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ErdkundeBrockhaus 1882

Samära, ein russ. Gouvernement auf der Ostseite der Wolga, welches erst durch den Ukas vom 6. (18.) Dez. 1850 aus Teilen der Gouvernements Simbirsk, Orenburg und Saratow zusammengesetzt worden ist. Das Gouvernement zählt (1882) auf 151043 qkm 2224 093 E. und kann bei seiner Fruchtbarkeit und vorteilhaften Lage mit fortschreitender Kultur eine der blühendsten Provinzen des Russischen Reichs werden. Es breiten sich hier auf der Ost- und Wiesenseite der Wolga mächtige, meist nur flach gewellte Ebenen aus, mit reicher Dammerde bedeckt. Auch das weiter ab liegende, zum Teil von niedern Ausläufern des Ural durchzogene Land trägt eine starke Humusschicht, bildet aber größtenteils noch Steppen mit den üppigsten Pfriemgrasfluren. Nur an der Südost⸗ und Südgrenze, wo der uralische Höhenzug des Obtscheisyrt sich erhebt, hat das Land einen mehr steinigen und bei dem Mangel an Wasser dürren Boden. An diesem entstehen, außer dem Sok, die meisten der zahlreichen Nebenflüsse der Wolga, wie die 230 Em lange Samara mit dem Kinel und Tok rechts und dem Busulik links, die Maina, der Jelan-Irgis, der Kleine und Große Irgis und der die Südgrenze bildende Targun mit dem Jeruslan. Die eigentlichen Steppengegenden haben indes kein Holz. Jetzt ist der ganze fruchtbare Landstrich an der Wolga von der Mündung des Großen Irgis (gegenüber Wolsk) abwärts in einer Breite von 52, ja sogar gegenüber von Saratow in einer Breite von 125 km, und dann wieder weiter unterhalb bis zur Südgrenze in einer Breite von 22 km völlig von Deutschen und Schweizern kolonisiert. In dem erstern Distrikt liegen das stadtähnliche Jekaterinstad, die Kolonien Solothurn, Zug, Friedenthal, Philippsthal, Weizenfeld, Alexanderdorf, Rosenthal am Jeruslan u. s. w. Das weiter ab liegende, bis 160 Em weit von der Wolga entfernte, ebenso fruchtbare Steppenland, das sog. Baschkirenland, wartet noch der Ansiedelung und regelmäßigen Bebauung. Man baut weniger Roggen als Weizen, auch Hafer, Gerste, Hirse, Buchweizen und in den deutschen Kolonien auch Tabak, nirgends Flachs und Hanf. Die Ernten sind sehr reich. Die Viehzucht 2 im allgemeinen gering. Eine Hauptquelle der ahrung und des Reichtums bildet der Fischfang. Die ansässige Bevölkerung des Gouvernements Klr vorzugsweise aus Großrussen, dann auch aus Kleinrussen, Deutschen (140000 in 79 Kolonien), Tataren, Baschkiren, Teptärjen, Kirgisen, Mordwinen, Tschuwaschen und Wotjäken. Die Hauptstadt Samara, an der Mündung der Samara in die Wolga und an der Orenburger Bahn gelegen, 1586 als Vormauer gegen die Baschkiren und Nogaier begründet und deshalb mit einem Erdwall und tiefen Gräben umgeben, von denen aber jetzt so wenig wie von der 1703 an ihrer Stelle errichteten Festung zu sehen, ist der Sitz eines Civilgouverneurs und eines Bischofs, hat einen Flußhafen, 13 griech.⸗russ. und eine prot. Kirche, ein Mönchskloster, eine Kreis⸗ und zwei Pfarrschulen, seit 1856 ein Gymnasium mit Bibliothek, physik. Kabinett und andern Sammlungen, ansehnliche Fabriken, Gerbereien, Seifensiedereien, große Getreidespeicher und andere Magazine und zählt (1882) 63400 E. Die Stadt ist in neuester Zeit einer der wichtigsten Handelsplätze an der Wolga Plähenden. indem sie namentlich durch ihren auflühenden Getreidehandel Simbirsk überflügelt. Nächst dem Getreide sind Mehl und Salz die Hauptegenstände des Umsatzes, in zweiter Linie Leinamen, Häute, Wolle, Fische und Kaviar. Jährlich finden drei große Märkte statt. Es kommen von hier die meisten feinen Lämmerpelze, welche die Kasimowschen Handelstataren herbeibringen. Vgl. Ucke, „Das Klima und die Krankheiten der Stadt S.v (Berl. 1863).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 165Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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