FeedSankt Goar
ErdkundeBrockhaus 1882

Sankt Goar, Kreisstadt am linken Rheinufer im preuß. Regierungsbezirk Koblenz, an der Linie Köln-Bingerbrück der Preußischen Staatsbahnen, 35 Em oberhalb der Stadt Koblenz gelegen, bis 1794 Hauptort der kurhess. Niedergrafschaft Katzenellnbogen, galt mit der über ihr gelegenen Feste Rheinfels (s. d.) für einen der wehrhaftesten Punkte am Rhein und hat jetzt noch ziemlich wohlerhaltene Befestigungsmauern, die das Malerische ihrer Lage noch erhöhen. Die kath. Kirche bewahrt ein altes Steinbild des heil. Goar von Aquitanien (gest. 611), bei dessen hier 570 gegründeter Kapelle der Ort entstand. Die 1441 erbaute und seit 1842 im Innern restaurierte große evang. Stifskirche enthält Marmordenkmäler des hess. Landgrafen Philipp II. (gest. 1581) und seiner Gemahlin, sowie andere Sehenswürdigkeiten, und der Kirchhof die sog. Flammensäule, eine kelt. Pyramide von 1,5 m Höhe, die vom Dorfe Pfalzfeld auf dem Hundsrück 1845 hierher gebracht wurde. S. ist Sitz eines Landratsamts und eines Amtsgerichts und zählt (1885) 1453 E., die besonders vom Lotsendienst, Sohllederfabrikation, Lachsfang, Obst⸗ und Weinbau, Handwerksbetrieb und Weinhandel leben. Die sonst sehr gefährliche Stromschnelle der Sankt-Goarsbank ist durch Sprengung der unter Wasser befindlichen Felsenriffe beseitigt. — Der Kreis Sankt⸗-Goar (465,2 ꝗkm mit 38986 C.), zu dem auch die Städte Boppard, Bacharach und Oberwesel gehören, umfaßt einen der schönsten Teile des Rheinthals. „Sankt Goarshausen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, seit 1. April 1886 Hauptstadt eines Kreises, rechts am Rhein, auf schmaler fruchtbarer Thalsohle des Rheinischen Schiefergebirges, welches mit steilen Felsabhängen den Stromlauf einengt, am Eingang zum schönen Ente Laantl Sankt Goar gegenüber, Station der Linie Frankfurt a. M.Niederlahnstein der Preußischen Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts, zählt (1885) 1456 E. und hat eine kath. und eine 1863 von Zais im roman. Stile erbaute prot. Pfarrkirche, Salmenfang, Weinbau, bedeutende Kunstmühle, große Gerberei (Sohlleder) und bedeutende Fruchtmärkte. Üüber dem obern Ende des Orts liegt die Ruine der 1343 vom Grafen Johann III. erbauten, 1470—1800 in hess. Besitz befindlichen Burg Neukatzenellnbogen (die Katz), welche 1806 von den Franzosen geschleift, später zum Teil erneuert wurde. Stromaufwärts liegt die Lurlei.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 200Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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