FeedSaint-Malo
ErdkundeBrockhaus 1882

Saint-Malo, befestigte Seestadt, Kriegsplatz zweiter Klasse und Hauptort eines Arrondissements im franz. Depart. Ille-et-Vilaine, an der Nordküste der Bretagne auf dem Felsen Aron gelegen, Station der Linie Rennes-S. der Westbahn, hängt mit dem Festlande durch den 45 mbreiten, 200 mlangen Chausseedamm Sillon (Furche) zusammen, an dessen Ende das von vier Türmen flankierte Schloß aus dem 14. und 15. Jahrh. (jetzt Kaserne) steht, und welcher mit der Stadt und der Küste einen weiten, bequemen und sichern Hafen bildet. Ein anderes Hafenbassin wurde seit 1860 an der Westseite der Stadt Aabant; Die Stadt selbst ist amphitheatralisch gebaut, hat bastionierte Ringmauern aus dem 16. Jahrh. und auf der Nordwestseite eine PInseln Außerdem ist auch die Reede durch fünf auf Inseln erbaute Forts verteidigt, in deren einem (le Grand-Bey) sich das Grab Chateaubriands befindet. Bemerkenswerte Gebäude sind nur die alte Kathedrale und das Stadthaus. Die Stadt zählt (1881) 9432 (als Gemeinde 1121²2) C. und ist der Sitz eines Gerichtshofs erster Instanz, eines Handelsgerichts, einer Handels- und einer Ackerbaukammer, her eine hydrogr. Schule, eine öffentliche Bibliothek, eine Gemäldegalerie, ein Naturalienkabinett, eine schöne Promenade mit herrlicher Aussicht und berühmte Seebäder. Die Bevölkerung rdie Narineund E Seile, geteertes Leder u. s. w. für die Marine und Schifferei-Ealanen Auch unterhält man Olfabriken, alzraffinerien, Schiffswerfte, Dampfschneidemühlen, Brauereien, Schmelzöfen für Eisen und Kupfer. Bedeutend sind ferner die Schiffsausrüstungen für Indien, für den undel. Gbe bei Neufundland und für den Küstenhandel. Es besteht aun ein großes Entrepöt für noch nicht verzollte aren. Der Handel ist nicht mehr so lebhaft wie ehemals, aber immer noch bedeutend in Wein, Branntwein, Heinschr Hanf, Teer, Mastbäumen und bretagner Leinwand. Gegen Anfang des 11. Jahrh. zogen sich die meisten Bewohner von Aletum (auch Aleta, Aletis), dem jetzigen St.⸗ Servan, wegen fortwährender Angriffe der Seeräuber auf den Aronfelsen zurück und gründeten daselbst ein Städtchen, dem sie den Namen ihres Bischofs, des heil. Maclovius, gaben (Maclovia, Maclovium); 1149 wurde das Bistum von Aletum hat. 2 verlegt, das bis Oe Revolution bestanden hat. Die Bewohner der Stadt (Malouins) zeichneten sich schon im Mittelalter als tüchtige Seeleute aus, und seit dem Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrh. beteiligten sie sich an den Entdeckungs- und Handelsfahrten. Sie bemächtigten sich 1495 des Stockfischfangs bei Neufundland, entdeckten unter Jacques Cartier 1534 Canada, umsegelten 1693 Kap Hoorn, um Handelsverbindungen mit Peru anzuknüpfen, und besiedelten später zuerst die Falklandsinseln (Malouines). Von den Engländern wurde die Stadt 1378 belagert, 1693 bombardiert (1695 von den Holländern) und 1758 erfolglos angegriffen. S. ist der Geburtsort Chäteaubriands, dem hier 5. Sept. 1875 eine von Millet gefertigte Bronzestatue errichtet wurde, der Seehelden Duguay-Trouin (Marmorstatue von Molchnet, 1829) und Labourdonnaye, des Mathematikers Maupertuis, des Philosophen Lamettrie, des Mediziners Broussais und des Schriftstellers Lamennais. Die wie eine Vorstadt nahe südlich rechts von der Mündung der Rance und an der Eisenbahn gelegene und mit S. durch Kanal verbundene Hafenstadt Saint-Servan hat einen Handels⸗ und einen Kriegshafen, ein Kommunal-Collége, Seebäder und zählt 12867 E., die ebenfalls für die Marine fabrizieren und Schiffe für den Walfisch⸗ und Stockfischfang ausrüsten. aint-Marceaux (Charles René de), franz. Bildhauer, geb. 23. Sept. 1845 zu Reims, war Schüler der Ecole des Beaux-arts und Jouffroys, und erregte zuerst 1869 Aufsehen mit einer Marmorfigur: Dantes Jugend (im Luxembourg). Es folgten: der florentiner Schmied (1875), der Genius, das Geheimnis des Grabes bewahrend (1879), die Italienerin (1879), der Harlekin (1880) u. s. w.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 119Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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