosenmüller, Cuvier, Bucklet, Leopold von Buch, Berghaus, Köppel u. a. verdient machten. Schon 1793 wurde in engl., 1806 in franz. wissenschaftlichen Zeitschriften die Gailenreuther Höhle (s. d.) beschrieben, die zwischen M und Gößweinstein (s. d.) liegt, und eine unerschöpfliche Menge von Zoolithen, Fossilen, Knochen urweltlicher Tiere, Löwen, Bären, Hyänen, Wölfe u. s. w. enthält, aus deren Reichtum fast alle Naturalienkabinette dergebildeten Welt versorgt wurden, ohne daß eine starke Abminderung zu erkennen wäre. In Schönstein, zwischen M. und dem Kurort Streitberg, liegen sieben Grotten in einer Gesamtlänge von 350 Schritten, darunter als die berühmteste die Rosenmüllerhöhle, ein förmlicher Dom mit unzähligen krystallenen Lichtern, in dem Boden, Decke und Wände von Tropfstein glitzern, und dessen «Allerheiligsteso, eine bes ondere kleine, nur in gebückter Stellung erreichbare Grotte, mit ihren zahlreichen Stalaktitenformen an die Wunder der Märchenwelt erinnert. Der Hohlenberg birgt die Oswaldshöhle, einen Felsentunnel mit gewölbten Tropfsteinsälen, deren größter 80 Schritte lang ist, die Wunderhöhle mit phantastischen Stalaktitenbildungen und die Witzenhöhle, der Rabenstein, die Sophienhöhle, auch die Höhlenkönigind genannt, mit mächtigen Tropfsteinwölbungen und Bildungen, in denen man bald weltbekannte Figuren (Napoleon), bald Wasserfälle, Meereswellen, Gletscherformen zu erblicken glaubt, und ihr gegenüber die völlig stalaktitenfreie, aber zoolithenreiche Ludwigshöhle. Im ganzen zählt die Umgebung von M. 46 solcher Grotten, deren Eingänge nie am Fuße, sondern stets in der Mitte oder auf der Höhe der Berge liegen, und von denen einzelne an beiden Enden ins Freie führen. Vgl. Heller,M. und seine Umgebung⸗ (2. Aufl., Bamb. 1842); Kraußold und Brock, «Geschichte der Fränkischen Schweizv (Nürnb. 1837).