FeedSamaritaner
ErdkundeBrockhaus 1882

Samaritaner oder Samariter (bei Luther nach dem Griechischen) hießen seit der nachexilischen Zeit die Bewohner des nach der Stadt Samaria (. d.), der frühern Hauptstadt von Jsrael, benannten Landes Samaria, d. h. des mittlern Teils von Palästina. In dieser Gegend war aus der von den assyr. Eroberern im Lande zurückgelassenen israel. Bevölkerung und den aus Babel, Kutha (daher bei den spätern Juden Kuthäer soviel als Samariter), Hamath und andern Orten dahin verpflanzten heidnischen Kolonisten ein Mischvolk entstanden, welches den althebr. Gottesglauben vielfach mit heidnischen Elementen versetzte. Als diese Samariter an dem Bau des zweiten jüd. Tempels teilzunehmen wünschten, wurden sie als Unreine von der gesetzesstrengen Partei der Juden zurückgewiesen, wodurch sich eine allmählich wachsende Feindschaft zwischen ihnen und den Juden bildete. Sie richteten infolge dieser Trennung und mit Unterstützung eines aus Jerusalem ausgewanderten Priesters Manasse einen eigenen Kultus ein (432 v. Chr.) und bauten auf dem Berge Garizim bei Sichem (dem heutigen Nablus) einen Tempel, wodurch das Schisma zwischen Juden und S. vollendet wurde. Dieser Tempel wurde 129 v. Chr. von Johannes Hyrkanus zerstört, aber die Stelle, wo er gestanden, blieb den S. die heilige Stätte der Anbetung bis auf diesen Tag. Sie berufen sich dafür auf 5 Mos. 27, 4, wo in ihrem Texte Garizim steht statt Ebal. Im 18. Jahrh. gab es noch S. in Agypten, in Damascus, Askalon, Gaza, Cäsarea und andern Orten. Jetzt finden sich deren nur noch in Nablus, wo sie bis auf ungefähr 20 Familien zusammengeschmolzen sind, aber immer noch streng an ihrem Glauben festhalten. Der Pentateuch ist ihnen das einzige heilige Buch und Moses der einige wahre Prophet; alle andern Bücher der jüd. Bibel verwerfen sie, alle übrigen Propheten gelten ihnen als falsche Propheten. Ihr Pentateuch, der übrigens in einem ältern Schriftcharakter (der sog. samaritanischen Schrift) überliefert und noch ohne Vokalzeichen geschrieben ist, weicht nicht bloß von dem bei den Juden hergebrachten Texte in vielen einzelnen Stellen ab, sondern ist auch in einem eigenen, aber mit vielen hebr. Wörtern und Formen versetzten aramäischen Dialekt, der samaritanischen Sprache, geschrieben. In demselben Idiom sind ihre Liturgien und Ritualien, sowie eine Anzahl religiöser Lieder oder Psalmen verfaßt, letztere teilweise mit Endreim der Verse und die Strophenanfänge öfters nach dem Alphabet geordnet. Seit aber das Arabische ihre Umgangssprache geworden ist, haben sie nicht nur den Pentateuch, sondern auch diese Lieder und Liturgien ins Arabische übersetzt. In arab. Sprache besitzen sie noch ein wahrscheinlich erst im 13. Jahrh. verfaßtes sog. Buch Josua, d. i. eine Chronik von Josuas Zeit bis auf Konstantin d. Gr. (herausg. von Juynboll, Leid. 1848), eine andere Chronik von Abu-l'⸗Fatch, die bis ins 14. Jahrh. hinabreicht (herausg. von Ed. Vilmar, Gotha 1865) und einige dogmatische und exegetische Schriften. Vgl. de Saey in den Notices et extraits de manuscrits de la bibliothèque du roi (Bd. 12, Par. 1831); Juynboll, CCommentarii historiae gentis Samaritanaey (Leid. 1846); Barges, «Les Samaritains de Naplousen (Par. 1855); Kohn, «Samaritanische Studieno (Bresl. 1868); 4Zur Sprache, Litteratur und Dogmatik der S.» (Lpz. 1876); Appel, Quaestiones de rebus Samaritanorumo (Gött. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 167Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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