FeedSäkularspiele
AllerleiBrockhaus 1882

Säkularspiele sind Festspiele des alten Rom, die je nach Ablauf eines Säkulum (s. d.) für die Wohlfahrt des röm. Staats und Reichs gehalten wurden. Dieselben fanden nach sicherer Tradition zum ersten mal im J. 249 v. Chr. statt. Infolge des Schreckens, den das Einschlagen des Blitzes in die servianische Mauer verursachte, und unter dem Drucke der Not des ersten Punischen Kriegs erklärte das mit der Hut der Sibyllinischen Bücher betraute Priesterkollegium, es müßte ein Sühn⸗ und Bittopfer, bestehend in dunkelfarbigen Opfertieren und verbunden mit nächtlichen Spielen auf einem Platze des Marsfeldes, der Tarentum oder Terentum hieß, den unterirdischen Göttern gebracht und diese Feier jedes Säkulum wiederholt werden. Ein Säkulum aber war nach der von den Römern angenommenen Rechnung ein Zeitraum, der bald auf 100, bald auf 110 Jahre festgesetzt wurde. Von jenem Tarentum hießen diese Spiele Ludi Tarentini (oder Terentini), nach dem Säkulum Ludi saeculares. Unter der Republik wurden die Spiele übrigens nur noch einmal gefeiert, wahrscheinlich 146 v. Chr. Erst Augustus war es, der durch Anordnung einer neuen Feier den S. erhöhte Bedeutung gab. Wahrscheinlich nahm Augustus als erstes Jahr der Feier das Pestjahr 291 der Stadt Rom (463 v. Chr.) an, in welchem zum ersten mal die Ceremonie stattfand, daß, wie alle Jahrhunderte von 110 Jahren geschehen sollte, feierlich ein Nagel in den capitolinischen Jupitertempel eingeschlagen wurde. Das vierte Säkulum wäre danach in das J. 23 v. Chr. gefallen, aber wahrscheinlich infolge des Todes von Marcellus feierte Augustus die S. erst 17 v. Chr. Die S. wurden jetzt nicht bloß den unterirdischen Göttern, sondern auch dem capitolinischen Jupiter, der Juno, Minerva und dem von August besonders geehrten palatinischen Apollo mit dem größten Pomp als hohes Staatsfest gefeiert, nachdem sie vorher in ganz Italien angekündigt worden. Horaz dichtete dazu sein «Carmen saecularen. Domitian wiederholte die Feier nach dem der Augusteischen ursprünglich zu Grunde liegenden Ansatz im J. 841 der Stadt Rom (88 n. Chr.), Septimius Severus 220 Jahre nach der wirklichen Feier im J. 957 der Stadt Rom (204 n. Chr.). Dagegen feierte Claudius das Säkularjahr 800 (nach Erbauung Roms) nach varronischer Rechnung im J. 47 n. Chr., wenn man nicht richtiger vermutet hat, daß er das J. 250 der Stadt Rom als das erste Jahr der Säkularfeier angesehen — Sicher aber feierte Antoninus Pius das Jahr 900 im J. 147 n. Chr. und Philippus den Antritt des 1001. Jahrs 248 n. Chr. Vgl. Roth, Die römischen S.v im »Rheinischen Museum » (Bd. 8, 1853); A. Mommsen, ebendaselbst (Bd. 12, 1857); Th. Mommsen, »Röm. Chronologies (2. Aufl.); Hecker, «De Apollinis apud Romanos cultu (ELpz. 1879); Hirschfeld in den «Wiener Studien v h 3, 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 133Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Allerlei 6