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ErdkundeBrockhaus 1882

Salzburg, das alte Juvavia oder Juvavum, die Hauptstadt des ehemaligen Erzstifts und Kurfürstentums, sowie des jetzigen Kronlandes gleichen Namens, liegt an beiden Ufern der vierfach überbrückten Salzach in reizender Gegend. Der Mönchsberg am linken, der Kapuzinerberg am rechten Ufer, zwei isolierte Hügel, bilden eine Thalenge, in welche die Stadt hineingebaut ist, sodaß die äußersten Häuserreihen der Vorstädte Stein und Mülln an den elsen hängen. Die Stadt besitzt schöne und große lätze. Die Straßen sind jedoch meist eng und krumm, die Häuser mit flachen Dächern versehen und solid gebaut. Die Baulust der Erzbischöfe schmückte die Stadt mit vielen Prachtgebäuden, meist im ital. Stil. Die einengenden Festungsmauern fielen, die oft sehr wilde Salzach wurde reguliert und an beiden Seiten derselben neuerdings stattliche Kais mit anmutigen Promenaden hergestellt. Die neue Wasserleitung, 1875 vollendet, versorgt die Stadt mit dem Quellwasser des Untersbergs. Unter den 24952 E. (1880, ohne Garnison 23 499) befinden sich etwa 550 Protestanten. S. ist Sitz der Regierung, des Erzbischofs von S., eines Stadtkommandos, eines Landesgerichts, einer Forst- und Domänendirektion, einer Finanzdirektion, Handels⸗ und Gewerbekammer und anderer Behörden. Ausgezeichnete Gebäude sind die prachtvolle Domkirche, 115 mlang, 74 m hoch, 70 m breit, mit einer Fagçade von weißem Marmor, einer großen Orgel und vorzüglichen, aber infolge des Brandes von 1859 beschädigten, nunmehr restaurierten Gemälden, erbaut 1614—68; die Kirche zu St. Peter mit vielen Denkmälern bis ins 14. Jahrh. hinauf, auch mit Mich. Haydns Denkmale; die Margaretenkirche, ein schöner Bau von 1485 (restauriert 1864), in der Mitte des sehr interessanten alten Petersfriedhofs; die schöne Universitätskirche, die Kirche der Benediktinerinnen auf dem Nonnberge mit herrlichen Glasmalereien von 1480 und die nach dem Brande von 1818 neuerbaute St. Sebastianskirche mit Denkmal des Theophrastus Paracelsus. Im ganzen hat die Stadt 24 Kirchen, außerdem eine protestantische, die 1865 vollendet wurde. Das ehemalige Residenzschloß der Erzbischöfe ist jetzt kaiserl. Residenz und zum Teil vom Großherzog von Toscana bewohnt. Ein zweites Schloß der Erzbischöfe, Mirabell, das vom Kaiser Franz Joseph der Stadt käuflich überlassen wurde, ist nach dem Brande von 1818 ebenfalls neu aufgebaut. Der ehemalige erzbischöfl. Marstall für w130 Pferde, jetzt eine Kavalleriekaserne, war einer der schönsten in Europa. Andere bemerkenswerte Gebäude sind: der Neubau am Residenzplatz; die ehemalige Universität, das Priesterseminar mit der ehemaligen Pagerie; das Benediktinerkloster von St. Peter; das Cajetanerkloster, jetzt Militärspital, das Künstlerhaus, das Oberreal⸗ und Bürgerschulgebäude u. s. w. Die Kur⸗ und Badeanstalt ist höchst komfortabel und zweckmäßig ausgestattet. über der Stadt steht das alte weitläufige Schloß Hohensalzburg mit neu restaurierten alten und gotisch ausgestatteten

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 160Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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