Schumla (türk.), Schumna oder Sumen (bulgar.), Stadt im Fürstentum Bulgarien, 90 km westlich von Varna und ebenso weit nördlich vom Paß von Karnabad, der beim Dorfe Dobrol, den Hauptkamm des Balkan übersteigend, nach Adrianopel führt, ist im innern Winkel einer hufeisenförmigen, 250 müber die Ebene sich erhebenden Berggruppe, an einem Zufluß des Kamtschik gelegen, ist Station der Linie Varna-Rustschuk der Bulgarischen Staatsbahnen und Hauptort eines Distrikts und macht mit seinen Kasernen, Magazinen und andern Militärbauten, obwohl selbst keine Festung, den Kernpunkt des auf jene Höhen sich stützenden und durch dieselben in Flanken und Rücken gedeckten, wesentlich nur von der Frontseite aus zugänglichen, befestigten Lagers gleichen Namens aus. Die Lagerbefestigung wird durch zwei Linien selbständiger, ihre Hauptfront gegen Nordosten wendender Werke gebildet, von denen die in erster Linie gelegenen aus der Regierungszeit Sultan Mahmuds II. herrühren und in den dreißiger Jahren des 19. Jahrh. erbaut wurden, die der zweiten Linie aber zum Teil während des Krimkriegs und danach in den J. 1871—76 angelegt wurden. S. hatte vor Ausbruch des Russisch-Türkischen Kriegs von 1877 und 1878 eine Einwohnerzahl von gegen 35000 Seelen, von denen die Muselmanen den obern, südl. Stadtteil, die Bulgaren, Armenier und Juden den untern, nördlichen bewohnen. Nach dem Frieden von San-Stefano sind gegen 8000 Muselmanen ausgewandert, weshalb die Bewohnerzahl (1881) nur noch 23093 war, von denen die Bekenner des Islam nur noch eine unbedeutende Minorität ausmachen. Der Ort kommt schon im 9. Jahrh. unter dem bulgar. Namen Schumen (von schuma, Wald), bei den Byzantinern unter dem Namen Sitz des Krummus (eines Bulgaren-Chans) oder Simeonshügel vor, wurde 811 vom Kaiser Nicephorus verbrannt und 1087 von Kaiser Alexius bekämpft, 1387 von den Türken unter dem Großvezier Ali Pascha durch Kapitulation eingenommen, 1649 erweitert und verstärkt, ebenso durch den 1768 abgesetzten Großvezier Hassan Pascha aus Algier, dessen Grabmal sich hier befindet. In allen folgenden russ.⸗türk. Kriegen war S. das Hauptquartier der Großveziere; 1854 bildete es das Hauptquartier Omer Paschas und den Versammlungsort der türk. Armee. Dreimal wurden die russ. Heere von diesem Bollwerk des türk. Reichs aufgehalten: unter Rumjanzow 1774, unter Kaminskoi 1810 und unter Wittgenstein 1828, wo es Hussein Pascha verteidigte; daher umging es Diebitsch 1829. Die Schlacht, in welcher Diebitsch 11. Juni 1829 den Großvezier Reschid besiegte, wurde 15 km östlich von S., bei dem Dorfe Kulewtscha, geliefert, jenseit der Pässe von Madara und Koparewa. Nach dem Russisch-Türkischen Krieg von 1877 und 1878 wurde S. 23. Juli 1878 von russ. Truppen besetzt und neuerdings dient es der bulgarischen Armee als übungslager und insbesondere als Schießplatz für die gesamte Artillerie.