Salonichi, türk. Selanik, das alte Therma und spätere Thessalonich (s. d.) in Macedonien, nach Konstantinopel die größte den Türken in Europa verbliebene Stadt, ist Hauptort des Vilajets gleichen Namens (38 665 akm mit 650000 C.) und Sitz eines Waly und eines griech. Erzbischofs. Sie ist im östl. Hintergrunde des für die größten Kriegsfahrzeuge zugänglichen Thermäischen oder Meerbusens von Salonichi gelegen und hat die Gestalt eines Dreiecks, von dem die eine Seite dem Strande entlang läuft. Vom Ufer aus amphitheatralisch binnenwärts ansteigend, schließen die sie umgebenden, bereits halb abgetragenen Mauern mit der die dritte Spitze des Dreiecks bildenden ehemaligen Akropolis, dem spätern Heptapyrgion und jetzigen Jedi Kuleler (Sieben Türme), ab, einem in seinen heutigen Resten aus venet. Zeit stammenden Kastell, welches, durch eine tiefe Schlucht von der eigentlichen Stadtbefestigung getrennt, diese dominiert. Die Stadt hat (1884) 129000 E., unter denen 78000 Juden. Von dem Rest, der sich vordem zu gleichen Hälften auf Griechen und Türken verteilte, machen erstere heute zwei Drittel aus und sind im weitern starken Zunehmen begriffen, wie überhaupt die Stadt sich neuerdings erweiterte. S. ist Ausgangspunkt der Macedonien durchschneidenden, über Köprülü, Skoplia und Prischtina bis Mitrowitza sich fortsetzenden Eisenbahnlinie, welche die Bestimmung hat, später durch Bosnien hindurch verlängert, ihren Anschluß an das österr. Bahnnetz an der Save zu finden. S. hat 28 Moscheen, 8 Kirchen, unter denen zwei katholische, und mehrere griech. Klöster. Von den Hauptmoscheen waren einige früher griech. Kirchen, darunter die vormalige Hagia Sophia und die dem heil. Demetrius eweihte. Unter den Gewerben hat die Teppichsabrilation Wichtigkeit. S. ist reich an Resten aus dem Altertum. Der Handel ist seit dem Russisch-Türkischen Kriege 1877/78 gestiegen. Im Innern des Kastells ist die Ruine eines Triumphbogens des Mare Aurel. Das Propyläum des Hippodromos, von den dort wohnenden span. Juden Incantadas genannt, ist eine großartige korinth. Kolonnade von fünf Pilastern nebst Gebälk. Die große Area des Hippodromos lag zwischen dem Meere und der Rotunde, die, nach dem Muster des Pantheon in Rom erbaut, Rirternen Tempel aus Trajans Zeit gehalten wird. Die Moschee Eski-Dschamna war ein Tempel der thermäischen Venus und hatte auf jeder Seite 12 ion. Pilaster. Das Wardarthor am Westende der Stadt war der Triumphbogen des Octavianus Augustus zur Erinnerung an dessen Sieg bei Philippi, aus großen Marmorblöcken errichtet, 5mhoch und 3,5 mbreit. Am entgegengesetzten Ende stand der aus Backsteinen aufgeführte, mit Marmor bekleidete Triumphbogen Konstantins d. Gr. In der Umgebung, welche ungesund und von der Malaria heimgesucht ist, befinden sich schöne Landhäuser der fremden Konsuln und auch Schwefelquellen. S. kam 1429 unter die Herrschaft der Türken. Hier ermordete 6. Mai 1876 der fanatisierte türk. Pöbel den deutschen und den franz. Konsul.