FeedSahära
NaturlehreBrockhaus 1882

Sahära, die größte Wüste der Erde, nimmt fast die Hälfte von Nordafrika ein, wo sie im N. durch die Hochländer der Berberei, im S. durch den Sudan, im W. durch das Atlantische Meer, und im O. durch das Nilthal begrenzt wird. Bei einer Länge von fast 5200 km und einer durchschnittlichen Breite von 1500 km hat sie ein Areal von 6662600 dkm. Dieses ungeheuere Gebiet ist indes keineswegs, wie man ehedem annahm, eine einförmige Sandwüste, sondern besitzt mannigfache Bodenformen und umschließt außer vollkommen unbewohnbaren weiten Strecken zahlreiche bewohnte. Man unterscheidet in der Wüste drei verschiedene Bodenformen: Sanddünen, welche der Araber im Süden von Algerien El-Erg nennt, die Berbern in Marokko Elburdea, und die eigentümliches Tiefland sind; Hammada, fester Salzthon, häufig mit Kies oder Gesteinsbrocken bedeckt, oder Fels, bis in 400 m über dem Meere, wohl die eigentliche S., da dieses Wort efester Bodend bedeutet; und endlich Gebirge, größtenteils aus zerstörbarem Sandstein bestehend, häufig auch aus Granit, der die Grundlage der ganzen Wüste bilden mag, nach Osten hin auch aus Porphyr. Dazwischen gestreut finden sich Oasen (s. d.). Nach ihrer natürlichen Beschaffenheit pflegt man die S. in drei verschiedene Abschnitte zu teilen: 1) Zwischen dem Nil und dem 32. Meridian lie die Libysche Wüste oder das Land Tu, d. h. Stein, das Gebiet der Teda oder Tebu (Tibbu) ein im Innern erst seit 1870 durch Schweinfurth und Rohlfs einigermaßen bekanntes Sandgebiet. Du Norden zieht sich, am Südrande des Libyschen üstenplateau, von Westen nach Osten ein 750 kKm langes und 28—140 km breites, bis 90 m unter dem Meeresspiegel gelegenes Gebiet, von der 52 m tiefen Oase Audschila (s. d.) und der von Dschalo (Lebba) über die 29 m tiefe Oase Siwah (s. d.) bis in den Westen des Kalksteinplateau von Gizeh, westlich von Kairo. Eine andere, von Norden nach Süden verlaufende Senke. 120—180 km westlich vom Nil, in welcher die 100 m tiefe Kleine Oa se oder Bacharieh, die 85 metiefe Oase Farafrah, die 110 mtiefe Große Oase oder Dachel und, dem Nil am nächsten, die 75 metiefe Oase Chargeh liegen. Im 39. Meridian liegt, südlich von Audschila (in 27“ nördl. Br.), die große Oase Kufarah (Kufra), südlicher die kleine Oase Wadyanga und in 18 nördl. Br. das Gebirge Wanjanga (Wadschanga); es steht im Zusammenhange mit den Gebirgen in Dar-For. Nach Nordwesten hin setzt es als eine schwarze, hohe und steile, wasser⸗ und menschenlose Gebirgskette fort, die in 20 nördl. Br. und 30 östl. L. in Tibesti im Tarsogebirge in dem mit einem Krater versehenen Berge Kussi gipfelt. 2) Der mittlere und ausgedehnteste Teil der Wüste, die Tuaregwüste, reicht vom 32. bis zum 17. Meridian. In der Mitte erhebt sich unter dem Wendekreise, im 22. Meridian, das Plateau der Ahaggar oder Hogär, an welches 90 im Norden das Plateau Muydir und das Plateau von Tasili und im Süden das südl. Tasiliplateau anlegen, sodaß das Ganze zwischen Ain Salah und Rhat (Ghat) ein Gebirgsland von der Größe des Deutschen Kaiserreichs (540000 qkm) bildet. Die Mitte ist der höchste, bis 1950 m hohe Teil, wo die isolierten, steilen Kegel des IJlamän und Tasat zwei bis drei Monate mit Schnee bedeckt bleiben; ein acht Tagereisen messendes, sehr zerrissenes Sandsteinplateau, vermutlich mit vulkanischen Durchbrüchen. Es soll reich an schönen Thälern und Schluchten, voller Quellen und Vegetation sein, sodaß es Wein, Feigen, Senna, Eben-Desde arab. Gummi und gutes Getreide in Fülle iefert. Unter den zahlreichen Wädis oder Wasserrissen des Gebirgslandes bilden drei die Hauptabzüge; sie müssen ehemals bedeutende Flüsse gewesen sein: der Wädi Igharghar oder Saudi, welcher nach Norden zum Schott (Salzsee) Melghigh führt; der Wädi Tafasasset nach Süden, welcher ne Et met Taderret und Sokoto und damit zum eiger führt, und der Wädi Tighehert, welcher nach Westen zum Dra'a leitet. Um das Gebirgsland legen sich im Norden weite Sandgebiete, worunter die Sanddünen El-Erg, im Osten von Wargla und Tuggurt, welche bis gegen den Westen der Kleinen Syrte reichen. Hier liegt eine Reihe von Schotts oder Salzseen (Schott-el-Kebir lel-Dscherid], Schottel-Gharsa, Schott Melghigh und viele kleine), deren Rand den Namen Biläd-el-Dscherid, d. i. Dattelland, korrumpiert zu Biledulgerid, führt, und die bis 27 tm unter dem Meeresspiegel liegen. Eine in neuerer Zeit besprochene Durchstechung der Höhe im Westen der Kleinen Syrte bei Gabes würde ein Gebiet von 16500 qkm, aber nicht die Wüste S. v unter Wasser setzen. Südlich vom Ahaggarplateau liegt in 17 bis 19 nördl. Br. mitten in der Wüste, westlich von der in 305 m Höhe gelegenen salzreichen Oase Bilma, ein anderes, gegen 1600 m hohes Gebirgsland von wunderbar grotesken Granit-Basalt-Felsmassen, Air (s. d.). 3) Der westlichste Teil der S., vom 17. Meridian bis zum Atlantiland Meere, ist das Gebiet der maurischen Stämme: andiges Tiefland, in welches sich vom südl. Ahaggarplateau eine mächtige Hammada hineinzieht, die wasserlose, steinige Tanesruft, eine furchtbare und berüchtigte Salzthonfläche. Zwischen ihr und der Küstenhammada liegt die an Palmen reiche Region hoher Sandhügel Igidi; und südlich von der Tanesruft die Afelele oder Kleine Wüste, reich an Brunnen und hübschen Thälern, die sich trefflich zur Kamelzucht eignen. Von dieser nach Westen breitet sich der ganz vegetationslose Landstrich El-Dschuf oder der Leib der Wüste aus, eine große Einsenkung voller Steinsalz, an die sich westlich im Lande Adrar die Region Magther anschließt, welche aus 140 m hohen Sanddünen besteht, von der nördlich und westlich der Sandboden der Wüste sich bis weit ins Meer hindehnt. Die Zahl der Wüstenbewohner ist unbekannt; sie wird von Behm und Wagner (1880 und 1882) auf 2870000 berechnet, ohne die zu Marokko, Algerien, Tunis, Tripoli und Agypten gehörenden Teile, aber mit dem südlich am Niger gelegenen Songhaygebiet (2 Mill. C.). Von diesen kommen 400000 auf die nördlich von Wadai und Dar-For gelegenen Länder Bodele, Bahr-el-Ghasal und Kanem, 70 000 auf Tuat (das Land im Südosten von Marokko, von Mauren bewohnt), 20000 auf das Plateau der Ahaggar,‚, 120 000 auf die südl. Tuaregs, 60000 auf Air, 185000 auf die Mauren im Norden von Senegambien (Trarza, Brakna, Duaisch), 12000 auf die Tibestithäler und 3000 auf Kauar. Der Handelsverkehr durch die S. mittels Karawanen ist ein ziemlich lebhafter; man bringt aus dem Süden Sklaven, Gummi, Elfenbein, Straußenfedern, Goldstaub, ferner Rinder, Häute, Getreide, Baumwolle, Indigo, Erdnüsse, Palmöl und Schihbutter nach den nördl. Küstenländern, dagegen liefert der Norden namentlich Natron und Datteln Cessan), sowie Halfa und Getreide (Tripoli), die Oase Bilma Salz. Die hauptsächlichsten Karawanenstraßen führen von Timbuktu nach dem Wadi Dra'a und nach Tuät, von Sokoto über Air und Ghat nach Ghadames und Mursuk, von Kuka in Bornu über Bilma und Mursuk nach Tripoli, von Wadai über Wanjanga, Kufarah (Kufra) und Audschila nach Bengasi, von Dar-For nach Siut. Den an Erzeugnissen reichen westl. Sudan einerseits mit Algerien, andererseits mit Senegambien in lebhaftere Verbindung zu bringen, ist seit 1876 auf franz. Seite der Bau einer Eisenbahn von Algier über El-Golea und Tuät nach Timbuktu, sowie deren westl. Verlängerung nach St.⸗Louis ins Auge gefaßt worden; im Süden Algeriens wurden sogar Vorarbeiten zur Ausführung dieses Planes in Angriff genommen; jedoch sind auf der Strecke Tuät-Timbuktu die Hitze, der Wassermangel und die Feindseligkeit der Tuareg schwer zu überwindende Hindernisse. Dagegen hat Rohlfs eine Linie Tripoli-Kuka in Vorschlag gebracht und für seine Idee die wesentlich kürzere Entfernung, den weit weniger fühlbaren Wassermangel und schließlich die größere Sicherheit der hier in Betracht kommenden Landstriche geltend gemacht, da die nördl. Hälfte des Wegs durch türk. Gebiet (Tripoli und Fessan, führt. Kulturpflanzen der Oasen sind die Dattelpalme, die Feige, Korn, Gerste, Sorghum, Hirse, die Weinrebe Henna (Lawsonia inermis); die Blätter der wildwachsenden Senna (Cassia obovata) bildeten früher einen wichtigen Ausfuhrartikel. Eine der bekanntesten, verbreitetsten und als Nahrungsmittel nützlichsten Pflanzen der S. ist das Gras Drin (Arthratherum pungens). Haustiere sind das Kamel, Pferd, Zebu, der Esel, das Schaf, die Ziege und der Hund; von wilden Tieren sind besonders zu nennen Hyänen, Schakale, Giparde (Eelis jubata), Antilopen, Strauße, Eidechsen, Schlangen, Skorpione. Aus einem See in Fessan, Bahar-el-Dud, werden die Larven einer Fliege (Fessanwurm, Arthemia Oudneii) massenhaft gefischt und verspeist. Das Klima charakterisiert sich im allgemeinen als sehr trocken und heiß. Der Regenmangel hat dieses Gebiet zur Wüste gemacht. Die Hitze steigt im Sommer nachmittags meist über 50 C., wogegen des Nachts durch Ausstrahlung oft empfindliche Abkühlung erfolgt und im Winter zu Mursuk Fröste vorkommen. Vgl. Soleillet, 4Exploration du 8S. centralo (Algier 1874); Largeau, Le S.v (Neuchätel 1876); Klunzinger, Bilder aus Oberägypten, der Wüste und dem Roten Meerer (Stuttg. 1877); Chavanne, „Die S.» (Wien 1878 fg.); Nachtigal, „S. und Sudano (2 Bde., Berl. 1879—81).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 106Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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