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ErdkundeBrockhaus 1882

Salisbury, ein engl. Adelstitel, der ursprünglich von den Besitzern der Stadt und des Schlosses dieses Namens geführt wurde. Patricius von Evreux, Statthalter von Aquitanien, ein Anhänger der Kaiserin Mathilde (s. Plantagenet) in ihren Kämpfen gegen König Stephan, erhielt von dieser das Schloß S. mit der Grafenwürde, in der ihn Heinrich II. bestätigte. Seine Enkelin, Ela, heiratete William, genannt Longespée, natürlichen Sohn Heinrichs II. von der schönen Rosamunde, der mit den Besitzungen seiner Frau auch den Titel eines Grafen von S. überkam. Er war einer der gewaltigsten Krieger seiner Zeit und starb, angeblich an Gift, auf seinem Schlosse S. 1226. Sein Sohn, William Longespée der Jüngere, fiel 1250 im Kampfe gegen die Sarazenen vor Damiette. Dessen Enkelin, Margaret, vermählt mit dem Grafen Lincoln, führte als einzige Erbin ihres Vaters den Titel einer Gräfin von S., den sie auf ihre Tochter Alice, Gattin Thomas Plantagenets, Grafen von Lancaster, übertrug. Als dieser w1321 wegen Hochverrats hingerichtet worden, belehnte Eduard Il. William de Montacute, dessen Vorfahren mit Wilhelm dem Eroberer nach England gekommen waren, mit dem Schlosse S., und Eduard III. erhob ihn 1337 zum Grafen von S. Seine Gemahlin war es, die der Sage nach zur Entstehung des Hosenbandordens (s.d.) Veranlassung gab. Er starb 1343. Sein Sohn, William de Montacute, zweiter Graf von S., war ein berühmter Feldherr und starb 1397. Ihm folgte sein Nesfe John als dritter Graf von S. Ein Günstling Richards II., ließ er sich nach der Absetzung dieses unglücklichen Fürsten in eine Verschwörung gegen Heinrich von Lancaster ein und wurde 1400 umgebracht. Seine Besitzungen wurden konfisziert, bald jedoch nebst dem Grafentitel seinem Sohne Thomas zurückgegeben, der 1428 bei der Belagerung von Orléans fiel. Der Gatte seiner einzigen Tochter Alice, Richard Neville (s. d.) nahm den Titel eines Grafen von S. an, der auf seinen Sohn, den berühmten Grafen Warwick (s. d.), überging. Die jüngere Tochter desselben, Isabel Neville, heiratete Georg, Herzog von Clarence, Bruder Eduards IV., der 1472 auch zum Grafen von Warwick und S. ernannt wurde. Seine Tochter Margaret, die letzte aus dem Hause Plantagenet und Gattin Sir Richard Poles, empfing 1513 von Heinrich VIII. den Titel einer Gräfin von S., verfiel aber dem tyrannischen Argwohn dieses Monarchen und wurde 1541 im Alter von 70 J. enthauptet. Die neuere Linie der Grafen von S. geht zurück auf den großen Minister der Königin Elisabeth, William Cecil (s. d.), den Sohn Richard Cecils, eines Hofbeamten Heinrichs VIII. William Cecil wurde von der Königin zum Baron Burleigh erhoben und starb, nachdem er 40 Jahre lang das höchste Staatsamt verwaltet, 1592. Baron Burleigh war zweimal verheiratet. Sein Sohn Thomas, aus erster Ehe, der ihm als zweiter Baron Burleigh folgte, wurde von Jakob I. 1605 zum Grafen von Exeter ernannt und so der Gründer dieses adeligen Hauses; sein Sohn aus zweiter Che, Robert Cecil, erlangte, nachdem er 1603 zum Baron Cecil, 1604 zum Viscount Cranborne ernannt worden, 1605 die Würde eines Grafen von S. Schon Elisabeth hatte ihn zum Staatssekretär ernannt; unter Jakob I. erhielt er, nach des Grafen Dorset Tode, das Großschatzmeisteramt. Er stard 24. Mai 1612. James Cecil, vierter Graf von S., wurde unter Jakob II. dem König zu Gefallen katholisch und zog sich hierdurch nach der Revolution von 1688 eine lange Gefangenschaft im Tower zu; die übrigen Mitglieder der Familie blieben jedoch Protestanten. James Cecil, der siebente Graf, geb. 14. Sept. 1748, ward 1789 zum Marquis von S. erhoben und starb 13. Juni 1823. Dessen Sohn, James Brownlow William, zweiter Marquis von S., geb. 17. April 1791, nahm infolge seiner Heirat mit der reichen Miß Gascoigne den Namen Gascoigne-Cecil an, und war Lordlieutenant von Middlesex, Mitglied des Geheimen Rats und Ritter des Hosenbandordens. Als konsequenter Tory und Protektionist bekleidete er während des Ministeriums Derby vom Febr. bis Dez. 1852 das Amt des Großsiegelbewahrers und 1859 das Präsidium des Staatsrats. Er starb 12. April 1868. Unter seinen zahlreichen Kindern (acht aus erster und vier aus zweiter Ehe) zeichnete sich vor allem der folgende aus. Salisbury (Lord Robert Arthur Talbot Gascoigne-Cecil), engl. Staatsmann, geb. 3. Febr. 1830, wurde durch den Tod seines ältesten Bruders, James Emilius William Cecil, 14. Juni 1865 Erbe der Peerswürde, nahm als solcher den Titel eines Viscount Cranborne an und folgte 1868 seinem Vater als dritter Marquis von S. Er empfing seine wissenschaftliche Ausbildung in Cton und in Orford, kam 1857 als Mitglied für Stamford ins Unterhaus und stieg während der letzten Amtsverwaltung Lord Palmerstons durch Geist, Witz, Kenntnisse und eine glänzende Schlagfertigkeit in der Debatte zu bedeutendem Ansehen. Gemäß den Traditionen seiner Familie, aber auch aus ehrlicher ÜUberzeugung, vertrat er in allen Dingen die Forderungen einer hochtoryistischen Politik. Während des amerik. Bürgerkriegs sah man ihn in den ersten Reihen der Bewunderer der Südstaaten, als unermüdlichen Vorkämpfer der wiederholten al Regte deren offizielle Anerkennung seitens der engl. Regierung 10 erwirken. Bei den Debatten über die Russell-Gladstonesche Reformbill von 1866 verfocht er mit Talent und Energie die von den Ultratories befürwortete Ansicht, daß nicht nur jene Reformbill schlecht, sondern daß überhaupt keine Parlamentsreform nötig sei. Nach dem Sturze des Russellschen Ministeriums (Juli 1866) wurde ihm von Lord Derby das Ministerium für Indien übertragen. Die unerwartete Einbringung der radikalen Derby-Disraelischen Reformbill in der Session von 1867 veranlaßte ihn jedoch, sich von seinen schmiegsamern Kollegen zu trennen und ein Amt niederzulegen. Im J. 1868 trat S. ins berhaus ein, wo er die Maßregeln der Gladstoneschen Regierung heftig bekämpfte. Nach dem Sturze des Ministeriums Gladstone im Febr. 1874 trat er als Minister für —— in das neue Ministerium Disraeli. Im Dez. 1876 nahm er, nachdem er eine Rundreise an die Höfe von Paris, Wien, Berlin und Rom zur Sondierung der polit. Stimmung derselben gemacht schen⸗ als engl. Bevollmächtigter an der Europäichen Konferenz in Konstantinopel teil. Im April 1878 wurde er Lord Derbys Nachfolger im Auswärtigen Amt, trat als solcher mit einer Cirkularnote energisch gegen die von Rußland im Präliminarfrieden von San-Stefano erhobenen Ansprüche auf, schloß dann einen geheimen Vertrag mit Graf Schuwalow, dem russ. Gesandten in London, und begleitete hierauf Lord Beaconsfield als Salen engl. Bevollmächtigter zu dem Kongreß von erlin, wo er bemüht war, für die Türkei so viel à retten als möglich. Zur Anerkennung seiner erdienste wurde ihm bei seiner Rückkehr der Hosenbandorden verliehen. Als April 18809 das Minidie zun Beaconsfield gestürzt wurde, nahm S. gegen ie innere wie gegen die äußere Politik des neugebildeten Ministeriums Gladstone sofort eine feindselige Haltung an, eine Tendenz, die noch stärker hervortrat, seit er, nach Lord Beaconsfields Tode, die Führerschaft der konservativen Partei erlangte (Mai 1881). Ein kombinierter Angriff der Konservativen des Unterhauses und der Parnelliten 37 8. Juni 1885 die Niederlage und Abdankung des Ministeriums Gladstone und die Bildung eines neuen Ministeriums herbei, in dem S. die beiden Posten des Premierministers und des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten übernahm. Es gelang ihm zunächst, mit Rußland über die centralasiat. Angelegenheiten zu einer Verständigung zu kommen. In den Fragen der europ. Politik war er bemüht, im Einverständnis mit Deutschland vorzugehen, wie er überhaupt im Gegensatz zu Gladstone und Granville, seinem Vorgänger im Auswärtigen Amt, eine Deutschland freundlichere Haltung annahm. Doch fielen die Neuwahlen für das Unterhaus im Herbst 1885 zu Ungunsten der Konservativen aus, und im Jan. 1886 wurde das Kabinett S. durch eine Koalition der Liberalen und Parnelliten gestürzt, worauf Gladstone wieder die Regierun

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 143Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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