Rustschuk, Rusesuk, 2 uschtschuk und Russe, Stadt (und bis 1878 Festung) im Fürstentum Bulgarien, auf dem rechten Ufer der Donau an einer Stelle gelegen, wo der Rand des bulgar. Plateau an den Strom herantritt, am rechten Ufer des hier einmündenden Lomflusses, ist Kopfstation der Cisenbahn nach Varna, Hauptstadt eines Distrikts und eines Arrondissements, Sitz eines bulgar. Bischofs, hat fünf größere und vier kleinere Moscheen, mehrere bulgar. und eine armen. Kirche, eine jüd. Synagoge und zählt (1881) 26867 C., Türken, Bulgaren, Walachen, Juden, auch Griechen und Armenier, welche einen lebhaften Verkehr auf der Donau und nach dem Innern der europ. Türkei treiben, auch einige Fabriken in Seide, Wolle, Baumwolle, Leder, Tabak u. s. w. unterhalten. R., schon in den Kriegsjahren 1773, 1774 und 1790 dürch mehrere Gefechte bekannt, war ein Hauptpunkt militärischer Operationen in den Feldzügen der Russen gegen die Türken auch in den J. 1809 und 1810. In letzterm Jahre gelangte es nach langer Belagerung und zweimaligem vergeblichen Sturm durch Kapitulation 27. Sept. in die Hände der Russen, welche jedoch, 4. Juli 1811 von Ahmed-Aga geschlagen, 26. Juli 1811 die Stadt räumten und in Brand steckten. Nach dem Frieden baute man sie wieder auf, und 25. Mai 1812 wurden daselbst die Präliminarien des Friedens von Bukarest abgeschlossen. Bei Einrichtung des Vorterrains der Festung zur Verteidigung, einige Monate vor Ausbruch des Russisch-Türkischen Krieges von 1877— 78, kamen ursprünglich von den Russen angelegte, aus den J. 1803 und 1810 herrührende Schanzen auf den die Stadt im Süden umgebenden Höhen, die ursprünglich wider letztere bestimmt waren, in Mitverwendung. Außerdem wurden fünf bis sechs neue Forts errichtet, unter denen die Lewent Tabia (fälschlich auch wohl die Citadelle von R. genannt) das bedeutendste ist. Im Laufe des Sommers 1877 beschossen die Russen die Stadt vielfach mittels zweier bei Giurgewo angelegter Batterien.