FeedGrey
GeschichteBrockhaus 1882

Grey, berühmtes Adelsgeschlecht, welches auf kurze Zeit den engl. de einnahm, soll von Rollo, einem Kammerherrn Roberts, Herzogs von der Normandie, abstammen, der das Schloß Croy in der Picardie zum Lehn erhielt und sich daher Seigneur de Croy nannte. Einer seiner Nachkommen begleitete Wilhelm den Eroberer nach England, wo der Name sich im Lauf der Zeit in Grey (lauch bisweilen Gray geschrieben) verwandelte. Henry de G. erhielt von Richard I. die Ländereien von Turroc in Essex. Dessen Enkel, Reginald, ward als Lord G. de Ruthyn 1322 ins Oberhaus berufen und hinterließ zwei Söhne, John und Edward. Letzterer heiratete die Erbin des Lord Ferrers de Groby, welchen Titel er annahm. John G., Lord Ferrers de Groby, fiel 1460 in der Schlacht von St.⸗Albans, worauf seine Witwe, Elisabeth Woodville, Tochter des Grafen Rivers und Jacquelines von Luxemburg, verwitweten Herzogin von edford, sich in zweiter Ehe mit König Eduard IV. vermählte, dem sie Eduard V. und die Prinzessin Elisabeth, Gemahlin Heinrichs VII., gebar. Von ihrem —*⁷ Gatten hatte sie zwei Söhne, deren ältester, Thomas G., 1471 zum Grafen von Huntingdon und 1475 zum Marquis von Dorset erhoben wurde. Er wirkte für die Thronbesteigung Heinrichs VII. und Datt 10. April 1501. Sein Enkel, Henry G., ritter Marquis von Dorset, heiratete Frances Brandon, Tochter des Herzogs von Suffolk und Maria Tudors, der Witwe Ludwigs XII. von Frankreich und Tochter Heinrichs VII., und wurde 1551 nach dem Tode seines Schwiegervaters zum Herzog von Suffolk ernannt. Seine Tochter, Lady 2390 Grey (s. d.), bestieg auf einige Tage den engl. hron, wurde aber zum Tode verurteilt und 12. Febr. 1554 enthauptet. Ihr Gatte und ihr Vater hatten dasselbe Schicksal. Der Bruder des Herzogs von Suffolk, Lord John G., pflanzte das Geschlecht fort. Sein Enkel, Henry Lord G. of Groby, ward 1628 zum Grasen von Stamford erhoben. Er befehligte auf seiten des Parlaments gegen Karl I. 1644 und starb 1673. Sein ältester Sonn, Thomas Lord G., der vor ihm starb, gehörte ebenfalls zur Volkspartei und war einer der Richter Karls I. Von dessen Bruder John stammt George Harry G., Graf von Stamford und Warrington, geb. 7. Jan. 1827. — Der ältere Sohn Reginalds, Lord G.s de Ruthyn, John G., war Ahnherr der Lords G. de Wilton, die mit Thomas, der in die Verschwörung Raleighs verwickelt ward und 1614 sein Leben im Tower endete, ausstarben, und der Grafen von Kent (1465). Henry G., Graf von Kent, ward 1706 zum Marquis und 1710 zum Herzog von Kent erhoben, starb aber 1740 ohne männliche Erben. Seine Urenkelin, Amabel, Tochter des Grafen von Hardwicke und Witwe Lord Polwarths, ward 1816 ur Gräfin de G. erhoben, welcher Titel nach ihrem Tode 4. Mai 1833 an ihren Neffen Thomas Philip Robinson, Lord Grantham, überging, der den Familiennamen De Grey annahm. Dessen Großvater, Sir Thomas Robinson, war ein Nachkomme William Robinsons, Kaufmanns und Lord-Mayors von Vork 1581, bekleidete nacheinander die Amter eines Staatssekretärs und Generalpostmeisters, ward 1761 Lord Grantham und starb 1770. Thomas Philip, Graf de G., geb. 8. Dez. 1781, war 1834—35 erster Lord der Admiralität, 1841—44 Vizekönig von Irland und starb 14. Nov. 1859 zu London. Er war Präsident des Instituts der brit. Architekten, Mitglied der Royal Society, der Society of Antiquaries und anderer gelehrter Vereine. Von seinen schriftstellerischen Arbeiten ist eine 1853 erschienene Lebensskizze seines vieljährigen Freundes, des Herzogs von Wellington, bekannt. Als Graf de G. folgte ihm sein Neffe, George Frederick Samuel Robinson, Marquis von Ripon, geb. 24. Okt. 1827, früher als Lord Goderich Parlamentsmitglied für Vorkshire, der 1859 zum Unterstaatssekretär und 1863 zum Staatssekretär für das Kriegsdepartement im Ministerium Palmerston ernannt wurde. Diesen Posten bekleidete er bis zum Febr. 1866, wo er zum Minister für Indien ernannt wurde, ein Amt, das er aber schon im Juli desselben Jahres durch den Sturz des Ministeriums Russell-Gladstone verlor. Bei der Bildung des Ministeriums Gladstone im Dez. 1868 erhielt er die Stelle des Präsidenten des Staatsrats. Zu Anfang 1871 an er im Auftrage der Regierung als Vorsitzender der von England ernannten Hohen Kommission nach Washington und brachte nach längern Verhandlungen mit den amerik. Kommissaren im Mai 1871 den Vertrag von die dei Bee zum Abschluß. Zur Anerkennung für die bei dieser Gelegenheit geleisteten Dienste wurde er 23. Juni 1871 zum Marquis von Ripon erhoben. Er legte 1873 sein Amt als Präsident des Staatsrats nieder und trat bald darauf zum Katholizismus über. Auch dem Ehrenposten des Großmeisters der Freimaurer von England entsagte er 1874. Doch nahm er im April 1880 bei der Bildung des zweiten Ministeriums Gladstone die Ernennung zum Vizekönig von Indien an.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 347Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6