FeedHeinrich II.
GeschichteBrockhaus 1882

Heinrich II., König von England, 1154—89, geb. zu Le Mans im März 1133, der erste engl. König aus dem Hause Plantagenet, ein Sohn des Grafen Gottfried Plantagenet und Mathildes, der Tochter Heinrichs J. von England. Gottfried war 1151 gestorben, ohne seinen Anspruch auf die engl. Krone gegen den König Stephan (von Blois) durchsetzen zu können. H. aber vermählte sich 1152 mit der Erbin von Poitou, Guyenne und Gascogne, Eleonore, welche sich eben von Ludwig VII. von Frankreich hatte scheiden lassen; er ward stark genug, „Rase ernste Verlegenheit zu bereiten, wel— cher deshalb im Frieden zu Wallingford, um dem Thronstreite ein Ende zu machen, H. zu seinem Erben annahm. Ein Jahr später, im Okt. 1154, wurde H. durch Stephans Tod König und 19. Dez. gekrönt. Unterstützt von dem Erzbischof Theobald von Canterbury suchte er zunächst die arg gestörte Ordnung herzustellen und die königl. Macht zu Lalds Rach Er geriet aber dadurch mit Theoalds Nachfolger, Thomas Becket (s. d.), in Streit, obwohl dieser früher sein Kanzler gewesen war. Thomas erstrebte im Gegensatze zu den übrigen Bischöfen des Landes, welche mit ihrer hergebrach— ten Stellung ganz zufrieden waren und diese 1164 durch die Konstitutionen von Clarendon sanktionierten, die völlige Unabhängigkeit der Kirche vom Könige. Schwer gekränkt, ließ der König sich unbedachtsam den Wunsch entschlüpfen, von dem widerspenstigen Geistlichen befreit zu sein, und gab so die Veranlassung, daß 1170 einige Ritter den Erzbischof am Altar seiner Kirche ermordeten. Die durch die blutige That hervorgerufene Aufregung wurde durch Wunder gesteigert, welche am Grabe des Erschlagenen angeblich geschahen, und durch das den Gottesdienst einstellende Interdikt; Intriguen der Königin Eleonore, welche durch Hes Verkehr mit seiner geliebten Rosamunde Clifford gereizt war, steigerten die Verwirrung. Eleonore wurde zwar 1173 gefangen gesetzt, aber gegenüber der Aufregung des Volks, welches den schon 1172 heilig gesproche— nen Thomas verehrte, mußte H. nachgeben: er that Kirchenbuße, ließ die Konstitutionen von Clarendon fallen und gestattete dem Papste, einen ständigen Legaten in England zu halten. Auch nach außen hin war H. keineswegs so erfolgreich, als man bei der großen Menge seiner Besitzungen voraussetzen sollte. Zwar setzte er sich seit 1171, auf eine ältere Verleihung der Päpste gestützt, in einem Teile von Irland fest und zwang auch den Schotten durch die Schlacht bei Alnwick 13. Aug. 1174 wieder seine Oberhoheit auf. Aber seine festländischen Besitzungen (Rormandie, Maine, Anjou, Bretagne, Poitou, Guyenne, Gascogne), für welche er franz. Vasall war, verwickelten ihn in unaufhörliche Strei— tigkeiten mit den franz. Königen, welche zeitweise von H.s eigenen Söhnen gegen den Vater unterstützt wurden. Von diesen starb der älteste, Heinrich, welcher 1170 zum Nachfolger gekrönt war, schon 1183; ein zweiter, Gottfried von der Bre— tagne, 1186, sodaß nur Richard (Löwenherz) und Johann (ohne Land) übrigblieben, von denen besonders jener dem Vater zu schaffen machte, aber 54 Heinrich III. (König von England) auch Johann, sonst H.s Liebling, sich verräterise erwies. H. selbst, welcher den dritten Kreuzzu mitmachen wollte, starb vor Antritt desselben in Schloß Chinon 6. Juli 1189. Ihm folgte Richard Vgl. Lappenberg, «Geschichte Englands» (Bd. 2) Stubbs, «Epochs of modern history. The earh Plantagenetso (Lond. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 53Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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