FeedSabellianismus
ReligionBrockhaus 1882

Sabellianismus heißt in der christl. Kirchen-Bichechur diejenige Vorstellung von der göttlichen reieinigkeit, welche in Vater, Sohn und Geist nicht drei Personen, sondern drei verschiedene Erscheinungsformen des Einen göttlichen Wesens sieht. Der Name stammt von einem röm. Presbyter Sabellius, der zu Ende des 2. und zu Anfang des 3. Jahrh. lebte, und von seinem frühern Freunde, dem röm. Bischof Callistus, exkommuniziert wurde. Derselbe hatte in Gemäßheit der damals in Rom herrschenden, sog. patripassianischen Lehre nur behauptet, daß der eine und selbe Gott, der in seiner Unsichtbarkeit Vater heiße, als Sohn sichtbar geworden sei, eine menschliche Natur angenommen und am Kreuze gelitten habe. Das spezielle, unter dem Namen des sabellianischen bekannte System, welches um die Mitte des 3. Jahrh. sich in der Pentapolis in Nordafrika verbreitete, ist jedoch weit künstlicher ausgebildet. Dieses unterscheidet von dem einfach Einen göttlichen Wesen der Monas) drei Erscheinungs-oder Offenbarungsormen in der Welt⸗ und Menschengeschichte, die aus dem verborgenen göttlichen Sein, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen, hervorgetreten seien, nach deren Beendigung sie wieder in die göttliche Einheit zurückflössen: den Vater oder Gott als Schöpfer, den Sohn oder Gott als menschgewordenen Erlöser und den Heiligen Geist als Quell des heiligen Lebens unter den Menschen. Im 4. Jahrh. vertrat Marcellus von Ancyra, in der Reformationszeit der Spanier Servede ähnliche Ansichten; in der neuern, durch Schleiermacher angeregten Theologie sind dieselben noch weiter verbreitet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 51Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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