Sanchoniathon oder Sanchuniathon (phönizisch Sakün-yathön, Sachon hat ihn gegebeno), von Berytos (dem 5. Eur Beirut) oder von Tyrus, soll um 1250 v. Ehr. gelebt und, wie ein anderer phöniz. Schriftsteller, Mochos, über die rh Phöngziens und Agyptens geschrieben Buche Wenigstens bestanden im Altertum neun ücher eines dem Könige Abibal, Vaters Hirams, gewidmeten, aus den Tempelarchiven zusammengestellten Geschichtswerks in 45. Sprache, als deren Verfasser man S. ausgab. Um Christi Geburt übersetzte Herennius Philo aus Byblos dieses Werk ins Griechische. Diese übersetzung erkannte der Bischof von Cäsarea, Eusebius, als echt an und verfaßte nach derselben in seiner Praeparatio evangelicad einen Abriß der phöniz. Mythologie und Kosmogonie. Diesen allein erhaltenen Teil des Werks gab Orelli (Lpz. 1826) besonders heraus. Man hat schon früh die Glaubwürdigkeit der übersetzung des Philo angegriffen; doch fehlt, genau genommen, jeglicher Grund, dieses im Altertum anerkannte Werk zu verdächtigen. Es ist auch keineswegs erwiesen, daß Philo in seiner Übersetzung neue Elemente den alten hinzugefügt habe. In neuerer Zeit ist S. der Gegenstand einer berühmten Fälschung geworden. Ein gewisser Friedr. Wagenfeld aus Bremen (gest. 26. Aug. 1846) gab vor, die Übersetzung des Philo in einer Handschrift aus dem portug. Kloster Sta.Maria de Merinhao durch einen portug. Obersten Pereira erhalten zu haben. Er veröffentlichte daher zuerst S.s Urgeschichte der Phönizier, in einem Auszuge aus der wieder aufgefundenen Handschrift von 41 vollständiger Übersetzungo (Hannov. 1836), später den griech. Text mit einer lat. Übersetzung ((Sanchuniathonis historiarum Phoeniciae libri novem Graece versi a Philone Byblioo, Brem. 1837) und dann eine deutsche übersetzung mit einer Vorrede von Classen (Lüb. 1837). Bald entdeckte man jedoch den Betrug Wagenfelds. Vgl. Grotefend, „Die Sanchoniathonische Streitfrages (Hannov. 1836); Schmidt von Lüheck, «Der neuentdeckte S. Altona 1838), sowie die franz. Übersetzung des ebas. Die Fragmente der übersetzung des Philo sind gesammelt in Müllers Fragmenta historicorum graecorumo (Bd. 3, Par. 1849).