Moscherosch (Joh. Mich.), eigentlich Rosenrosh, einer der vorzüglichsten deutschen Schriftsteller des 17. Jahrh., stammte aus einer aragonesischen, unter Karl V. nach Deutschland gekommenen Adelsfamilie. Er wurde 5. März 1601 zu Wilstädt in der Grafschaft Hanau-Lichtenberg geboren und studierte zu Straßburg die Rechte. Nachdem er einige Jahre Hauslehrer bei dem jungen Grafen von Leiningen-Dachsburg Ruedenen war er nacheinander Amtmann an verschiedenen Orten, schwed. Kriegsrat und Sekretär und Fiskal der Stadt Straßburg; 1656 trat er als Geh. Rat in die Dienste des Grafen Friedrich Kasimir von Hanau, dann in die des Kurfürsten von Mainz und 1664 in die der Landgräfin von Hessen. Er starb auf einer Reise zu Worms 4. April 1669. M. war seit 1645 Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft, in welcher er den Beinamen des Träumenden führte; als Schriftsteller nannte er sich Philander von Sittewald. Sein Hauptwerk ist (Wunderliche und wahrhaftige Gesichte Philanders von Sittewald, d. i. Strafschriften Hans Michael Moscheroschs von Wilstädt, in welchen aller Welt Wesen, aller Menschen Händel mit ihren natürlichen Farben der Eitelkeit, Gewalts, Heuchelei und Thorheit bekleidet, öffentlich auf die Schau geführet, als in einem Spiegel dargestellet und gesehen werden» (2 Bde., Straßb. 1643 u. öfter). Dieses Werk, den Suenoso des Spaniers Quevedo nachgebildet, besteht aus 14 allegorisch-satirischen, zuerst einzeln gedruckten Traumbildern, welche die verschiedensten Gebrechen der Zeit mit großer Lebendigkeit und Anschaulichkeit schildern. Für die Gegenwart wird der Wert dieser Schilderungen durch die schwerfällige, gelehrte Form gemindert. Die leidener Ausgabe (7 Bde., 1646—48) enthält viele unechte Zusätze. Eine neue Ausgabe, in Auswahl, besorgte Bobertag in Kürschners »Deutscher National-Litteraturo (Bd. 32, 1884). Nicht zu verwechseln ist M. mit seinem Bruder Quirinus M., der unter dem Namen Philander Mitglied des Hirten⸗ und Blumenordens an der Pegnitz war und 1673 ein Poetisches Blumenparadieso herausgab.