Armenische Litteratur. Nach gewöhnlicher 4. Mhrh. beginnt die armen. Litteratur mit dem 4. Jahrh. n. Chr. Diesem Jahrhundert sollen angehören: die Homilien Gregors des Erleuchters, des Apostels der Armenier, um 300 (Vened. 1838); die Geschichte dieses heil. Gregor von Agathangelos (Vened. 1862); die dem Jakobus von Nisibis zugeschriebenen Homilien (mit lat. übersetzung von Antonelli, Rom 1756; Konstantin. 1824); die Geschichte der Provinz Taron von Zenob Glak (Vened. 1832); die Geschichte Armeniens von Faustus von Byzanz (Konstantin. 1730; Vened. 1832). Aber diese Werke können in armen. Sprache frühestens im 5. Jahrh. abgefaßt worden sein, wenn auch Agathangelos und Faustus von Byzanz (2) vielleicht schon im 4. Jahrh. in Anfant Sprache existierten. Das 5. Jahrh. ist der Anfang und zugleich die goldene Zeit der armen. Litteratur. Nachdem die armen. Schrift geschaffen war, wurde die Bibel aus dem roken Kat in vortrefflicher Weise durch Sahak den Großen, Katholikos von Armenien, und Mesrop übersetzt (kritische Ausgabe, Vened. 1805). Unter den Schülern dieser beiden Männer zeichneten sich aus: Cznik, der eine Widerlegung der Heiden verfaßte (Smyrna 1762; Vened. 1826; franz. von Le Vaillant de Warran Par. 1853); Koriun, Verfasser einer Biographie Mesrops (Vened. 1833); David der Philosoph, genannt Anhaghth, d. h. der Unbesiegbare, von dessen Schriften besonders die Philos. Definitioneno (Konstantin. 1731; Vened. 1833) bekannt sind; Eghisché oder Elisäus, welcher außer Homilien, einer Ermahnung an die Mönche und erklärenden Schriften über biblische Bücher eine en die Pe der Kriege des Feldherrn Wardan gegen die Perser» (oft gedruckt, zuletzt Vened. 1859; engl. von Neumann, Lond. 1830; ital. von Cappelletti, Vened. 1840; franz., Par. 1844; russ., Tiflis 1853) schrieb; Ghazar (Lazar) von Pharp, von welchem ein Geschichtswerk über die Zeit von 388—485 auf uns gekommen ist (Vened. 1793 u. 1873). Der berühmteste aber unter allen Schülern Mesrops ist Moses von Khorene (gest. 487), der gefeiertste Historiker seiner Nation, unter dessen oft gedruckten Werken (zusammen, Vened. 1843 u. 1865), außer einer Rhetorik (herausg. von Zohrab, Vened. 1796) und einigen kleinern Schriften, besonders die Armenische Chronik von Haik bis 441 (herausg. unter anderm mit lat. übersetzung von den Brüdern Whiston, Lond. 1736; mit franz. Übersetzung von Le Vaillant de Florival, Par. 1841; eine ital. Üübersetzung, Vened. 1849—50; eine russische von Emin, Mosk. 1858, eine deutsche von Lauer, Regensb. 1869) von Wichtigkeit ist. Die ihm zugeschriebene Geographie (herausg. von Saint-Martin, Par. 1819, und Patkanean, Petersb. 1877) gehört einer Kberfe Zeit an. Das 5. Jahrh. ist auch reich an übersetzungen griech. und syr. Schriftsteller. Darunter sind diejenigen besonders beachtenswert, deren Originale sich nicht mehr finden, wie: die Chronik des Eusebius (mit lat. übersetzung herausg. von Aucher, 2 Bde., Vened. 1818; bloße lat. Übersetzung von Zohrab und Angelo Mai, Mail. 1818; neu revidiert in der Ausgabe von Schöne, Bd. 2, Berl. 1866; Bd. 1, 1875, von Petermann); Reden des Philon (herausg. von Aucher, Vened. 1822) und andere Fragmente dieses Schriftstellers (Vened. 1826); Homilien des Chrysostomus (5 Bde., Vened. 1826 —62), des Severianus (Vened. 1827), des Basilius Magnus (Vened. 1830), des E Lran Syrus (4 Bde., Vened. 1836), das Leben exanders vom Pseudo-Kallisthenes (Vened. 1842). Eine armen. übersetzung der Briefe des heil. Ignatius (zuerst Konstantin. 1783) hat Petermann (Opz. 1849) wieder veröffentlicht. Ins 7. Jahrh. wird Johannes der Mamikonier gesetzt, der Zenob Glaks Geschichte von Taron bis auf seine Zeit fortführte (gedruckt in den Ausgaben Zenobs). Theol. Schriften verfaßten in demselben Jahrhundert Theodoros Kherthenavor und der Katholikos Sahak III.; Sebeéos schrieb eine Geschichte des Heraklius (Konstantin. 1851; russ. von Patkanean, Petersb. 1862, armen. 1879). Aus dem 8. Jahrh. sind besonders zu erwähnen: Johannes Odznensis, der Katholikos und Philosoph, der unter anderm gegen die Eutychianer und Paulicianer schrieb (Werke mit lat. übersetzung von Aucher, Vened. 1834), und dessen Zeitgenosse Stephanus Siunensis, Erzbischof von Siunia, der zahlreiche übersetzungen aus dem Griechischen machte, von denen jedoch nur die der Werke des Cyrillus von Alexandrien (Konstantin. 1717) veröffentlicht ist. Etwas später lebte Ghevond (Leontius), der eine Geschichte der arab. Eroberungen und Gewaltthätigkeiten in Armenien von 632 — 788 verfaßte (herausg. von Schahnazarian, Par. 1857, franz. 1856; russ. von Patkanean, Petersb. 1862). Im 10. Jahrh. schrieben die Geschichtschreiber Johannes VI. Katholikos, dessen Geschichtswerk von der Sintflut bis 925, dem Todesjahr des Verfassers, reicht (Jerus. 1843; Mosk. 1853; franz. von Saint-Martin, Par. 1841), und Thomas Artsruni, der eine Ges 517 der Fürsten der Artsrunier verfaßte, die jedoch zugleich allgemeine Weltgeschichte ist, bis 936 reicht und später bis 1226 fortgeführt wurde (Konstantin. 1852, franz. von Brosset 1874). Etwas später fallen Khosrow, mit dem Beinamen des Großen, dessen Kommentar zum armen. Brevier eschätzt ist, und Mesrop der Priester, welcher eine Biographie Nerses des Großen (Madras 177⁵, Vened. 1853) verfaßte. Der gefeiertste Autor des 10. Jahrh. ist Grigor Narekensis (geb. 951, gest. 1003), dessen zahlreiche 1550 Werke (Vened. 1827) von Gabriel steben ommentiert wurden. Um dieselbe Zeit schrieben auch Uchtanes von Urrha (armen. 1871, franz. von Brosset 1870) und Moses Kalankatuensis, dessen Geschichte der (kaukas.) Albanier (Par. 1860; Mosk. 1860; russ. von Patkanean, Petersb. 1861) erst in jüngster Zeit wieder aufgefunden wurde. Ins .. gehört Steph. Asolik, der eine bis 1004 reichende Chronik verfaßte (Par. 1859), sowie Aristakes von Lastiwert, dessen Geschichtswerk (Vened. 1844) die Zeit von 989—1071 umfaßt, und Matthéos der Priester, der eine Biographie des Johannes Chrysostomus (Vened. 175¹) schrieb. Der berühmteste armen. Schriftsteller des 12. Jahrh. ist sich a Klajetsi, mit dem Beinamen Schnorhali, der sich als Theolog und Dichter gleich ausgezeichnet hat (Werke, lateinisch, Vened. 1833). Daneben sind zu nennen der Geschichtschreiber Mattheos Urrhajensis, der die Ereignisse von 952—1136 schilderte und in dem Priester Grigor einen Fortsetzer bis 1162 fand (franz. von Dulaurier, Par. 1858); ferner Nerses Lambronensis, ein ausgezeichneter Gelehrter und Kanzelredner, unter dessen Werken (Vened. 1847) sich auch eine vortreffliche „Synodalreden (Vened. 1812; deutsch von Neumann, Lpz. 1834) befindet; endlich Michael der Syrer, von 1167—1200 jakobitischer Patriarch, der eine allgemeine Chronik von Adam bis 1198 in syr. Sprache verfaßte, welche bis 1250 von einem andern fortgesetzt wurde und sich nur in einer armen. übersetzung vorfindet (herausg. nach zwei verschiedenen Recensionen zu Jerusalem 1870 und 1871, franz. von Langlois, Vened. 1868). Ins 13. Jahrh. gehören die Geschichtschreiber Wardan d. Gr. von Bardserberd, der außer Fabeln und theol. Werken eine Geschichte von Anfang der Welt bis 1267 schrieb (herausg. von Emin, Mosk. 1861; Vened. 1862); Kirakos (Cyriacus) von Gandzak, dessen Geschichtswerk von 300—1264 reicht und fur die letzte Zeit ausführlich wird (herausg. von Oskan, Mosk. 1858; Vened. 1865; franz. von Brosset 1870); Malakhia der Mönch, der ein Werk über die Züge der Tataren von 1228— 72 verfaßte, und Wahram genannt Rabuni, der außer andern Schriften au eine Geschichte der Rubeniden bis 1280 in Versen (Par. 1859) hinterlassen hat. In dasselbe Jahrbaer fällt noch Stephanus Siunensis, der Orelier, der als Verfasser einer Geschichte der Pro1859; von Emin, Mosk. 1861) bekannt ist. Auf der Grenze des 13. und 14. Jahrh. lebte der Oberfeldherr Sembat, der ein Werk über die Zeit von 961 — 1244 (1331) (herausg. von Oskan, Mosk. 1856; von Schahnazarean, Par. 1859) verfaßt hat. Mit dem Schluß des 14. Jahrh. endet die bessere Zeit der armen. Litteratur. Wenn auch der größte Teil der aus derselben auf uns gekommenen Werke nur der Theologie und der Geschichtschreibung angehört, so sind diese doch für die Kenntnis der Geschichte des Orients während des Mittelalters von bedeutendem Werte. Die Muster, nach denen die armen. Schriftsteller sich bildeten, die spätern griech. Prosaiker und Byzantiner, sind in allen ihren Schriften zu erkennen. Den übrigen orient. Schriftstellern stehen sie zumeist voran durch verständige Auswahl der Thatsachen und ziemlich geschmackvolle Darstellung. Seit dem 14. Ja rh. beginnt die Litteratur zu sinken. Im 15. Jahrh. verfaßte Thomas von Metsoph eine Geschichte Timurs und im 17. Jahrh. Arrakhel von Tabris eine Geschichte seiner Zeit von 1601—62 (Amsterd. 1669, franz. von Brosset w1874). Dem 18. Jahrh. gehören an: Michael Tschamtschean, der eine allgemeine Geschichte seines Volks von den ältesten Zeiten an verfaßte (3 Bde., Vened. 1784 —86; in kürzerer Fassung engl. von Adall, 2 Bde., Kalkutta 1827), und Lukas Indschidschean, dessen „Beschreibung von Altarmenien »(Vened. 1822) und „Beschreibung des Thrazischen Bosporuso (Vened. 1794; ital. 1831) geschätzt sind. In Werken der Poesie hat die armen. Litteratur nichts Erhebliches geleistet. Außer den Hymnen der armen. Kirche sind nur die Gedichte des Nerses Klajensis (Vened. 1830) zu nennen, unter denen u eine Elegie über die Einnahme von Edessa auszeichnet (Par. 1828). Andere Dichter sind Petros Getadardz im 11. Jahrh. (franz. von Neve, Löwen 1855) und Nerses Lambronensis. Sonst verdienen noch Erwähnung die Fabeln des Mechithar Gosch (Vened. 1854) und des Wardan larmen. und franz., Par. 1825), aus dem 12. und 13. Jahrh. Übrigens haben die Armenier der Litteratur ihres Vaterlandes stets ein lebhaftes Interesse bewahrt, und wo sie sich auch seit ihrer Zerstreuung niedergelassen, überall haben sie Druckereien angelegt, sodaß man armen. Drucke kennt aus Amsterdam, Venedig, Livorno, Moskau, Astrachan, Konstantinopel, Smyrna, Tiflis, Petersburg, Edschmiadzin, Madras, Kalkutta u. s.w. In mehrern der genannten Städte sind in den letzten Jahrzehnten auch armen. Zeitungen und Zeitschriften entstanden. Vgl. Sukias Somal, «Quadro della storia letteraria di Armenia (Vened. 1829), frei bearbeitet von Neumann im Versuch einer Geschichte der armen. Litteraturp (Lpz. 1836); Patkanean, „Catalogue de la littérature arméniennen in Meélanges asiatiqueso (Bd. 4, Petersb. 1860); Karekin, (Geschichte der armen. Litterature (in armen. Sprache, 2 Bde., Vened. 1865—78); Patkanean, (Bibliogr. Umriß der armen. histor. Litteraturv (russ., Petersb. 1880).